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Interview mit Stefanie Sycholt: Malunde

Stefanie Sycholt ist die Regisseurin und Drehbuchautorin des Films Malunde Frage: Wann haben Sie mit der Arbeit an dem Stoff begonnen? Stefanie Sycholt: Die ersten Seiten dieser Geschichte ...

Interview mit Stefanie Sycholt


Stefanie Sycholt ist die Regisseurin und Drehbuchautorin des Films Malunde

Frage: Wann haben Sie mit der Arbeit an dem Stoff begonnen?

Stefanie Sycholt: Die ersten Seiten dieser Geschichte schrieb ich im Juni 1998. Aber die Idee hatte ich schon viel früher. Ein paar Wochen später legte ich den Produzenten ein Treatment vor.

Frage: Haben Sie Ihre eigenen Erfahrungen in Südafrika in das Drehbuch eingearbeitet?

Stefanie Sycholt: Ja, deshalb erzähle ich diese Geschichte. Ich bin Südafrikanerin, habe dort gelebt, bin dort groß geworden. Auch meine Erlebnisse in der Anti-Apartheid Studentenbewegung sind eingeflossen. Aber ich wollte keinen politischen Film machen, bei dem es ganz vordergründig um Apartheid geht. Das ist der Hintergrund der Geschichte, aber ich wollte nicht mit dem Finger darauf zeigen.

Frage: Wieviel haben Sie vor Ort für die Geschichte recherchiert?

Stefanie Sycholt: Ich war etwa drei bis vier Monate im Land unterwegs. Zunächst habe ich in Unterkünften für Straßenkinder gearbeitet, in Durban, Kapstadt und Johannesburg. Ich habe dort mitgeholfen, die Kinder beobachtet, wie sie sich verhalten. Ich war lange genug da, um mit ihnen sprechen zu können, und am Schluss habe ich sie auch zur Krankenstation oder zu ihren Fußballspielen gefahren. Sie haben mir vertraut, und ich habe einen Einblick in ihr Leben genommen.

Dann bin ich im Land herumgefahren und habe nach Drehorten gesucht. Einer meiner ersten größeren Dokumentarfilme an der HFF - A CHANGING OF THE SEASONS -handelte von den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika. Ich folgte drei Familien in der Zeit des Übergangs vom Apartheid-Regime zur Demokratie. Viele meiner Beobachtungen über weiße, rechte Arbeiterfamilien sind in das Drehbuch von Malunde eingeflossen.

Frage: Die schwarzen Kinder haben ungewöhnliche Namen: Wonderboy, Breakfast. Haben Sie die recherchiert?

Stefanie Sycholt: Diese Namen klingen merkwürdig, sind aber authentisch. Ich habe eine Breakfast in einer Unterkunft für Mädchen in Kapstadt getroffen. Sie ist etwas älter als die Breakfast im Film, und hat mich fasziniert mit ihrem Durchhaltevermögen, ihrer inneren Kraft und einem lebendigen Funkeln trotz aller Probleme in ihrem Leben. Sie musste als Prostituierte arbeiten, um zu überleben. Den Namen Breakfast haben ihr nicht ihre Eltern, aber die anderen Straßenkinder gegeben. Einen Wonderboy gibt es auch, das ist der ältere Bruder von Pretty, einem Zulumädchen, das einen Teil seiner Kindheit bei meinen Eltern in der Nähe von Durban verbracht hat. Sie war in meiner Kindheit wie eine Schwester für mich, und ich habe mich immer über die Geschichten über ihren großen Bruder Wonderboy gefreut. Die Figur selbst habe ich nach einigen Straßenkindern gezeichnet, die ich getroffen habe.

Frage: War es schwierig, den Film zu finanzieren? Wie war die Unterstützung aus Deutschland?

Stefanie Sycholt: Die deutschen Förderanstalten, der Bayerische Rundfunk, Arte und der WDR waren ausgesprochen offen und haben den Film sehr unterstützt. Ganz im Unterschied zu Südafrika: Was dort von der Filmindustrie übrig ist, hat Angst vor allem, was mit Südafrika und auch noch mit südafrikanischen Schauspielern zu tun hat. Sie befürchten, der internationale Markt würde sich für das Land nicht interessieren. Ganz im Gegenteil dazu die Deutschen, die der Authentizität der Geschichte und den Charakteren vertraut haben.

Frage: Wie lange hat das Casting gedauert? Was waren dort die Herausforderungen?

Stefanie Sycholt: Ich bin tatsächlich ein paar Monate im Land umhergefahren, um die besten Schauspieler des Landes anzuschauen und für alle Hauptrollen Spielproben anzusetzen. Ian Roberts als Kobus stand sehr schnell für mich fest. Schwierig war die Besetzung von Wonderboy. Zunächst wollte ich ein Straßenkind für die Rolle. Aber nach drei Monaten Arbeit in den Unterkünften habe ich gesehen, dass 95% von ihnen drogenabhängig sind, sie sind völlig unvorhersehbar und ihr ganzer Charakter wechselt von einer Sekunde zur anderen. Andererseits gibt es sehr wenige erfahrene Kinderschauspieler, die einen ganzen Film tragen können. Ich ging zu jeder Agentur im ganzen Land und schaute mir etwa 400 Jungen an.

Einige davon waren auch wirklich talentiert, aber ich hatte die Befürchtung, dass keiner den ganzen Film durchstehen könnte. Eines Tages, ziemlich am Ende des Castings, kam Kagiso rein, es war das erste Casting seines Lebens. Er hat seinen Text gesagt, ein Lied gesungen und ich habe ihn gleich ins Herz geschlossen. Das war Wonderboy, er hatte alles, die Natürlichkeit und das Talent. Er ist kein Straßenkind, kommt aber aus einfachen Verhältnissen in Soweto und hat ein Gefühl für das, was auf der Straße passiert.

Frage: Wie haben sie Kagiso vorbereitet? Haben Sie vorher viel mit ihm und den anderen Schauspielern geprobt?

Stefanie Sycholt: Er hat vorher noch nie vor der Kamera gestanden, also habe ich seine Agentin gebeten, ein paar Serienauftritte für ihn zu organisieren, damit er ein wenig Kameraerfahrung bekommt. Dann habe ich darauf bestanden, dass er in Ruhe gelassen wird und keinen Schauspielunterricht bekommt. Auch das Drehbuch hat er nicht gelesen. Ich habe ihn langsam auf die Geschichte vorbereitet und die Rolle mit ihm erarbeitet. Selbst bei Drehbeginn kannte er die Geschichte noch nicht. Wir haben weitgehend chronologisch gedreht, so dass er den Dreh auch als Reise für sich selbst erfahren konnte.

Zwei Wochen haben Kagiso und Ian geprobt, aber meist getrennt, nur einmal gemeinsam. Ich wollte die Fremdheit bewahren, die wir am Anfang des Filmes brauchen. Mit Kagiso habe ich viel nach der Method Acting Technik gearbeitet, habe ihm beigebracht, auf seine eigenen Gefühle und Erfahrungen zu vertrauen und sie in das Spiel einzubringen. Er musste in allem, was er tut, authentisch sein, alle Tränen im Film sind echte Tränen.

Außerdem habe ich viel mit den Straßenkindern im Film gearbeitet, sie Theaterübungen für Kinder machen lassen, damit sie zu einer verschworenen Bande werden. Bei Drehbeginn kannten wir uns ziemlich gut und hatten einige Situationen improvisiert, in denen Straßenkinder geraten können.

Frage: Wie liefen die Dreharbeiten in Afrika?

Stefanie Sycholt: Wir waren die ganze Zeit über von Wetterproblemen verfolgt, aber es war eine tolle Erfahrung, mit dem Kameramann Jürgen Jürges und einem prima Team zu arbeiten.

Frage: Wie konnten Sie Jürgen Jürges von dem Projekt überzeugen?

Stefanie Sycholt: Ich wollte unbedingt jemanden mit viel Erfahrung und der Bereitschaft, sich mit mir in dieses Abenteuer zu stürzen. Ich hatte viel von Jürgen Jürges' Arbeit gesehen und wusste, dass er viel mit Filmstudenten gearbeitet hat. Besonders der Film, den er in Patagonien fotografiert hat, SIN QUERER, hat mir sehr gefallen, das war der Stil, den ich mir für meinen Film vorstellte. Ich habe ihn auf der Berlinale 2000 angesprochen, ihm das Drehbuch gegeben und einige Tage später hat er zugesagt. Es war ein ungeheures Geschenk für mich, jemanden mit seiner Erfahrung und seine visuellen Fantasie an meiner Seite zu haben.

Frage: Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Film überbringen?

Stefanie Sycholt: Zunächst einmal möchte ich, dass die Zuschauer einen Film sehen, der sie berührt. Natürlich geht es um die Versöhnung von verfeindeten Gruppen und unterschiedlichen Rassen. Aber das funktioniert nur auf einer persönlichen Ebene. Politische Veränderungen sind ein erster Schritt, aber dann muss jeder einzelne sich ein Stück verändern, einen persönliches Schritt machen, um andere Menschen in sein Leben zu lassen. Malunde ist ein Film über Menschen, die sich gegenseitig und sich selbst eine Chance geben. (DJFL)


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