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Interview mit Regis Wargnier: East West

Regis Wargnier ist der Regisseur des Film East West - Eine Liebe in Russland Frage: Ihr Projekt hat sich im Lauf der Produktion noch stark verändert. Was war Ihr Ausgangspunkt, und wo sind Sie ...

Interview mit Regis Wargnier


Regis Wargnier ist der Regisseur des Film East West - Eine Liebe in Russland

Frage: Ihr Projekt hat sich im Lauf der Produktion noch stark verändert. Was war Ihr Ausgangspunkt, und wo sind Sie schließlich gelandet?

Regis Wargnier: Anfänglich hatte ich Sehnsucht nach Bildern von großer Weite, und ich wollte erneut mit Cathérine Deneuve arbeiten. Ich stellte mir einen Western in Zentralasien vor, einen "Eastern" sozusagen. In der ursprünglichen Geschichte ging es um eine von Cathérine Deneuve gespielte Diplomatin, die Zentralasien bereist, um ein Rassepferd zu suchen, das von den Turkmenen an den Präsidenten der Republik verschenkt werden sollte. Daher habe ich alle zentralasiatischen Republiken besucht: Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisien, die für mich die letzten Abenteuerlandschaften dieser Erde sind. Aus diesem Projekt wurde aber leider nichts, weil es zu teuer geworden wäre und zu kompliziert. Aber während dieser Reise habe ich in den entferntesten Winkeln Leute kennengelernt, die französisch sprachen. Es waren Kinder oder Enkel französischer Mütter und russischer Väter, die sich aufgrund des Appells von Stalin 1946 entschlossen hatten, nach Russland zurückzukehren und von denen eben viele in diesen abgelegenen zentralasiatischen Regionen gelandet sind. Das war der Keim des Films.

Marie und Alexei, die Helden von East West - Eine Liebe in Russland, sind den Lebensläufen von Personen nachempfunden, die diese tragische Episode aus der Geschichte des Kommunismus tatsächlich selbst erleben musssten. Ich war von Beginn an neugierig darauf zu erfahren, warum diese Menschen zurückgegangen sind, wie sie in diese Falle des Stalinismus tappen konnten. Sofort nach ihrer Ankunft in Russland wurde ihnen ihr Irrtum bewusst, aber da war es schon zu spät. Sie konnten ihre Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Die, die nicht gleich ermordet wurden, musssten sich zwangsläufig anpassen und akklimatisieren.

Frage: Welche Belege gibt es für diese Geschichte?

Regis Wargnier: Das ist sehr schwierig. Selbst wenn die UdSSR sich aufgelöst hat, so hat sich die Mentalität der Menschen nicht wirklich geändert. Nach dreißig, vierzig Jahren sowjetischen Terrors haben die Überlebenden ihre Angst (die bis zur Paranoia geht) nicht abgelegt. Sie fassen schwer Vertrauen. Sie sind es gewöhnt zu schweigen und sich vor aller Welt in Acht zu nehmen - vor allem vor Ausländern. Es ist sehr schwierig, sie ausfindig zu machen, Interviews zu erhalten, Dokumente. Die haben Angst zu sagen, was sie gesehen haben, Angst vor Repressalien. Es gibt einige Archivare, deren privater und halblegaler Initiative es zu verdanken ist, dass dieser Millionen von Menschen betreffende Seitenstrang der Geschichte nicht ganz in Vergessenheit gerät und einfach verweht wird. Eine der bewegendsten Geschichten, die wir erfuhren, ist die von Blanche, einer Französin, die in Alma-Ata in Kasachstan lebt. Sie war es, die uns von den Exekutionen gleich in den Ankunftsbahnhöfen erzählte, auch von den Familien, die getrennt wurden und davon, dass nach einem halben Jahr außer ihr niemand aus dem Zug, mit dem sie ankam mehr am Leben war.

Frage: Man kann es gut nachempfinden, dass Sie mit diesem Film die Menschen ehren wollen, die zur großen Familie derer gehören, die von der Geschichte vergessen wurden.

Regis Wargnier: Es wird ja gleich zu Beginn des Filmes gesagt: Sie waren die letzten Reisenden dieser fünf dunklen Jahre, während derer sich mehr als 30 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf europäischen Straßen wiederfanden ..." Heute mag man sie für naiv halten, diese Weißrussen, die sich plötzlich entschlossen, nach Moskau zu reisen, aber man musss sich auch ihr Leben im Exil vor Augen führen und wie problematisch es war, weit weg von den eigenen Wurzeln leben zu müssen. Man musss außerdem wissen, dass ihnen das Risiko einer Rückkehr nach dem Kriege, der ein solches Chaos, eine derartige Verwüstung in Europa angerichtet hatte, schlicht nicht klar war. Viele wollten einfach, dass Russland sich gegenüber der Zeit ihrer Emigration verändert hatte, und dieser Wunsch war so stark, dass er sich vor die Wirklichkeit schob. Die Exilrussen sagten sich: "Sicher, diese Gerüchte über den Terror in den Jahren 37/38, aber jetzt nach zwanzig Millionen Toten und der siegreichen Verteidigung der Heimat, da musss es zwangsläufig eine Veränderung des Stalinismus geben, eine Öffnung des Verstandes ... Und wenn man jemals ein anderes Russland aufbauen kann, ein Land, das sich in Richtung Demokratie bewegt, dann jetzt! Jetzt musss man heimkehren!" Diese Menschen waren wirkliche Idealisten.

Frage: Weiß man, wieviele Russen die Rückreise in die UdSSR angetreten haben?

Regis Wargnier: Um eine exakte Zahl zu erhalten, müsste man Zugang zu den Archiven des KGB haben, was nicht möglich ist. Was die aus Frankreich kommenden Remigranten betrifft, so liegen die Zahlen zwischen 3.000 und 12.000 Personen. Man weiß nur, dass die Zahl der Ankommenden sehr viel höher als erwartet war, was bei den sowjetischen Verantwortlichen augenscheinlich Hysterie hervorrief. "Wenn sie so zahlreich sind, dann nur deswegen, weil sie vom Westen manipuliert wurden. Wir haben es mit Spionen zu tun." Das war es wirklich, was Stalin dachte! Und aufgrund dieser `kranken Hirnverdrehung` wurde diese ganze Maschinerie aus Repressalien, Bespitzelungen, Internierungen und Massenexekutionen in Gang gesetzt.

Frage: Warum hat Frankreich nicht versucht, Franzosen zurückzuholen?

Regis Wargnier: Die Verleugnung war total. Es flossen ja keine Informationen. Im Film gibt es sehr früh den Moment, da Maries (Sandrine Bonnaire) französischer Pass von einem sowjetischen Polizisten zerrissen wird. Von dem Moment an hat sie keine Fluchtmöglichkeit mehr. Genau so hat sich das abgespielt. Die Neuankömmlinge wurden einfach von der Karte gestrichen. Und dann begann auch sehr schnell der Kalte Krieg, die beiden Blöcke formierten sich. Man dachte mehr in großen geopolitischen Zusammenhängen und Einzelschicksale fielen aus diesem Denken raus. Ein französischer Minister, der in den 50er und 60er Jahren an einem Verhandlungstisch in Moskau erschien, machte sich keine Gedanken über den Verbleib eines einzelnen Franzosen, dessen Familie seit Jahren nichts mehr von ihm gehört hatte.

Frage: Kann man von Gemeinsamkeiten zwischen East West - Eine Liebe in Russland und Ihren vorherigen Filmen Indochine oder Eine französische Frau sprechen? Es ist erneut eine Liebesgeschichte, angesiedelt in einer Periode großer Unruhen dieses Jahrhunderts?

Regis Wargnier: Mit meinen beiden vorhergehenden Filmen, tauchte ich in meine eigene Geschichte ein. Nach Eine französische Frau verspürte ich das dringende Bedürfnis nach einem Thema, das weniger mit meiner unmittelbaren Geschichte zu tun hat. Es ist richtig, dass ein Film letztendlich immer wieder seinem Autor gleicht. Aber das, was mich bei dem Thema von East West - Eine Liebe in Russland verfolgte, war das dramatische Potential. Eine Frau folgt einem Mann aus Liebe. Sie sind eingekerkert, selbst wenn ihr Gefängnis sich unter freiem Himmel befindet. Er findet sehr schnell zu seinem Wurzeln zurück, es gelingt ihm sich anzupassen, denn er weiß, dass er keine andere Wahl hat. Sie quält sich, träumt nur von der Freiheit. Wie wird es dem Paar gelingen zu überleben.

Frage: Woher rührt diese Faszination für Russland?

Regis Wargnier: Das ist keine plötzliche Liebe. Ich bin in der Zeit von East West - Eine Liebe in Russland aufgewachsen. Ich komme aus einer unbedingt rechtsgerichteten Familie, also habe ich mich zwangsläufig linken Ideen zugewandt. Der Osten und der Westen, das war allgegenwärtig. Das sind 30 Jahre europäischer Geschichte, ein permanenter Konfliktherd, eine unüberschreitbare Grenze. Die zweigeteilte Welt.

Frage: Ist East West - Eine Liebe in Russland ein politischer Film?

Regis Wargnier: Es ist ein Film mit einem starken historischen Hintergrund. Ich habe nicht die Absicht, mit den schwarzen Jahren des Kommunismus abzurechnen. Ich habe der Arbeit der Historiker nichts hinzuzufügen, aber dieser Film erzählt auch vom täglichen Leben tausender Menschen, und, um nur an eine Sache zu erinnern: die Westler hatten gegenüber dem russischen Volk keine Gewissensprobleme. Der Eiserne Vorhang kam uns ganz gelegen - wir durften, konnten, ja musssten nichts wissen von all dem.

Frage: Während der Vorbereitungsreisen, der Drehortsuche und den Dreharbeiten haben Sie viel Zeit in der Ex-UdSSR verbracht. Was erstaunt Sie heute am meisten an diesem Land?

Regis Wargnier: Das Fortleben des Kommunismus, das immer noch in allen Schichten der Bevölkerung zu spüren ist, auch zehn Jahre nach dem Fall der Mauer. Man hat keine Vorstellung davon, welcher Druck in den Köpfen dieser Menschen herrscht. Die älteren Russen ziehen es vor, sich keine Fragen zu stellen, denn es ist ihnen nicht möglich zuzugeben, dass ihr Leben ein geschichtlicher Reinfall gewesen sein könnte. Dagegen haben die Jüngeren realisiert, dass der Kommunismus eine negative Utopie war und dass er sich Maßnahmen der Barbarei bedient hat, die er doch überwinden wollte; diese Leute krepieren auf kleiner Flamme vor lauter Hoffnungslosigkeit. Ich habe einen Freund in Bulgarien, der sagt: "Man hat uns den Verstand geraubt; wir haben ein Scheißleben gehabt, aber wir haben nicht die Kraft anders zu leben; wird haben nicht die Kraft uns um eine andere Gesellschaft zu schlagen; wir sind die von der Geschichte Betrogenen." Ich finde das schwindelerregend. "East West" kommt aus dem Gefühl dieser monströsen Ungerechtigkeit.

Frage: Sie haben das Drehbuch mit zwei russischen Autoren Sergei Bodrov und Roustam Ibraguimbekov gemeinsam geschrieben. Wer hatte welche Aufgabe?

Regis Wargnier: Ich hätte den Film nicht ohne sie schreiben können. Bodrov hat mich von der Bedeutung des Themas aus geschichtlicher Sicht überzeugt. Innerhalb von fünf gemeinsam verbrachten Tagen haben wir die groben Züge der Geschichte herausgearbeitet und die wichtigsten Personen skizziert. Wir haben darüber mit dem Produzenten gesprochen, der uns das Startsignal gab. Ich habe das Sujet anschließend mit Louis Gardel entwickelt. Wir haben ungefähr 30 Seiten geschrieben, Bodrov ist nach Paris zurückgekommen und Roustam hat sich zu uns gesellt.

Frage: Was genau war deren Beitrag, und was bedeutet Ihnen dieses Experiment?

Regis Wargnier: Es war eine faszinierende Arbeit des Gebens und Nehmens. Die Russen konnten unseren romanesken Elan mit Realitätselemten untermauern, die uns zwangsläufig völlig abgingen. Sie nahmen unsere westliche Sichtweise auseinander und setzten sie wieder zusammen. Ich zum Beispiel war beigeistert von der Idee, eine Gemeinschaftswohnung zu filmen. 25 oder 30 Personen zusammenzubringen, vereint am selben Ort: der berühmte Schriftsteller, die Nutte, der Briefträger und die Milchfrau, und zu beobachten, was passiert - Betrug, Misstrauen, aber auch Liebe, Freundschaft, Solidarität-; ich finde, dass dies eine unglaublich dramatische Anlage ist.

Aber wie phantasiereich wir die "Kommunalka" auch ausgemalt hätten, das wäre blutarm geblieben, hätten wir nicht zwei Autoren gehabt, die als Kinder darin wohnten. Sie haben den Film mit Wirklichkeit getränkt. Über ein Jahr hinweg haben wir zwischen Paris und Moskau, zwischen Bakou und Los Angeles Szenen hin- und hergefaxt, gemailt und stundenlang darüber telefoniert. Wir lernten es, miteinander zu arbeiten, in dem die einen die Reaktionen der anderen akzeptierten. Auf die Art und Weise entwickelte sich die grundlegende Idee des Drehbuchs, die mir von Sergei und Roustam vorgeschlagen wurde, und die ich so nie allein hätte haben können: Von dem Moment an, in dem Alexei die Monstrosität des Regimes erkennt, ist er davon besessen, seine Frau zu retten, aber er kann das Geheimnis nicht mit ihr teilen. Das Risiko ist zu groß. Also belügt er sie, lässt sich für einen anderen halten und spielt in Erwartung des Momentes, an dem er ihr ihre Freiheit wiedergeben kann, den Apparatschik. Ich wiederhole es, dass dieser Film Dank der russischen Drehbuchautoren zustande gekommen ist und Dank aller russischen Techniker und Schauspieler, Ukrainer und Bulgaren. Die geschichtliche und die künstlerische Unterstützung des Films kommt von diesen Menschen.

Frage: Das klingt sehr harmonisch. Hat es zwischen Ihnen keinerlei Reibungen gegeben?

Regis Wargnier: Oh doch, wir haben uns sicher immer wieder sehr gekränkt gegenseitig. Das Ziel war es, zu einem Drehbuch zu gelangen, das sowohl den Russen als auch den Franzosen gerecht wurde. Die Endfassung schrieben wir innerhalb von zehn Tagen in Los Angeles. Sergei und ich legten die Struktur fest, und als wir es Roustam vorlegten, sagte er: "Ich hätte es sicher nicht so geschrieben, aber ich akzeptiere es ..."

Frage: Oleg Menshikov spricht nicht Französisch. Wie ist er mit diesem Handicap, in einer Sprache zu spielen, die er nicht kennt, umgegangen?

Regis Wargnier: Menshikov ist sowohl im Theater als auch im Film ein absoluter ´Fürst`; er kann wirklich machen, wozu ihm beliebt. Er hat aus zwei Gründen angenommen. Der erste: "Indochine" ist in Russland ein außerordentlich angesehener Film. Der zweite: seine Leidenschaft, mit französischen Schauspielerinnen zu drehen. Während der schlimmsten Jahre des Kommunismus durften die Russen immerhin bestimmte Komödien aus Frankreich sehen und Catherine Deneuve brachte sie zum träumen. Das war ein kleiner Glücksmoment.

Nein im Ernst: was Oleg als Schauspieler interessiert, ist, ein Geheimnis zu spielen, die Stille. Eine Person zu intepretieren, die zehn Jahre lang ein doppeltes Spiel spielt und sich erst ganz am Ende des Filmes zu erkennen gibt. Oleg ist ein Schauspieler der Doppeldeutigkeit, der Tiefe. Indem er sich verweigert, gibt er sich ganz. Ein Regisseur befindet sich nie im Ruhezustand mit ihm. Es ist die Qualität dieses gleichzeitig absolut undurchsichtigen und glatten Gesichts. Man sollte nicht denken, dass dieser Film für ihn politisches Engagement bedeutet oder eine Art der Beweisführung bezüglich des Kommunismus. Nein, er ist Schauspieler, und zwar ein wirklicher Schauspieler. Ich habe mit Mikhalkov gesprochen, der ihn seit langer Zeit kennt. Er hat dasselbe gesagt: Der Mensch Menshikov ist ein Mysterium.

Frage: Welches waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie während der Dreharbeiten konfrontiert wurden?

Regis Wargnier: Wie schon gesagt, nach "Eine französische Frau" hatte ich Lust, eine andere Richtung einzuschlagen. Die Radikallösung bestand darin, mit neuen Leuten zu arbeiten, denen gegenüber man sich durchsetzen musss. So habe ich die Techniker-Mannschaft ausgetauscht, obwohl mir alle Welt, angefangen bei Sergei Bodrov, davon abgeraten hatte, ein solches Risiko anlässlich so schwieriger Dreharbeiten einzugehen. Ich empfand während der Dreharbeiten ein tiefes Gefühl der Einsamkeit als auch einer gelegentlich sehr starken Isolation. Ich war es, der sich darum geschlagen hatte, in der Ukraine zu drehen. Die Produktion war nicht gerade begeistert, aber ich wusste, dass das ein wesentlicher Teil der Identität des Films sein würde. Die Geschichte spielt in Kiev, ich mussste die Erde des Filmes riechen, in die Kultur und die russische Sprache eintauchen. Ich habe, so gut es ging, Russisch gelernt. Ich dachte: "Die Russen werden auf uns zukommen, also ist es an mir, auch auf sie zuzugehen." Außerdem haben die Ukrainer einen Bezug zum Leben, der irgendwo zwischen Fatalismus und Resignation liegt. Die Innenaufnahmen hätte ich gerne in Prag gedreht, aber aus Kostengründen sind wir nach Sofia gegangen, wo zwar die Arbeitsbedingungen zufriedenstellend sind, aber das tägliche Leben schwierig. Die Techniker, mit denen wir arbeiteten, waren uns gegenüber verschlossen und misstrauisch. Anlaß zur Freude waren allerdings die Dolmetscher, junge Leute um die zwanzig, meist Stundenten, mit großem Interesse für unsere Kultur. Sie waren ganz aus dem Häuschen, mit uns arbeiten zu können, wurden aber sehr bald von den bulgarischen Technikern beschuldigt, pro-französisch zu sein. Letztlich gab es nicht das eine große, alles überschattende Problem, sondern Permanente kleine Widrigkeiten.

Frage: Welches waren die positiven Überraschungen bei den Dreharbeiten?

Regis Wargnier: Erst einmal habe ich mich sehr gut verstanden mit Laurent Dailland, dem Chef-Kameramann, der für mich stets der wichtigste Mitarbeiter am Set ist. Aber das größte Glück in der Ukraine und in Bulgarien waren die Schauspieler, denn die Theater spielen ja weiter und selbst für kleine Rollen bieten die einem wirklich große Schauspieler an, sie ´verleihen` gewissermaßen ihr Ensemble gegen Devisen. So ist z. B. der ukrainische Schauspieler Bogdan Stupka, der den Chef des Chores der Roten Armee spielt, eine lebende Legende in seinem Land.

Stellen Sie sich Manfredi, plus Noiret, plus Trintignant in einem einzigen Manne vereint vor. In einem ukrainischen Film würde Stupka keine derartig kleine Rolle akzeptieren. In meinem Film ist er herrlich; man weiß nie, für wen er ist, ob er Marie schützt oder sie bedroht. Die Schauspieler waren beeindruckt von den Mitteln, über die wir verfügen.

Frage: Sie hatten bisher noch nie mit Sandrine Bonnaire gedreht. Was hat Sie davon überzeugt sie zu engagieren?

Regis Wargnier: Ich habe die Persönlichkeit von Marie als die einer verträumten Frau beschrieben, ohne an eine bestimmte Schauspielerin zu denken, aber im Bewusstsein der zu berücksichtigenden Zwänge des Bekanntheitsgrades. Sandrine hat sich natürlich durchgesetzt. Das, was ich am meisten von der Schauspielerin erwartet, die diese Rolle spielen würde, war Glaubwürdigkeit. Marie ist unser Vektor, unser Zeuge, unser Roter Faden in diesem Film. Ohne sie kann es diesen Film nicht geben. Es war wichtig, dass sie sofort in die Rolle schlüpft. Anfänglich war ich unsicher bezüglich Sandrine, denn die Filme, die ich mache, sind nicht die Filme, die sie a priori interessieren. Ich glaube, wenn sie nicht Pialat getroffen hätte als sie noch so jung war, dass sie dann ihren Geschmack in eine andere Richtung entwickelt hätte. Aber sie hat eben Pialat getroffen, und ihre Karriere hat sich mit einem ´Autorenkino` verbunden im striktesten Sinne dessen, was man in Frankreich darunter versteht. Sie ist in ihren Vorstellungen vom Kino sehr streng und wählerisch. Aber ich glaube, unsere Begegnung ereignete sich zu einem sowohl für sie als auch für mich günstigen Zeitpunkt: Sandrine ist reif, in ausladenderen epischeren Filmen zu spielen, und ich hoffe, dass dieser Film ihr helfen wird, ein breites Publikum zu überzeugen.

Es haben sich mehrere wunderbare Dinge während der dreharbeitenereignet. Ihr Zusammenspiel mit Menshikov war perfekt. Sandrine und Oleg hatten viele Gemeinsamkeiten. Sie passten allein schon äußerlich gut zusammen. Und ich habe schnell verstanden, dass Sandrine eine Schauspielerin ist, die sehr instinktiv und intuitiv agiert. Wenn sie erst einmal ihren roten Faden hat, dann wirft sie sich mit einer verblüffenden Kraft in die Szenen.

Frage: Wie hat sich nach "Indochine" Ihr Wiedersehen mit Catherine Deneuve abgespielt?

Regis Wargnier: Ich habe Catherine über die Entwicklung des Drehbuchs stets auf dem Laufenden gehalten. Wir haben gemeinsam die Entscheidungen getroffen, vom Projekt des Western in Zentralasien Abstand zu nehmen, was uns beiden nicht leicht gefallen ist. Als ich mit ihr über das neue Projekt sprach, hat sie mir gesagt, dass sie dabei wäre, wenn ihre die Rolle gefallen würde. Von dem Moment an habe ich wirklich für sie geschrieben. Der Film brauchte eine Schauspielerin mit einem großen Bekanntheitsgrad, eine Schauspielerin die sich durchsetzt, sobald sie erscheint. Das ist es, was Catherine mitbringt: Exzess im guten Sinne; Bestimmtheit und natürliche Autorität.

Frage: Ist "East West" in puncto Größenordnung gewaltiger als Ihre vorhergehenden Filme?

Regis Wargnier: In gewisser Weise ja. "Indochine" war ebenfalls sehr ehrgeizig, aber dieser Film hatte etwas von einem Traum, den ich von Anfang an mit dem Produzenten teilte, während ich bei "East West" zuerst alles allein auf den Weg bringen mussste. (DJFL)


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