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Ray Liotta: Die bösen Jungs bleiben einem eher im Gedächtnis

Seit fast 30 Jahren im Business, hat der 1954 in Newark geborene Ray Liotta in einigen Klassikern des modernen Kinos wie GoodFellas von Martin Scorsese, Fatale Begierde von Jonathan Kaplan und ...

Interview mit Ray Liotta


Seit fast 30 Jahren im Business, hat der 1954 in Newark geborene Ray Liotta in einigen Klassikern des modernen Kinos wie GoodFellas von Martin Scorsese, Fatale Begierde von Jonathan Kaplan und Hannibal von Ridley Scott gespielt. Auch in Uwe Bolls Computerspieladaption Schwerter des Königs – Dungeon Siege ist er wieder der Bösewicht. Wir sprachen mit dem Schauspieler über seinen neuen Kinofilm, seine Projektwahl und die Schattenseiten des Filmbusiness.

Frage: Wie war es, Schwerter des Königs – Dungeon Siege zu drehen?

Ray Liotta: Es war sehr seltsam. Uwe Boll, der Regisseur, ist ja Deutscher. Ich habe keine Ahnung, wie das Ergebnis aussieht. Es war aber definitiv ein ambitioniertes Projekt, trotzdem ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Das Ganze basiert ja auf einem Computerspiel. Und Uwe ist wirklich eine Type. In Kanada hat er sich wegen seines Films BloodRayne mit Kritikern einen Boxkampf geliefert. Er hat sie herausgefordert, weil ihm nicht gefallen hatte, dass sie seinen Film schlecht gemacht hatten. Er ist ein wahrer Selbst-Promoter. Als wir drehten, gab es einige ziemlich nervige Zwischenfälle. Er hatte Leute auf den Set eingeladen, die bei Radiopreisausschreiben gewonnen hatten. Die liefen dann immer hinter den Kameras rum, während wir spielten, und auch seine Hunde waren ständig dabei. Er ist wirklich ein sehr, sehr netter Kerl und ich mochte ihn sehr gern, aber ich habe keine Ahnung, wie der Film geworden ist.

Frage: Ist es eine Herausforderung, Regisseure wie ihn zu haben, wenn man sein Handwerk selbst als Method Actor gelernt hat?

Ray Liotta: Ich habe gelernt, mich ganz auf mich selbst zu verlassen, deswegen bin ich nicht auf die Hilfe des Regisseurs angewiesen, um meinen Charakter zu finden. Wenn man das Glück hat, mit einem Regisseur zusammenzuarbeiten, der wirklich stark ist und genau weiß, was er tut – wie beispielsweise Scorsese, Ridley Scott oder Jonathan Demme – dann kann man sich wirklich in guten Händen fühlen. Dann kann man sich alles erlauben und weiß, dass es am Ende so zusammen geschnitten werden kann, dass in neun von zehn Fällen dabei ein guter Film herauskommt. Aber ich habe auch mit einigen Regisseuren zusammengearbeitet, die von der ganzen Sache nicht die leiseste Ahnung hatten und ihren Hintern nicht von ihrem Ellenbogen unterscheiden konnten.

Frage: Du spielst sehr häufig Gangster und böse Buben – macht das noch Spaß oder hast Du das langsam satt?

Ray Liotta: Nun, ich habe ja eine Menge verschiedener Sachen gemacht. Gerade erst gestern lief hier ein Film im Fernsehen, von dem ich vergessen hatte, dass ich ihn gedreht habe – Die Wahrheit über Engel mit Vanessa Redgrave, darin habe ich einen netten Kerl gespielt, oder aber auch Dominick & Eugene, Corrina, Corrina oder den Film mit den Muppets (Muppets aus dem All; die Red.) – ich habe schon eine Menge verschiedener Rollen gespielt, aber ohne mich jetzt verteidigen zu wollen, ich glaube, dass einem die bösen Jungs eher im Gedächtnis bleiben. Ich wurde noch nie verhaftet, habe mich nur einmal mit einem anderen geprügelt – jemanden zu spielen, der einem selbst nicht entspricht, macht einfach Spaß! Einfach mal so zu tun als ob. Klar, es macht mir auch Spaß, andere Dinge zu drehen, ich habe gerade in einer Komödie gespielt, die wohl demnächst ins Kino kommen wird. Auch in dem Film Slow Burn, der dieses Jahr in den USA gestartet ist, spiele ich eine Figur, die auf Einflüsse von außen reagiert, also keinen Bösewicht. Die Bösen bleiben den Leuten einfach eher im Gedächtnis. Wenn man an einen Schauspieler denkt, der auch mal eine Figur mit solchen Ecken und Kanten gespielt hat, fallen einem diese immer als Erstes ein, wie z.B. bei Robert De Niro, obwohl der doch wirklich alles gespielt hat. Oder Al Pacino, Gene Hackman oder Robert Duvall – man denkt immer zunächst an deren zwielichtige Figuren. Nicht, dass ich mich mit denen jetzt auf eine Stufe stellen wollte, aber so funktioniert das nun mal mit der Erinnerung der Kinozuschauer. Aus irgendeinem Grund verdrängt man eher die liebenswerten Figuren aus seinem Gedächtnis. Ab und zu spiele ich eben auch mal die Bösen, das ist mein Job, so zu tun als ob. Manchmal ist es schon frustrierend und ich würde mir wünschen, andere Rollen zu spielen.

Frage: Wirst Du wieder mit Scorsese zusammenarbeiten?

Ray Liotta: Ich sollte ursprünglich in The Departed mitspielen, was dann aber aus Zeitgründen leider nicht geklappt hat.

Frage: Wie wählst Du Dir Deine Rollen aus, Du hast ja zuletzt jährlich drei bis vier Filme gedreht?

Ray Liotta: Ja, mir geht es da wie vielen Schauspielern, die Höhen und Tiefen in ihrer Karriere haben. Ich glaube, dass ich am Anfang meiner Karriere die Dinge zu wohlüberlegt angegangen bin. Nachdem ich einen Bösewicht oder was ganz Abgedrehtes gespielt hatte, wollte ich etwas wie Dominick & Eugene drehen, nach GoodFellas habe ich einen Herzchirurgen in einem Film mit dem Titel Article 99 gespielt, aber das Studio ging bankrott, ich hatte damit also Pech. Ich versuche einfach, die besten Entscheidungen zu fällen, die ich kann, mit dem, was mir angeboten wird. Man hat schließlich die Verantwortung, Essen auf den Tisch zu bringen, und ich habe eine Tochter. Ich will damit nicht sagen, dass ich es des Geldes wegen mache, aber man muss schließlich arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass ich den Durchbruch noch immer nicht geschafft habe, dass meine Zeit jetzt kommen wird.

Frage: Was macht Dich in Deinem Beruf besonders glücklich?

Ray Liotta: Wenn ich einen Job bekomme, wenn ich für eine Rolle lerne – es macht mir Spaß, meine Hausaufgaben zu machen. Da gibt es bei mir eine Vorfreude und Nervosität, wenn ein Film abgeschlossen wird und letztendlich anläuft. Das ist immer eine große Erleichterung, aber ich mag alles an dem Job, nur das Business an sich hat fürchterliche Seiten. Man zählt immer nur soviel wie sein letzter Erfolg.

Frage: Und worin besteht für Dich privates Glück und ein perfekter Tag?

Ray Liotta: Zeit mit meiner achtjährigen Tochter verbringen, ein Vater sein.

Frage: Was hältst Du für angemessen für Deine Tochter, wenn Du Zeit mit ihr verbringst, hinsichtlich Unterhaltungsmedien, Musik, Filmen etc.?

Ray Liotta: Na ja, Musik…die Art, wie Britney Spears und junge Künstler wie sie sich anziehen und ihre Körper zur Schau stellen, gefällt mir nicht sehr. Ich hoffe, dass sie das nicht nachahmen wird. So was fängt schon an, wenn man klein ist. Aber meine Exfrau und ich sind sehr liberal in der Erziehung von Karsen, sie kann Rechtes von Unrechtem unterscheiden. Sie mag außergewöhnliche Filme sehr gern, auch manchmal die etwas gruseligen, denn sie weiß ja, dass alles nur gespielt ist, das habe ich ihr natürlich schon erklärt.

Frage: Wenn Du eine sehr anspruchsvolle Rolle spielst, stellt Dir Karsen dann Fragen darüber, wie das denn jetzt genau war?

Ray Liotta: Die Filme, in denen ich wirklich fiese Jungs gespielt habe, darf sie natürlich noch nicht anschauen. Sie hat sich Born to Be Wild angesehen und danach gesagt: „Dad, kannst Du denn nicht nett sein?“ (lacht). Und dann hat sie auch noch ein paar meiner anderen Filme gesehen wie Operation Dumbo und Corrina, Corrina und den Film mit den Muppets, in dem ich eine Szene mit Miss Piggy hatte. Aber sie durfte natürlich Filme wie GoodFellas, Fatale Begierde oder Hannibal nicht sehen! „Iss mein Gehirn“ würde ihr den Schock ihres Lebens versetzen!

Frage: Wenn Du nur eine Sache am heutigen Filmbusiness ändern könntest, was wäre das dann?

Ray Liotta: Ich wünschte ein wenig, wir wären wieder in den 70er Jahren. Ich wünschte mir sogar fast, Der weiße Hai wäre nie gedreht worden. Das ist natürlich ein toller Film, aber nachdem er als erster die Einspielmarke von 100 Millionen Dollar geknackt hatte, veränderte sich einfach das Filmbusiness. Es wäre schön, wenn man Filme wieder des Filmemachens wegen drehen würde und nicht den Druck des Einspielergebnisses hätte. Es ist so schrecklich teuer geworden, Filme zu drehen, und ich wünschte, es ginge dabei mehr um die Kunst als um den Kommerz. (Frank Brenner)


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