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Interview mit Ruth Prawer Jhabvala: The Golden Bowl

Ruth Prawer Jhabvala ist die Drehbuchautorin des Films The Golden Bowl Frage: Glauben Sie, mit einem Literaturstudium ist man besser auf das Schreiben von Drehbüchern vorbereitet als mit dem Besuch ...

Interview mit Ruth Prawer Jhabvala


Ruth Prawer Jhabvala ist die Drehbuchautorin des Films The Golden Bowl

Frage: Glauben Sie, mit einem Literaturstudium ist man besser auf das Schreiben von Drehbüchern vorbereitet als mit dem Besuch einer Filmhochschule?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich habe als Romanschriftstellerin begonnen und das bin ich hauptsächlich immer noch, nicht Drehbuchautorin. Das Studium der englischen Literatur ist kein Studium im eigentlichen Sinn all diese Jahre mit Lesen verbringen zu können ist ein Geschenk. Vor allem auch, weil es sonst nichts gab, worin ich besonders gut gewesen wäre. Ich habe vor und nach dem Studium geschrieben, aber währenddessen nur gelesen. Ich habe sogar eine These über die Kurzgeschichte in England von 1700-1750 aufgestellt. Natürlich gab es zu der Zeit keine aber das war meine These.

Frage: Glauben Sie, Ihr Literaturstudium an der Universität war der Grund für Ihr Interesse, Klassiker für die Leinwand zu adaptieren?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich war nie auch nur im mindesten daran interessiert, Klassiker zu bearbeiten. Ich hatte vier Romane geschrieben, am Film hatte ich keinerlei Interesse. Nie. Ich hatte nicht einen Gedanken daran verschwendet, bis Merchant und Ivory nach Indien kamen und eines meiner Bücher verfilmten sie sagten: Warum schreiben Sie nicht das Drehbuch? Ich wandte ein, ich hätte noch nie ein Drehbuch geschrieben und ich hätte auch nicht viele Filme gesehen. Darauf meinten sie: Ach, probieren Sie es doch. Wir haben vorher auch noch nie einen Spielfilm gedreht. Das war sozusagen meine Einführung in den Film.

Frage: Gibt es für Sie einen besonderen Grund, Klassiker zu adaptieren?

Ruth Prawer Jhabvala: Der wichtigste Grund ist, dass es mir so viel Spaß macht. Ich meine, denken Sie doch nur an all das wundervolle Material. Stellen Sie sich vor, all die Zeit, die wir mit The Golden Bowl und all den anderen Büchern von James und Forster verbringen durften, die wir verfilmt haben. Vor allem mit denen von Henry James, denn er hat so phantastische Charaktere, und er hat so starke dramatische Szenen. Man muss nur hineingreifen und sie sich herausholen.

Frage: Ist nicht auch ein pädagogischer Impuls mit im Spiel?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich fürchte nein. Vielleicht sollte er mit im Spiel sein, aber ich muss gestehen, ich denke dabei nur an mich.

Frage: Ich vermute, sie versuchen dem Publikum den Spaß, den Sie haben, zu vermitteln.

Ruth Prawer Jhabvala: Ich nehme an, so ist es, ja. Und in gewisser Weise handelt es sich um eine Hommage an einen großartigen Schriftsteller. Ich schreibe keine Kritiken oder Rezensionen, ich schreibe nichts anderes als belletristische Werke und Drehbücher, also ist es eine Art Hommage. Aber ich bin nie der Meinung, dass ich einen Dienst an der Allgemeinheit leiste oder etwas derartiges ...

Frage: Der französische Regisseur Jacques Rivette sagte 1974, dass James zu den unverfilmbaren Schriftstellern gehöre, die diagonal verfilmt werden können, indem man ihre Themen aufgreift, aber niemals buchstäblich. Sie sind da offenbar anderer Meinung?

Ruth Prawer Jhabvala: Nein, ich stimme dem vollkommen zu! Jede Adaption wird diagonal gemacht. Man kann das Thema aufgreifen, aber man kann nie, nie, nie wörtlich vorgehen. Würde man versuchen, irgend etwas wortwörtlich zu interpretieren, käme am Ende eine Art Travestie heraus.

Frage: Ist Vorlagentreue denn wichtig?

Ruth Prawer Jhabvala: Vorlagentreue steht nicht an erster Stelle. Wie ich schon sagte, das Thema und ein Gefühl für die Charaktere das Ambiente und ihre Beziehungen das versucht man zu vermitteln.

Frage: Also handelt es sich im Grunde um eine ganz eigene Arbeit?

Ruth Prawer Jhabvala: In gewisser Weise ja. Ich werde Ihnen sagen, wie ich für gewöhnlich vorgehe. Ich lese das Buch mehrere Male, meist ist es ein Buch, das ich sowieso schon sehr gut kenne, trotzdem lese ich es mehrere Male und mache mir einige Notizen dazu sowie eine Art Plan, dem ich gerne folgen möchte meist wird allerdings nichts daraus, denn an einem bestimmten Punkt bricht er zusammen dann lege ich das Buch beiseite und schaue nicht mehr hinein, bis ich mein eigenes Werk fertig habe. Dann nehme ich mir das Buch wieder vor, um zu sehen, was ich weggelassen habe. Aber es gibt eine Zeit, in der das Buch und ich zwei eigenständige Entitäten sind.

Frage: Wieviel ändern sie noch, wenn sie an diesem Punkt zum Buch zurückkehren? beziehungsweise, welche Art von Änderungen nehmen Sie dann noch vor?

Ruth Prawer Jhabvala: Nicht allzu viel meist ist es so, dass ich nach etwas Prickelndem Ausschau halte oder nach einer Szene, die noch etwas mehr beitragen könnte, die auf etwas hinweist, das im Drehbuch stehen sollte. Das versuche ich zu finden. Schon eine halbe Dialogzeile kann in solch einem Moment ein Geschenk des Himmels sein.

Frage: Wie haben Sie die Story den potentiellen Produzenten angepriesen?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich habe eine Art Handlungsabriss des Buches geschrieben wie wir es sehen würden - und ich habe den Hintergrund der Charaktere dargestellt. Denn ich erwartete nicht wirklich, dass jemand das Buch gelesen hatte.

Wir sagten, es ginge um das leidenschaftliche Aufeinandertreffen von vier Menschen. Wir dachten, das würde sich für potentielle Finanziers gut anhören. Wäre es unser erster, zweiter oder dritter Film gewesen, hätten wir vielleicht mehr Probleme gehabt, aber wir hatten eine Reihe erfolgreicher Filme vorzuweisen und so kamen die Leute auf uns zu und sagten: Nun, es sieht vielleicht nach nicht allzu viel aus, aber wer weiß.

Frage: Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und James Ivory läuft offensichtlich ganz wunderbar. Dabei handelt es sich beim späten Henry James bekanntermaßen um vieldeutige und schwierige Kost. Keine zwei Leser von The Golden Bowl haben das gleiche darin gelesen manchmal sieht sogar ein einziger Leser jedes Mal, wenn er es liest, wieder etwas anderes darin. Sahen Sie beide das Buch immer auf gleiche Weise?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich denke, das muss wohl der Fall gewesen sein. Was das Drehbuch angeht, so hat er es gelesen und brachte einige Einwände vor, aber nichts Grundlegendes. Ich glaube nicht, dass wir je grundsätzlich verschiedener Meinung waren.

Frage: Könnten Sie uns Genaueres darüber erzählen, wie ihre Zusammenarbeit mit James Ivory aussieht?

Ruth Prawer Jhabvala: Als ich in Indien lebte und er in New York - oder wo auch immer er sich gerade aufhielt - lief viel auf dem Korrespondenzweg. Aber jetzt leben wir beide in New York ... Ich bin so daran gewöhnt, alleine zu arbeiten, dass ich zuerst immer einige Entwürfe für mich selbst mache und sie dann erst an ihn schicke, damit er am Rand seine Anmerkungen einfügen kann. Dann schreibe ich das Ganze um, und das geht einige Monate so hin und her. Am Ende setzen wir uns zusammen und schauen, wo wir noch unterschiedlicher Meinung sind. Dann legt er los und dreht den Film damit habe ich nichts zu tun. Ich komme nur vorbei, um mir einige Muster anzusehen. Aber die Rohfassung sehe ich mir an, sie ist in der Regel doppelt so lang wie die endgültige Version, dann schaue ich sie noch einmal an, und dann ziehen wir uns für einige Zeit in den Schneideraum zurück und spielen daran herum.

Frage: Wessen Idee war es, den Film im Italien der Renaissance beginnen zu lassen mit der Aufdeckung eines Ehebruchs und der Ermordung des Liebespaares?

Ruth Prawer Jhabvala: Ich habe das von Anfang an eingefügt, denn ich dachte mir: Wie zeige ich, wer der Fürst ist und wo er herkommt?. Also habe ich eine Reihe von Büchern über die Renaissance gelesen und bin auf die Geschichte eines Herzogs gestoßen, der tatsächlich eine Stiefmutter tötete, weil sie ein Verhältnis mit ihrem Stiefsohn hatte. Ich dachte, das wäre ein guter Hintergrund für diesen Film.

Frage: Im weiteren Verlauf Ihrer Story scheint die Rolle des Herzogs eher Adam Verver näher zu kommen.

Ruth Prawer Jhabvala: Das soll man auch denken! Im Buch bleibt die Figur des Adam Verver vieldeutig bis zum Schluß, das heißt, man weiß nie genau, ob er eine klare Vorstellung davon hat, was vor sich geht, oder ob er ein etwas einfältiger Mann ist, dessen Raffinesse einzig und allein in seinen Geschäften zum Tragen kommt.

Frage: Im Film wissen wir ganz eindeutig, dass er weiß, was sich zwischen seiner Frau und dem Schwiegersohn abspielt.

Ruth Prawer Jhabvala: Er ist unglaublich clever. Ein Mann, der schwer von Begriff ist, wird nicht Milliardär und Kunstmäzen!

Frage: Die goldene Schale wird tatsächlich gezeigt und als Symbol zur Diskussion gestellt. Können Sie uns etwas darüber sagen, welche Bedeutung sie für Sie hat?

Ruth Prawer Jhabvala: Zunächst einmal ist sie ein Objekt, das wir im Film haben mussten. Sie ist ein physisches Objekt, das von einer Person gekauft wird, von einer anderen nicht. In genau dem Moment, da im Film die goldene Schale geliefert wird, findet Maggie heraus, welche Beziehung zwischen Charlotte und ihrem Mann besteht. Die goldene Schale hat einen Sprung. Fanny kann es nicht glauben sie ist beschädigt, und Fanny sagt: Wer hätte das gedacht? Sie sieht so perfekt aus. Und Maggie erwidert darauf: Ja, eine perfekte Fälschung. So sieht sie auch die gesamte Situation: Ihre eigene Ehe und die ihres Vaters sind in der Tat perfekte Fälschungen. Kurz darauf fragt Amerigo sie: Was willst du? Und sie antwortet: Ich will ein Glück ohne Riss, ich will die Schale ohne Sprung. Somit ist sie für uns ein perfektes Symbol und im Film auch zu sehen. (DJFL)


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