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Interview mit Sandrine Bonnaire: Est-Quest

"Ich glaube, dass man sich den Instinkt auch erarbeitet." Sandrine Bonnaire spielt die weibliche Hauptrolle in dem französischen Liebesdrama Est-Ouest - Eine Liebe in Russland, der am 29. Juni ...

* 31. Mai 1967 in Clermont-Ferrand, Frankreich, Schauspielerin Sandrine Bonnaire stammt aus einer Arbeiterfamilie und hat zehn Geschwister. Ihre schauspielerische Karriere begann sie mit 16, als Maurice Pialat sie 1983 unter Tausenden von Teenagern auswählte und für seinen Film Auf das, was wir ... [komplette Biografie]

Interview mit Sandrine Bonnaire


"Ich glaube, dass man sich den Instinkt auch erarbeitet."

Sandrine Bonnaire spielt die weibliche Hauptrolle in dem französischen Liebesdrama Est-Ouest - Eine Liebe in Russland, der am 29. Juni 2000 in die deutschen Kinos kommt.

Frage: Ihre Karriere ist eng mit Regisseuren verbunden, die ein dezidiertes Autorenkino vertreten. Hat Sie die Vorstellung beunruhigt, mit einem Regisseur zusammenzuarbeiten, der Filme macht, die etwas außerhalb ihrer bisherigen Arbeit liegen?

Sandrine Bonnaire: Falls ich mich beunruhigt haben sollte, dann war es jedenfalls nur sehr kurz. Unsere erste Begegnung verlief sehr angenehm und wahrscheinlich ziemlich unkonventionell. Wir haben geredet und geredet, über alles mögliche - bloß nicht über Régis Wargniers Filmprojekt. Er hat von seiner Familie erzählt, ich von meiner.

Und danach, auf dem Nachhauseweg, hatte ich den Eindruck, dass wir uns sehr füreinander geöffnet hatten. Dass ich von seinem Film noch nichts weiter wusste, war nicht schlimm, dafür würde ja später noch viel Zeit sein.

Frage: Régis Wargnier erzählte, dass er unsicher war, ob Sie sich auf eine Art von Kino wie die seine überhaupt würden einlassen würden.

Sandrine Bonnaire: Das ist völlig falsch. Ich kann diese Idee eines zweigeteilten Kinos nicht ausstehen. Ich selbst mag mich auch nicht im Autorenkino eingeschlossen fühlen. Natürlich weiß ich, dass man, wenn man mit Rivette, Chabrol oder Techine arbeitet, eher für ein kleineres Publikum arbeitet, auch, dass einem damit ein bestimmtes Label angehängt wird.

Richtig ist es, dass ich mich selbst nicht in großen Roller-Coaster-Movies sehe - aber das tun ja die Produzenten auch nicht - und ich mag auch keine Filme, die zynisch die Emotionen ausbeuten.

Aber ich bewundere große epische Filme, die natürlich von vornherein für ein breites Publikum gedacht sind. Ich finde diesen Snobismus, dass ein Film nur dann Qualität haben soll, wenn ihn nicht mehr als fünfzig Leute sehen, ziemlich unappetitlich. Das Kino ist eine generöse Kunstform, schmeichlerisch und verführerisch.

Frage: Sehen Sie Ihre Beteiligung an diesem Projekt als eine neue Etappe in Ihrer Karriere?

Sandrine Bonnaire: Ich weiß, dass mich Régis Wargnier gegen die anfänglichen Zweifel der Produzenten durchgesetzt hat. Natürlich ist dieser Film Neuland für mich gewesen.

Frage: Was hat Sie am meisten gereizt.

Sandrine Bonnaire: Die Anlage der Marie. Ich habe diese Rolle als ein Geschenk empfunden. Es ist eine seltene Gelegenheit, eine solche Bandbreite an Empfindungen in einer einzigen Person ausdrücken zu können. Die Geschichte umfasst einen Zeitraum von zehn Jahren, und in dieser Zeit durchlebt sie einen Extremzustand nach dem anderen, muss sich permanent an sehr fremde Lebensumstände anpassen und ist immer kurz davor zu zerbrechen.

Außer bei Chabrol, in Die Farbe der Lüge, hatte ich bisher sehr selten Gelegenheit, liebende Frauen zu spielen, Frauen, die um einen Mann kämpfen.

Frage: Waren es schwere Dreharbeiten?

Sandrine Bonnaire: Sehr schwer. Zuerst habe ich die Trennung von meinem alltäglichen Umfeld vermisst. Ich kam mir fast eingesperrt vor. Régis Wargnier, dem ich davon erzählte, sagte mir, dass ich wahrscheinlich unbewusst die Gefühle von Marie angenommen habe. Das stimmt vielleicht. Die andre große Schwierigkeit bestand darin, dass sich die Geschichte über zehn Jahre erstreckt.

Wir Schauspieler mussten unsere Charaktere über die gesamte Spanne erfinden, ohne dass es dabei zu Wiederholungen kam. Das Ende der Geschichte empfand ich als besondere Herausforderung, weil über mehrere Sequenzen eine riesige Anspannung gehalten werden muss und man natürlich nicht immer den selben emotionalen 'Ton' spielen konnte. Dabei habe ich mich manchmal auf sehr unsicherem Grund gefühlt.

Hinzu kommt, dass Régis Wargnier ein sehr anspruchsvoller Regisseur, sehr fordernd gegenüber sich selbst und allen anderen; jemand, dessen Empfindungen sehr schnell umschlagen können und der oft von Zweifel geplagt wird. Es kam zu harten Auseinandersetzungen, auch wenn wir uns abends immer sehr offen darüber aussprechen konnten.

Frage: Eine andere Schwierigkeit bestand sicher darin, dass Oleg Menshikov kein Französisch sprach?

Sandrine Bonnaire: Nicht nur dass er kein Französisch sprach. Er sprach oft gar nicht! Diese Rolle war eine Herausforderung für ihn. Er ist jemand, der sich beim Drehen sehr abschottet, und bei diesem Film musste er sich noch mehr isolieren, um zu arbeiten und sich zu konzentrieren.

Anfangs hatte ich durchaus Zweifel, ob uns im Kino irgend jemand unsere Liebe abnehmen würde. Doch Oleg wurde sehr schnell zu einem aufmerksamen Gegenüber, der eben nur nicht den leichten Weg gehen wollte. Ein bisschen habe ich ihn im Laufe der Zeit auch als Mensch verstanden.

Frage: Régis Wargnier zufolge sind Sie das Herz seines Films. Hat Ihnen diese Verantwortung Angst gemacht?

Sandrine Bonnaire: Nein, denn es war nicht das erste Mal. Das war bei "Jeanne d'Arc" von Rivette nicht anders, und auch nicht bei "Le captive du desert" von Depardon, wo ich die einzige weiße Darstellerin war. Geheimsache, der letzte Film von Rivette, ebenso. Nein, das ängstigt mich nicht, es ist nur sehr auslaugend.

Frage: Setzen Sie mehr auf Instinkt oder Technik?

Sandrine Bonnaire: Ich glaube, dass man sich den Instinkt auch erarbeitet. Man darf Instinkt nicht mit einer natürlichen Gabe verwechseln. Mit fünfzehn, als ich bei Pialat in "Auf das, was wir lieben" spielte, da konnte, ja musste ich mich ausschließlich auf meine Natürlichkeit verlassen. Mit den Jahren nimmt man zwangsläufig gewisse Gewohnheiten an.

Meine Arbeit als Schauspielerin besteht zum Teil auch darin, solche Automatismen zu zerschlagen. Es ist sehr einfach, etwas, von dem man weiß, dass es funktioniert noch einmal zu reproduzieren. Ich dagegen versuche das Gegenteil und versuche, darüber auch meine Instinkte zu schärfen. Das ist die einzige Art, immer wieder überraschend zu sein. Für andere und für mich selbst. (DJFL)


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