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Interview mit Drehbuchautor Roy Andersson

Roy Andersson ist der Regisseur und Drehbuchautor des Films Songs From The Second Floor Frage: Wann hatten Sie zum ersten mal die Idee für dieses Projekt? Roy Andersson: Die Ideen für die Bilder ...

Interview mit Roy Andersson


Roy Andersson ist der Regisseur und Drehbuchautor des Films Songs From The Second Floor

Frage: Wann hatten Sie zum ersten mal die Idee für dieses Projekt?

Roy Andersson: Die Ideen für die Bilder existieren zum Teil schon über 20 Jahre, aber man kann sagen, daß der Film alt und neu zugleich ist, aus dem einfachen Grund, dass ich meine Inspirationen aus dem alltäglichen Leben beziehe. Die Malerei inspiriert mich ebenfalls sehr stark. Ich wollte einen Film machen, der nicht den konventionellen angelsächsischen Formen entspricht, der eher "assoziativ" wirkt. Ich glaube, daß ich in dieser Hinsicht nicht zu 100% erfolgreich war, da es nicht einfach ist, sich den mehr oder weniger linearen Strukturen völlig zu entziehen.

Frage: Warum sich solchen Konventionen wiedersetzen?

Roy Andersson: Ich wollte etwas anderes machen, außerdem langweilt mich der Stil meiner beiden vorherigen Spielfilme mittlerweile – sie waren kommerziell genug. Ich wollte den gleichen Weg nicht noch mal gehen.

Frage: Was brachte Ihnen die Arbeit mit den Werbespots?

Roy Andersson: Es dauerte Jahre um meine Produktionsfirma aufzubauen und auf diese unabhängige Art zu arbeiten – das alles verdanke ich den Werbespots.

Frage: Was war die prinzipielle Schwierigkeit bei diesem epischen Dreh?

Roy Andersson: Die Finanzen zu sammeln. Ich hatte kein konventionelles Skript und die Institutionen sind an die Standardskripts gewöhnt. Da gibt es keinen Raum für Diskussionen. Es gab keine Möglichkeit ihnen zu erklären was ich machen wollte. Deshalb entschloss ich mich, einen Teil des Films fertig zu stellen, einfach um ihnen zu zeigen wie er aussehen wird. Ich wartete bis ich die ersten 15 Minuten selbst finanzieren konnte, um ihnen ein Beispiel vorführen zu können. Danach wollten viele mitmachen, die nordischen TV-Anstalten, dann noch die Fanzösischen und die deutschen. Ich hätte einen schnelleren Verlauf ebenfalls vorgezogen.

Frage: Dachten Sie zu Beginn daran, daß die Dreharbeiten über 4 Jahre in Anspruch nehmen würden?

Roy Andersson: Nein, ich dachte eher an 3 Jahre. Das erste Jahr war wirklich anstrengend da wir keinerlei Finanzierung hatten, und wir pausieren mussten. Im übrigen war ich mir noch über den weiteren Verlauf der Story im unklaren. Es gab einige ernsthafte Themen die ich in dem Film verarbeiten wollte, die natürliche Anordnung dieser Themen erwies sich jedoch als äußerst schwierig. Die freie Zeit erlaubte mir über all das nachzudenken ohne unter übermässigem Druck zu stehen. Ich löste die Probleme bezüglich des Bühnenbildes, ich besann mich auf das Essentielle. Matisse sagte einmal, daß er alles Überflüssige von der Leinwand wieder entfernen musste. Je länger es dauert, desto direkter und einfacher wird es. Es ist schwer exakt zu sein. Es ist essentiel, selbstsicher zu bleiben.

Frage: Woher wissen Sie wann eine Szene "genau richtig" ist?

Roy Andersson: Man kann es fühlen, aber nicht erklären. Ich kann fühlen, daß Matisse exakt ist. Sie glauben bestimmt, daß ich Unsinn rede! (Lacht)

Frage: Ist das Filmen im Studio Ihre Vorstellung von absoluter Kontrolle?

Roy Andersson: Ich arbeite ohne Skript und ohne Storyboard. Ich bevorzuge es zu experimentieren, genau wie ein Maler. Das Experimentieren ist der grosse Vorteil eines Studios. Dort gerät man auch nicht unter den Druck irgendwelcher Produzenten. Ich kann den ganzen Tag durch meine Kamera sehen.

Frage: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Roy Andersson: Die Dialoge und die Situationen sind sehr einfach. Man kann von "Trivialität" (lacht) oder "Absurdität" sprechen. Es ist eine Mischung aus Absurdität und Expressionismus. Ich mag die deutsche Neue Sachlichkeit (Max Beckmann und Otto Dix) und ihre übertriebene Reduziertheit. Meine Referenzen kommen eher aus der Malerei als aus dem Kino.

Frage: Ihr Film ist dem peruanischem Dichter Cesar Vallejo gewidmet ...

Roy Andersson: Zum ersten mal hörte ich 1974 von ihm. Der Film zieht seine Inspiration direkt aus einem seiner Gedichte - Stumble beetween two stars. Ich fand es sehr klar und ganz besonders. Ein verletzender und verantwortungsvoller Blick auf das menschliche Verhalten. Ich war erstaunt, dass einer die Verantwortung der Menschheit und das Leid in der Welt auf sich nimmt, der Verletzlichkeit der Menschen gedenkt. Ich glaube nicht an eine höhere Macht, wohl aber an menschliche Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Schamgefühl, schlechtes Gewissen, Hass und Vergebung. Ich fühle mich einem religiösen Konzept nahe, wenn Sie den Gott daraus streichen. Ich interessiere mich für Schuld, das Andere und für meine Mitmenschen. In dem Film sehen die Leute Jesus eben einfach nur als einen guten Menschen. Nicht als den Sohn Gottes, sondern als den Mann, "der gekreuzigt wurde weil er zu freundlich war".

Frage: Bedauern Sie den großen Zeitaufwand?

Roy Andersson: Es gibt keinen Zweifel daran, daß einige produktive Jahre vergangen sind, in denen ich zwei Filme hätte drehen und etwas mehr experimentieren können. Manchmal sage ich mir, daß ich nicht mehr allzuviel Zeit habe, und daß es wichtig ist, dass ich die Energie habe weiterzumachen. Aber ich bin nicht melancholisch. Ich beruhige mich damit, daß Bunuel meiner Meinung nach zwischen 60 und 80 seine besten Filme gemacht hat. Desshalb glaube ich, daß meine besten Jahre noch vor mir liegen.(Lacht.) (DJFL)


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