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Interview mit Roman Kuhn, Robert Schwentke und Verena Herfurth

Im Gespräch mit dem Produzenten Roman Kuhn, dem Regisseur Robert Schwentke und der Ausführenden Produzentin Verena Herfurth über den Film Tattoo Frage: Welchen Anspruch stellen Sie an diesen Film? ...

Interview mit Roman Kuhn


Im Gespräch mit dem Produzenten Roman Kuhn, dem Regisseur Robert Schwentke und der Ausführenden Produzentin Verena Herfurth über den Film Tattoo

Frage: Welchen Anspruch stellen Sie an diesen Film?

Roman Kuhn: Einen sehr hohen, nämlich, dass Tattoo international funktioniert. Wir wollen den Beweis antreten, dass man auch mit deutschen Schauspielern, einem internationalen Thema und einem offenen Blick einen Film produzieren kann, der nicht nur auf nationaler Ebene erfolgreich ist. Es war nicht unser Anliegen, lediglich ein TV-Movie mit Nervenkitzel abzuliefern, sondern einen kinotauglichen Film, in dem es um eine jahrhundertealte Kunstform geht. Mit Tattoo wollen wir demonstrieren, dass wir den Mut haben, uns ständig weiter zu entwickeln. Natürlich wollten wir einen deutschen Film machen. Wir wollten aber auf keinen Fall einer Matrix folgen, die durch das deutsche Fernseh-Filmsystem vorgegeben ist.

Robert Schwentke: Es ging darum, eine der Geschichte angemessene Ästhetik zu entwickeln und den Film konsequent aus unserer Sicht auf die Dinge zu erzählen. Wir wollten ein Mainstream-Movie mit einer eigenen, unverwechselbaren Identität herstellen. Ich hoffe, das ist uns geglückt.

Roman Kuhn: Ich kenne niemanden, der so klar mit Bildern umgeht wie Robert Schwentke. Robert hing ja zunächst nur als Autor mit dem Projekt zusammen. Als wir feststellen durften, dass Robert nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein sehr visuell begabter Filmemacher ist, war uns klar: Nur Robert kommt als Regisseur des Films ernstlich in Frage. Mein größter Wunsch ist, dass wir mit Tattoo die deutsche Filmszene bereichern können. Unsere drei Hauptdarsteller sind auf nationaler Ebene noch frisch und unverbraucht und haben aufgrund ihres schauspielerischen Könnens die große Chance, eine internationale Reputation zu erlangen. Hinzu kommt, dass unsere Geschichte sich genau so gut in England, Italien oder Spanien zutragen könnte. Sie ist universell verständlich.

Frage: Stellte die Tatsache, dass mit Robert Schwentke ein Newcomer als Regisseur verpflichtet wurde, nicht ein großes Risiko dar?

Roman Kuhn: Sicherlich, man hätte überlegen können, ob das Engagement eines bereits namhaften Regisseurs, rein marktwirtschaftlich betrachtet, vielleicht geschickter gewesen wäre. Jedoch hat sich mir diese Frage überhaupt nicht gestellt. Robert und ich waren von Anfang an ein gutes Team. Das hat sich schon gezeigt, als wir gemeinsam an der endgültigen Fassung des Drehbuchs gefeilt haben. Ich war mir todsicher, dass es mit ihm wunderbar funktionieren würde.

Frage: Wie realistisch sind Ihrer Meinung nach die in Tattoo geschilderten Vorkommnisse?

Verena Herfurth: Wir haben sehr lange überlegt, wie weit wir uns vom Boden der gesicherten Tatsachen entfernen durften und wie wir den Fokus der Geschichte richtig setzen sollten. Ich meine aber, dass die Spannung, die der Film erzeugt, sich eben nicht zuletzt genau an dieser Frage entzündet: Ist so etwas wirklich denkbar? Könnte sich so etwas wirklich zutragen?

Frage: Wie kam die Entscheidung für die Hauptdarsteller zustande?

Robert Schwentke: Wir wollten die Rolle Marc Schraders nicht mit jemandem besetzen, der sofort als Bulle identifizierbar ist. Es musste jemand sein, der beide Welten, in denen Marc existiert, in sich vereinigen kann. Jemand, der anfangs kindlich-unschuldig erscheint, um später von einer enormen Härte ergriffen zu werden.

Verena Herfurth: Christian Redl entspricht schon allein optisch einem knallharten Bullen, wie Minks einer ist. Aber auch Minks macht während des Films eine Entwicklung durch. Im Grunde genommen entwickelt er sich genau anders herum als Marc: Er wird mit der Zeit weicher, versöhnlicher und zerbrechlicher. Wir brauchten Christian also schon deshalb, weil er in der Lage ist, auch leisere Töne anzuschlagen, was er unter anderem in dem Film "Das Trio" eindrucksvoll bewiesen hat.

Robert Schwentke: August Diehl spielt einen Charakter, der weich scheint, aber einen extrem harten Kern hat. Christian Redl verkörpert das genaue Gegenteil. Den Bullen mit der harten Schale und dem weichen Kern. Die beiden entwickeln sich gegensätzlich zueinander. Interessant ist, dass am Ende von Augusts "Heroes Journey" keine Läuterung steht. Nur weil man seinem Weg folgt, bedeutet das noch nicht, dass alles ein gutes Ende nimmt. Ein ironischer Bildungsroman, wenn man so will.

Verena Herfurth: Nadeshda Brennicke in der Rolle der Maya Kroner stellt einen außerordentlicher Gewinn für Tattoo dar. Sie ist die Geheimnisträgerin des Films. Sie besitzt eine sehr mysteriöse, aber dennoch hocherotische Ausstrahlung. Was mich zudem außerordentlich gefreut hat, ist die Tatsache, dass wir auch alle Nebenrollen mit unseren Wunschkandidaten besetzen konnten.

Frage: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und den Schauspielern?

Verena Herfurth: Selbst die "alten Hasen" fühlten sich bei dem Erstlingsregisseur Robert Schwentke gut aufgehoben. Robert konnte sich deshalb so wunderbar um seine Darsteller kümmern, weil er ein Team um sich hatte, das ihn hundertprozentig unterstützt hat. Ich selbst empfand es bei der Zusammenarbeit mit Robert äußerst angenehm, dass er bereit war, sich und den anderen kleine Unsicherheiten einzugestehen und sich vom Team auffangen zu lassen. Dadurch entstand im ganzen Team eine Atmosphäre der Sicherheit. Jeder hatte das Gefühl, sich auf die anderen verlassen zu können. Robert verlieh durch dieses Sicherheitsgefühl den Mut, ganz neue Sachen auszuprobieren und Wagnisse einzugehen.

Robert Schwentke: August, Christian und ich haben eine Woche lang sehr intensiv über das Drehbuch, die Szenen und die Charaktere gesprochen. Mein Ansatz war, dass alle Schauspieler im Film sehr nah bei sich spielen. Nicht projizieren oder ankündigen. Alles war sehr zurückgenommen, sehr still. Fast tableauartig.

Frage: Wie ist der spezifische Look des Films entstanden, und wie würden Sie diesen beschreiben?

Robert Schwentke: Wir haben die Vorbereitungszeit genutzt, die Welt unserer Geschichte genau zu definieren, so dass beim Dreh alle denselben Film im Kopf hatten. Mir ging es bei Tattoo sehr stark um eine formale und inhaltliche Kongruenz. Wenn man so will, ist bei diesem Film die Form tatsächlich Teil des Inhalts.

Verena Herfurth: Man könnte auch sagen, dass die Bilder die Seelenlage der Figuren ziemlich exakt widerspiegeln. Typisch für den Look des Films ist: Kamera, Ausstattung, Maske und Kostüme begleiten die Geschichte ohne Selbstzweck - nichts sticht aufdringlich heraus und lenkt dadurch von der Geschichte ab. Alles fügt sich harmonisch in die Geschichte ein. Wichtig war uns immer, dass die gestalterischen Mittel niemals aufgesetzt wirken, sondern sich der Handlung unterordnen, ihr dienen. Man soll später, nachdem man den Film im Kino gesehen hat, nicht sagen: "Was für eine tolle "Kamera" oder "Was für eine tolle Ausstattung", sondern "Was für eine tolle Geschichte".

Robert Schwentke: Manchmal, wenn es den Anschein machte, dass wir bei den Stilmitteln über die Stränge schlagen, haben wir uns gefragt: Was wollen wir ausdrücken? Was ist angemessen? Was passt in unsere Welt? Insgesamt haben wir einen sehr engen Kanon an Stilmitteln festgelegt und eingehalten. Der Film hat eine traumartige Anmutung. Ich wollte einen Film machen, der wie ein Echo wirkt. Wie die Erzählung von bereits Geschehenem.

Frage: Inwieweit konnten sich die Schauspieler mit ihren eigenen Vorstellungen einbringen?

Verena Herfurth: Die Rollen wurden vor Drehbeginn mit ihren jeweiligen Darstellern ausführlich besprochen, so dass es einige kleine textliche und dramaturgische Veränderungen am Gesamtkonzept gab. Dabei stellte es sich als äußerst hilfreich heraus, dass der Regisseur des Films gleichzeitig auch der Drehbuchautor war. Größere Auseinandersetzungen zwischen der Regie und dem Drehbuchautor waren folglich gar nicht möglich. Robert konnte und musste alle entstehenden Konflikte sozusagen mit sich selbst austragen.

Robert Schwentke: Grundsätzlich darf man sich nie stur auf das festlegen, was man vor Monaten in seinem stillen Kämmerlein einsam zu Papier gebracht hat. Man muss vielmehr immer den Blick für neues und anderes offen halten - man muss sich Kinderaugen bewahren. Ein Drehbuch ist keine heilige Schrift sondern ein vorläufiger Bauplan.

Verena Herfurth: Das geschriebene Wort ist eben kein Film. Bei der praktischen Umsetzung muss man oft feststellen, dass man es entweder nicht so hinbekommt, wie es im Buch steht, oder dass das dort formulierte Wort plötzlich gar keinen Sinn mehr macht. In unserem Fall überstand das Buch die Dreharbeiten allerdings nahezu unverändert. Dies spricht für das enorme visuelle Talent des Autors Robert Schwentke, der, während er das Drehbuch schrieb, ja noch gar kein Regisseur war.

Frage: Gab es Überraschungen beim Drehen?

Verena Herfurth: Grundsätzlich war jeder Drehtag für uns eine große Herausforderung. Jeden Morgen stellten wir uns die bange Frage: Ob wir das wohl hinbekommen? Aber abends konnten wir zum Glück immer sagen: Ja, wir haben es geschafft.

Robert Schwentke: Dass es beim Drehen nicht allzu viele unangenehme Überraschungen gab, lag auch an der intensiven Vorbereitung. Mit Kameramann Jan Fehse habe ich Wochen vor dem Drehstart jede Szene detailliert aufgelöst. Diese Art von Abstimmung fand mit allen "Heads of" statt.

Verena Herfurth: Ich war überrascht, dass Robert nicht nur das Budget, sondern auch die Drehzeit exakt eingehalten hat. Selbst von erfahrenen Regisseuren ist das nicht immer zu erwarten. Und vielleicht überraschen wir die Zuschauer mit der lakonischen Erzählweise des Films. Die Charaktere erscheinen am Anfang fast holzschnittartig, sie differenzieren sich im Verlauf der Handlung aber immer weiter aus. Insgesamt ist der Film sehr bodenständig inszeniert und kommt ohne viel Schnickschnack oder Effekthaschereien aus. Ausgesprochene Schockeffekte kommen nur sehr punktuell zum Einsatz.

Frage: Aufgrund welcher Kriterien wurden die Drehorte ausgewählt?

Verena Herfurth: Die Wahl für Berlin und Köln fiel natürlich nicht zuletzt auch aufgrund der von den dortigen Stellen bereitgestellten Fördermittel. NRW hat den Film mit zwei Millionen Mark unterstützt. Berlin und Brandenburg steuerten 500 000 DM bei.

Frage: Wie verlief die Zusammenarbeit der verschiedenen Produktionsfirmen?

Verena Herfurth: Die Zusammenarbeit hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen. Alle Partner engagierten sich sehr für den Film und hatten einen extrem hohen Anspruch an das Projekt. Besonders hervorzuheben ist allerdings die wunderbare und angenehme Zusammenarbeit mit StudioCanal Produktion, die uns nach allen Kräften unterstützt haben. Auch B.A. Produktion ist als Partner eingestiegen und hat uns Referenzfördermittel zugeführt.

Außerdem unterstützten sie uns stark bei der Postproduktion. Bavaria International hat mit einem hohen finanziellen Betrag die Auslandsrechte erworben. Es war sehr schön festzustellen, dass unsere Euphorie auch von allen anderen Partnern geteilt wurde. Überaus erwähnenswert finde ich überdies die Tatsache, dass die Hauptdarsteller und der Regisseur einen Teil ihrer Gage zurückgestellt haben. Das unterstreicht natürlich, wie stark sie an Tattoo glauben. (DJFL)


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