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Interview mit Roberto Benigni: Das Leben ist schön

Roberto Benigni ist der Hauptdarsteller in dem großen Kinoerfolg Das Leben ist schön. In diesem Film übernimmt er auch das Drehbuch und führt Regie. Frage: "Das Leben ist schön" erzählt die ...

* 27. Oktober 1952 in Misericordia, Toskana, Italien Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor Er gehört international zu den erfolgreichsten Komikern, Filmemachern und Entertainern und hat mit Das Leben ist schön sein ambitioniertestes und bewegendstes Werk gedreht. Roberto Benigni erzählt darin ... [komplette Biografie]

Interview mit Roberto Benigni


Roberto Benigni ist der Hauptdarsteller in dem großen Kinoerfolg Das Leben ist schön. In diesem Film übernimmt er auch das Drehbuch und führt Regie.

Frage: "Das Leben ist schön" erzählt die Geschichte einer toskanischen Familie, der Vater ist Jude, die in ein Lager deportiert wird. Was hat Sie an diesem Thema interessiert, das so verschieden von Ihren bisherigen Filmen ist?

Roberto Benigni: Über diesen Unterschied habe ich nie nachgedacht. Die Idee zu dieser Geschichte gefiel mir einfach sehr. Ich habe sie nicht gesucht, vielmehr war sie eines Tages da und hat mich nie mehr verlassen. Ich dachte an Trotzki und das, und das was er durchgemacht hat: eingesperrt in einen Bunker wartete auf die Auftragskiller Stalins. Und trotzdem schrieb er, als er seine Frau im Garten sah, dass das schön und lebenswert sei. Den Filmtitel habe ich da her. Lachen rettet uns, die anderen, unwirkliche und amüsante Seite der Dinge zu sehen oder sich vorzustellen hilft uns, nicht zertreten zu werden. Sie gibt uns sie Kraft zum Widerstand, die Nacht zu überleben, selbst wenn sie sehr lang ist. In diesem Sinne kann man die Menschen zum Lachen bringen, ohne sie zu verletzen: der jüdische Humor ist sehr mutig.

Frage: Also ist "Das Leben ist schön" keine historische Rekonstruktion, sondern ein Märchen, in dem die Historie Material ist?

Roberto Benigni: Man darf dort nichts Realistisches suchen. Edgar Allan Poe sagte, dass man am Rande des Abgrunds nicht hinunterschaut, weil der Schrecken unermeßlich ist. Wenn man ihn zeigt, wird er zu dem, was man zeigt. Ich habe ausführliche Recherchen gemacht, vieles gelesen, gesehen an Dokumenten und Berichten Deportierter. Und danach war mit ganz klar, dass nichts an die Wirklichkeit des tatsächlichen Geschehens heranreichen könnte. Wie sollte ich realistisch das zeigen, von dem zu reden ich nicht mal die Mut hatte? Es ist so unfaßbar, dass es fast wieder einfach ist, glauben zu machen, dass das alles nur ein Spiel war. Primo Levi spricht darüber in seinem Roman "Ist das ein Mensch?". Er beschreibt den Morgenappell im KZ Auschwitz; alle Häftling sind nackt, stehen stramm; Levi schaut um sich und denkt:" Und wenn dies nur ein Witz wäre? Das kann doch alles nicht wahr sein ..." Die Frage, die sich alle Überlebenden gestellt haben, ist: Wie konnte das alles passieren?

Frage: Bedeutet die Fluch vor dem Realismus nicht einen Verrat an der Realität?

Roberto Benigni: Jedesmal, wenn man etwas schreibt, geschieht ein Verrat. Der Künstler verrät, weil er sich für einen Stil entscheiden muss, aus der Realität auswählen, vieles weglassen, einer Erzählstruktur folgen muss. Ich dachte auch an den schönen Satz von Keats: "Nicht das, was wahr ist, ist schön - sondern das, was schön ist wahr." Wenn etwas schön ist, wird es real. Wenn der Film gelungen ist, und ich hoffe es, wird das Lager wahr.

Frage: Wie charakterisieren Sie den Mann, den Sie im Film Spielen?

Roberto Benigni: In dem Film bin ich ein Antifaschist, nicht nur im Grunde meines Herzens, sondern auch physisch: so wie ich auftrete, begreift man sofort, dass ich kein Faschist sein kann, weil meine Augenbrauen, meine Zähne mein Bauch antifaschistisch sind! Ich repräsentiere die totale Freiheit und Großmut. Und auch die Kindheit. Die Figur, die ich spiele, ist ein integrierter, assimilierter Jude, der sein Leben lebt, sich nicht um Politik kümmert, der seine Arbeit macht - und dessen Leben plötzlich wie mit einem Axtschlag zerstört wird, so wie es auch in der Realität passiert ist. Ein Mann, mit dem sich jeder identifizieren kann.

Frage: Wie ist die Idee entstanden vom Vater, der seinen Sohn vor den Grausamkeiten schützt?

Roberto Benigni: Was ist bewegender als einen Liebesgeschichte mit einem Kind? Ausgangspunkt ist das Prinzip, Traumata von Kindern fernzuhalten, die Reinheit schützen. Das ist das älteste, tiefste und größte Gefühl, das Männer haben können. Aber da ist auch die Tatsache, dass Kinder wissen müssen, was vorgeht - und in meinem Film ist es, wie in einem Märchen, als ob das Kind durch meinen Blick lebt. Wenn ich sterbe, ist es so, als wüßte es alles.

Ich wollte, dass Giosué das Alter hat, das Joseph Conrad als das der "Schattenlinie der Kindheit" definiert. Es ist das Alter, in dem man alles versteht, aber wo man ebenso glauben kann, dass es sich um ein Spiel handelt. Giosué hat wahrscheinlich alles verstanden ... Nachdem ich das Drehbuch geschrieben hatte, las ich das Buch eines politischen Autors "Das Kind von Buchenwald" - eine sehr ähnliche Geschichte. Das hat mich erschreckt - dass die Wirklichkeit manchmal so überraschend ist, und dass man, wenn man die schrecklichsten Situationen erfunden hat, entdecken muss, dass sie wirklich existiert haben. Und deshalb ist es mit wichtig, noch einmal ganz klar zu sagen, dass ich ganz bewußt ein fiktives Lager zeige, mich weder mit meinem Namen noch sonstwie konkret auf ein KZ in Italien, Deutschland oder Polen beziehe. Hätte ich das getan, wäre der historisch begründete Vorwurf berechtigt, dass es so wie in meinem Film nicht war.

Frage: Viele ehemalige Häftlinge haben gesagt, dass der Humor im Lager ihnen geholfen hat zu überleben. Haben Sie bei Ihren Recherchen mit solchen Überlebenden gesprochen?

Roberto Benigni: Ich habe den Dokumentarfilm "Memoria" gesehen, an dem auch der Historiker Marcello Pezzetti mitgearbeitet hat. Und es gibt darin sehr witzige Aussagen. Das jüdische Volk hat den Humor quasi erfunden. Er ist Teil ihrer Gene! Aber - obwohl ich Komiker bin, gibt es in meinem Film keinen Humor mehr von dem Moment an, wenn ich in das Lager komme. An diesem Punkt wird der Film tragisch.

Frage: Der Film besteht ganz klar aus zwei Teilen - der erste hat die Funktion, die Atmosphäre des Märchens aufzubauen und Guido als eine poetische Figur zu zeigen, die die Wirklichkeit neu aufbauen kann.

Roberto Benigni: Die Geschichte der Person ist zweigeteilt, nicht der Film. In der zweiten Hälfte sind die Figuren, die Nicoletta Braschi und ich spielen, genau dieselbe wie vorher, aber sie befindet sich in einer extremen Situation: sie sind im Vernichtungslager und reagieren entsprechend. Aber der Film ist auch und vor allem die Geschichte einer glücklichen Familie, die plötzlich ohne ersichtlichen Grund in den Horror gezwungen wird. Genau so, wie es damals leider wirklich passiert ist.

Frage: Der Film ist auch eine Liebesgeschichte.

Roberto Benigni: Ja, Guido stirbt, weil er seine Frau sucht. Und die Liebe zu ihr ist sehr stark, er spricht immer von ihr und möchte sie wiedersehen. Wie in Spiegelmans Comic "Maus", wo die Juden Mäuse und die Deutschen Katzen sind - ein Meisterwerk im Rang der großen Romanliteratur.

In Maus sucht die Hauptfigur ununterbrochen seine Frau, eine außergewöhnliche Liebesgeschichte.

Frage: "Das Leben ist schön" erinnert auch daran, dass die Judenverfolgungen nicht erst mit Ankunft der Deutschen begonnen haben, sondern in Italien schon vorher existierten. Offenbar verdrängt man diese antisemitische und rassistische Vergangenheit in Italien. Ist Ihr Film auch eine Reaktion auf dieses Tabu der italienischen Geschichte?

Roberto Benigni: Die Historiker haben darüber sehr unterschiedliche Meinungen. Der Faschismus war entsetzlich. Aber es ist einfach, dies im Nachhinein zu sagen. Ich wollte ihn auch als eine Clownerie, einen stupiden Zirkus zeigen. Es gibt in meiner Filmfigur keinen Haß. Aber nachdem Guido bei seinem Onkel auf die drei Gauner trifft, ist es klar, dass er ihretwegen abgeholt wird. Als der Faschismus in Triest, Florenz und vielen anderen Städten Razzias in den Bars, das Zerschlagen von Schaufenstern und das Zusammenschlagen von Juden erlaubte, waren es Studenten, die dies taten. Sie pinkelten auf Tische und machten, was sie wollten dort, wo Juden waren. Man hat sie dafür nicht bestraft. Diese Aktionen waren zwar gesetzlich nicht erlaubt, aber vom Regime geduldet. Man pflegte damals zu sagen: "Die amüsieren sich, das ist nichts weiter." Aber gerade das ist so erschreckend, weil das nämlich in die Barbarei führt.

Frage: Ist der Film ein Appell an die Erinnerung dieser Barbareien?

Roberto Benigni: Vor allem anderen ist der Film erstmal ein Film. Wenn sich die Zuschauer hinterher fragen, wie das alles passieren konnte, wäre das wunderbar. Wir dürfen nicht vergessen, aber ich möchte nicht, dass dies ein simpler Slogan wird. Wer sagt, dass diese Schrecken nur in der Nazizeit passiert sind? Sie können jederzeit wieder geschehen. In Bosnien zum Beispiel. Man muss beobachten, welches Gesicht heute da annimmt, was man früher Nazismus genannt hat.

Frage: Wie ist der Film in Italien von den Juden und ehemaligen KZ-Insassen aufgenommen worden?

Roberto Benigni: Ich hatte große Angst. Wir haben eine Vorpremiere für die jüdische Gemeinde von Mailand gemacht, alle Überlebenden der Konzentrationslager waren dabei. Als Komiker bin ich natürlich gewöhnt, die Zuschauer laut lachen zu sehen, wann am Ende wieder das Licht angeht. Diesmal sah ich die schweigenden Menschen, sie weinten und kamen mich zu umarmen - da wollte ich am liebsten auch weinen.

Das war ein ganz starker Augenblick, so eine Reaktion habe ich natürlich bei keinem meiner Filme bisher gehabt. Was mich am meisten bewegt hat: eine Familie italienischer Juden hat Bäume gepflanzt in Israel zu Ehren von Nicoletta Barschi und mir. (DJFL)


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