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Interview mit Steven Shainberg: Secretary

"Ich persönlich finde nicht, dass an dieser Geschichte irgend etwas seltsam ist." Steven Shainberg ist der Regisseur von Secretary, ein erotischer Blick in die Welt einer Sekretärin, die sich, ...

Interview mit Steven Shainberg


"Ich persönlich finde nicht, dass an dieser Geschichte irgend etwas seltsam ist."

Steven Shainberg ist der Regisseur von Secretary, ein erotischer Blick in die Welt einer Sekretärin, die sich, umgeben von Tipp-Ex und Telefon, der Lust der Unterwerfung hingibt, ohne sich unterwerfen zu lassen. In ihrem Chef begegnet sie einem Mann, der sie beherrscht, ohne sie zu erniedrigen. Und dafür liebt sie ihn.

Eine 'unanständige' Frau nimmt sich ihr Glück jenseits aller Klischees und gängigen Moralvorstellungen. Ihr Weg dorthin reizt oft zum Lachen, ohne sie und ihre Vorlieben jemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Ein tiefer Einblick in die Welt weiblicher Fantasien in der schrägsten Komödie des Jahres!

Frage: Mr. Shainberg, wie kam es zu diesem Projekt?

Steven Shainberg: Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Mary Gaitskill. "Secretary" gehört zu einer Sammlung von Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Bad Behaviour" (Schlechtes Benehmen) vor gut zehn Jahren in den USA erschienen ist. Ich las damals die Geschichte und liebte sie. Während meiner Studienzeit drehte ich auf der Grundlage dieser Geschichte einen Kurzfilm von gut 20 Minuten. Obwohl der Film mit geringen finanziellen Mitteln und sehr schnell realisiert worden war, interessierte man sich in Hollywood dafür.

Wenn ich in den darauf folgenden Gesprächen allerdings erklärte, dass die Geschichte nicht auf der Idee basiert, dass die Hauptdarstellerin Lee Holloway ein persönliches Problem überwindet oder gar im herkömmlichen Sinne davon geheilt wird, sondern in Mr. Greys Büro etwas ganz Wunderbares und Schönes entdeckt, hielten mich die Leute für verrückt. Unter diesem Aspekt wollte sich niemand an die Geschichte heranwagen oder sie weiterentwickeln. Also legte ich die Idee erst einmal für mehrere Jahre beiseite.

Dann suchte ich nach einem Projekt, an dem ich mit einer New Yorker Freundin, der Drehbuchautorin Erin Wilson, arbeiten konnte. Nach mehreren Fehlschlägen entschieden wir, es mit Secretary zu versuchen. Für die Vorbereitung schaute ich mir einige Filme an, u.a. "Sweetie" von Jane Campion und viele Filme von Mike Leigh. Dabei wurde mir klar, wie ich die Geschichte so umsetzen konnte, dass der Dreh nicht zu teuer und die Umsetzung so gestaltet sein würde, dass Entscheidungsträger den Film vertreten konnten. Im Anschluss arbeiteten Erin und ich ein Jahr am Drehbuch und ich machte mich auf die Suche nach Produzenten und Geldgebern.

Frage: Warum klappte es dann Ihrer Meinung nach mit der Finanzierung beim zweiten Anlauf?

Steven Shainberg: Weil ich nicht in Hollywood suchte. Vor gut sieben Jahren entschied ich mich, von Los Angeles zurück nach New York zu ziehen. Eines Tages saß ich in LA im Auto und fuhr zu einem Meeting. So etwas wie ein Geist setzte sich auf den Beifahrersitz und sagte: "Es ist Zeit, von hier zu verschwinden - jetzt." Ich fuhr vom Highway ab und nach Hause und reservierte einen Flug nach New York. Alles in allem habe ich dann jeden aus meinem Leben gefeuert - meinen Agenten, meinen Anwalt, meinen Manager, sogar meine Freundin. Dies war der Beginn einer Serie von Dingen, die dazu führten, dass mit diesem Film alles klappte.

Grundsätzlich interessieren sich unabhängige New Yorker Produzenten mehr für Stoffe wie Secretary als irgendwer in Los Angeles. Dennoch hatte ich Glück, Andrew Fierberg und Amy Hobby als Produzenten zu finden. Sie hatten den Film "Sunday" von Jonathan Nossiter produziert, den ich sehr mochte. Zusammen mit einem Empfehlungsschreiben eines Freundes brachte ich ihnen das Drehbuch.

Ihre erste Reaktion war: "Das ist jetzt kein Softporno, oder?" Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Menschen, Produzenten, Schauspieler, Financiers auf diese Weise reagierten. Die Schwierigkeit bestand darin, potentiellen Partnern verständlich zu machen, dass dieser Film nicht nur intime Sexszenen ungewöhnlicher Vorlieben zu bieten hätte. Er würde ebenfalls lustig und unschuldig sein, dazu einige dunkle und schwermütige Szenen haben, aber vor allem sollte die Geschichte mit einem subtilen Sinn für Humor umgesetzt werden.

Mir hat bei diesem Film am meisten Spaß gemacht, dass all diese Aspekte ineinander griffen, manchmal parallel zueinander liefen und manchmal abwechselnd, so dass das Publikum immer wieder mitgerissen werden konnte. Ein weiterer, ganz großer Gewinn für den Film war, dass wir Maggie Gyllenhaal gefunden haben.

Frage: Wie kamen Sie zu Maggie und Maggie zu diesem Film?

Steven Shainberg: Wie bei allen unabhängigen Produktionen sucht man als erstes einen Schauspielernamen, der die Finanzierung rechtfertigt. Wir haben an alle gedacht, doch während wir die A-Liste durchgingen, sagte ich zu dem Casting-Agenten: "Wir glauben an diesen Film als eine Chance, aber die in der realen Welt da draußen werden vor ihm Angst haben - lass' uns lieber nach anderen Schauspielern umschauen."

Und ich schaute mir 60 Schauspieler an. Als erste kam Maggie zum Vorsprechen. Nummer 1. Und nachdem sie gegangen war, rief ich Andrew Fierberg an und sagte: "Ich weiß, wir haben noch nie zusammengearbeitet und Sie werden mich für verrückt halten, aber ich habe unser Mädchen gefunden." Frage: Hatte Maggie irgendwelche Vorbehalte, diese Rolle zu spielen?

Steven Shainberg: Ihre Vorbehalte waren ganz anderer Natur, als man es geglaubt hätte. Manchmal hört man ja über Schauspieler, sie seien furchtlos. Maggie ist es wahrhaftig.

Frage: Wie hat sich der Film im Laufe der Produktion entwickelt?

Steven Shainberg: Mit dem Dreh beginnt auch der Schnitt, und sehr schnell sieht man, was passiert. Wir stellten fest, dass das Herzstück des Filmes ganz klar die Beziehung zwischen Maggie und James war und dass alles, was sich außerhalb des Büros abspielt, relativ nebensächlich wurde. Das Umfeld musste nicht allzu detailliert wiedergegeben werden. Das fanden wir während des Drehens heraus.

So gab es im Drehbuch durchaus mehr Details, z. B. eine lesbische Figur, die ähnlich wie Jeremy Davies als Peter eine Art Alternative im Leben hätte darstellen können. Aber diese Figur wurde vollkommen überflüssig. Ähnlich erging es uns mit der Außenwelt, die immer schmaler und schmaler wurde, weil sie für den Film unerheblich war.

Wir schauten uns nach jedem Dreh, dann im Schneideraum jede Szene an, manchmal sogar jede Sequenz. Wir achteten darauf, was uns der Film erzählte und dabei wurde klar, dass man als Zuschauer immer wieder schnell in Mr. Greys Büro zurück möchte.

Frage: Was war für Sie so faszinierend an dieser Kurzgeschichte, dass Sie so lange für die Möglichkeit ihrer Realisierung kämpften?

Steven Shainberg: In dieser Geschichte stehen Sex, Liebe und Macht in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis. Ich wollte eine Liebesgeschichte drehen, die sich mit diesen Fragen, den Möglichkeiten und auch Problemen beschäftigt. Ich wollte sie aber keineswegs unheimlich oder gar dunkel, sondern in einer Weise drehen, die dieser Liebe eine Leichtigkeit und eine Schönheit gibt.

Ich persönlich finde ja nicht, dass an dieser Geschichte irgend etwas seltsam ist, oder an dem, was die beiden machen. Das, was sie tun, ist im metaphorischen Sinne so viel größer und intensiver, als die Art und Weise, wie die meisten Liebesbeziehungen funktionieren. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass jede Beziehung etwas von Secretary hat.

Es gibt immer Hochs und Tiefs, radikale Veränderungen und schleichenden Wandel und immer ist in gewisser Weise auch Manipulation im Spiel. Das Problem der meisten Liebesgeschichten ist, dass sie viel zu simpel gestrickt sind. Mary Gaitskills Autorenstimme in der Geschichte erschien mir, aus welchem instinktiven Grund auch immer, sehr familiär zu sein.

Und das, obwohl sie aus dem Blickwinkel einer jungen Frau schrieb, die nun in der Kurzgeschichte wirklich sehr, sehr seltsam und wesentlich gestörter auftritt als in meinem Film. Aber die Geschichte hallte in mir wieder, zog mich an, instinktiv.

Frage: Meinen Sie also, dass die Geschichte dieses besonderen Paares als Metapher für alle Liebesbeziehungen funktioniert?

Steven Shainberg: Ja, auf jeden Fall. Mr. Grey und Lee sind zwei sehr eigensinnige Personen, die sich durch ihre besonderen Neigungen gefunden haben. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Art, wie Macht zwischen ihnen funktioniert und wie diese Macht Erotik zwischen ihnen entstehen lässt, für viele Menschen nichts unbekanntes ist - egal, ob sie nun diese Neigungen haben oder nicht.

Der Film, der mich dazu brachte, selbst Filme drehen zu wollen, war "Blue Velvet". Man liest immer wieder von Regisseuren, die sagen, ich sah Antonioni oder ich liebte die Filme von Truffaut. Mir geht es auch so, aber "Blue Velvet" hat mich umgehauen. Ich erinnere mich auch an einen Artikel, in dem David Lynch nach der Generalisierung seiner Figuren gefragt wurde und er in seiner Antwort sehr hartnäckig betonte:

"Nein, nein, nein, dies ist ein Film über DIESE zwei Personen." Für mich war das eine sehr lehrreiche Antwort. Keiner macht Filme über "Männer" und "Frauen". Im Film geht es immer um diesen einen Mann und diese eine Frau, und wenn man sie richtig positioniert, stellt sich ganz automatisch eine Verbindung, eine Beziehung zu vielen anderen Menschen her.

Ich wollte herausfinden, "wer ist Lee" und "wer ist Mr. Grey" und habe gar nicht versucht, ein allgemeingültiges Statement zuwege zu bringen.

Frage: Wie haben die Zuschauer auf Ihren Film reagiert?

Steven Shainberg: Mit Überraschung und Verwunderung. Einige Leute waren schockiert, vor allem ältere Menschen. Ich bin davon ausgegangen, dass - durch den Blickwinkel des Filmes und Maggies Schauspiel - jüngere Frauen sehr stark auf diesen Film reagieren würden. Beim Sundance Film Festival traf das tatsächlich zu, fast schon in so starkem Maße, dass es einen selbst schockierte.

Ich denke, das hat vor allem damit zu tun, dass es um eine junge Frau geht, die ganz besondere Bedürfnisse hat und vor ihnen nicht zurückschreckt. Im Gegenteil, sie beginnt nicht nur, sich selbst zu akzeptieren, sie blüht regelrecht auf. Es gibt eine ganz besondere Schönheit in der Art wie Maggie Gyllenhaal die Liebe entdeckt. Der Film ist sowohl sehr erotisch als auch überaus romantisch.

Frage: Und Männer?

Steven Shainberg: Eine interessante Sache ist, dass sich offensichtlich ältere Männer von diesem Film bedroht fühlen. Was auf der anderen Seite Sinn macht - die kraftvolle, mächtige männliche Figur entpuppt sich als verletzlich und zaghaft und ich denke, das lässt Männer schon mal über ihre traditionell dominante Rolle nachdenken.

Frage: Und obwohl Mr. Grey den sadistischen Part übernimmt, wirkt er nie unheimlich.

Steven Shainberg: Das ist richtig, Mr. Grey ist nie unheimlich oder Angst einflössend, im Gegenteil er selbst hat Angst. Er hat Angst vor der Liebe und ich denke, vielen Männern geht es so. Mr. Grey hasst sich selbst für das, was er will und was er braucht, und er ist in diesem Film - so ironisch das klingt - der einzige, der glaubt, irgend etwas mit ihm stimme nicht. Von Mr. Grey scheint aus Männersicht eine Bedrohung auszugehen. Es gab sehr persönliche und sehr heftige Reaktionen von Männern auf diesen Film und das ist wunderbar. (DJFL)


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