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Interview mit Pfarrer Thomas Gandow: Anna

Pfarrer Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg anläßlich des Sat.1-Films "Anna - Im Banne des Bösen" Frage: Haben Sie den Eindruck, dass der SAT.1-Film "Anna ...

Interview mit Thomas Gandow


Pfarrer Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg anläßlich des Sat.1-Films "Anna - Im Banne des Bösen"

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass der SAT.1-Film "Anna - Im Banne des Bösen" die Situation realistisch darstellt?

Thomas Gandow: "Ich finde gut und gleichzeitig problematisch und aufregend an dem Film, dass er die Faszination des Bösen zeigt. Man fragt sich ja immer, wie kann ein Mensch da mitmachen? Im Film wird eben auch das Faszinierende sehr deutlich, das, was die Menschen in solche Gruppen zieht. Aber das Böse war mir dann zu sehr in einen rosaroten Nebel gehüllt. Das Eklige, Verletzende, Entwürdigende des Bösen wurde nur angedeutet. Elemente des Films sind auf jeden Fall realistisch. Der Satanismus, gerade der unter jungen Leuten, ist nicht sektenmäßig organisiert, sondern bandenmäßig. Auch im Film kommt beides vor, die Jugendbande mit ihren Zwängen, aber auch die sektenartige Organisation."

Frage: Wie wird eine Sekte definiert, und wann wird's gefährlich?

Thomas Gandow: "Wissenschaftlich gesehen ist eine Sekte eine Schulrichtung einer bestimmten Religion. Eigentlich ist eine Sekte immer eine Absplitterung. Die Kirche sagt: Lieber auch die 'Lauen', aber alle. Während die Sekte sagt: Lieber nur die 150prozentigen, weniger, aber besser. In den Medien steht heute Sekte immer mehr für eine kleine, problematische, irgendwie religiöse Gruppe. Nicht alle Sekten müssen wirklich gefährlich sein. Der Grad der Gefährlichkeit variiert zwischen der Gefährdung des unabhängigen Denkens der einzelnen Person und echten gesellschaftlichen Gefahren."

Frage: Welches sind die Motive, die junge Leute dazu bringen, sich einer Sekte anzuschließen?

Thomas Gandow: "Der Film zeigt ja, dass die Motive unterschiedlich sein können. Es gibt die Faszination des Bösen, wie gesagt, oder die Faszination der autoritären Struktur. Es gibt auch das Mitmachen aus Angst, vor allem auch, dass Menschen einfach rekrutiert werden. Manche geraten in eine Sache hinein, ohne dass sie merken, auf was sie sich eingelassen haben."

Frage: Was können Eltern und Lehrer tun, wenn sie bemerken, dass sich ein Jugendlicher einer Sekte angeschlossen hat?

Thomas Gandow: "Der Film zeigt, dass sich nicht nur der kleine, ahnungslose Jugendliche verstrickt, sondern, dass sich auch ein erwachsener Mensch verleiten lassen kann. Was können Angehörige und Freunde tun? 1. Alle, die an diesem Menschen interessiert sind und ihn liebhaben, sollten sich zusammentun, um Bündnispartner zu suchen - nicht nur Eltern, sondern auch Freunde. Sie müssen dann ganz intensiv mit dem Betroffenen sprechen. 2. An dem Film wird ja sehr deutlich, Argumente helfen nicht. Logik wird in so einem Fall ausgeknipst. Jemand geht in so eine Gruppe wegen emotionaler Probleme, und nur auf diesem Weg kann man jemanden da auch wieder 'rausholen. Gefühle zeigen, dem Betroffenen eine Szene machen, heulen, ihn einfach nicht gehen lassen. Das ist schlauer als mit Argumenten zu kommen. Die Helfer müssen natürlich über die Argumente verfügen. Und das Tolle ist, dass die Menschen auch wieder aus so einer Gruppe herauskommen. Vor denen ziehe ich den Hut."

Frage: Welche Alternativen kann man Jugendlichen bieten?

Thomas Gandow: "Positive, fordernde Ablenkung schaffen: Besser als ein Buch zu besorgen, ist, einen Radausflug zusammen zu unternehmen, und natürlich präventiv aktiv werden. Pfadfindergruppen, Sport, Musik, Kunst."

Frage: Wieviele Sekten gibt es in Deutschland? Kann man von einem bestimmten Trend sprechen?

Thomas Gandow: "In Deutschland gibt es schätzungsweise 500 größere, verschiedene religiöse Organisationen, Kirchen, Gruppen und Sekten. Ich schätze, dass etwa 20 davon problematisch sind, und dass etwa 20 zu den Gruppen gehören unter denen man sich eine Sekte vorstellt. Daneben gibt es aber auch kleinere Gruppen, wie man das auch im Film sieht, die in keinem Regierungsbericht vorkommen. Eine Sache kann man ganz sicher sagen: Die Individualisierung und Pluralisierung führt von den großen Organisationen weg zu kleineren Einheiten. Daneben gibt es trotzdem eine relative Stabilität der Kirchen. In den Jahren zwischen 1991 und '94 haben z.B. über 14% die Parteien verlassen, 17% die Gewerkschaften und nur 3,4% die Kirchen. Aber Menschen wollen irgendwo Mitglied sein. Die Sekten werden zu Ersatzfamilien. Die Bildung von immer kleineren Grüppchen geht weiter. Und in Berlin herrscht zur Zeit Gründungsfieber. Jeden Monat kommt eine neue hinzu."

Frage: Welche Handhabe hat der Staat, Sekten zu verbieten?

Thomas Gandow: "Er kann nur reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wir leben in einer Gesellschaft, in der nicht Meinungen, sondern Handlungen bestraft werden, das ist ja auch richtig so. Der Staat hat die Aufgabe zu schützen, und er muss gründlich aufpassen. Es sollte auch eine freiwillige Selbstkontrolle der Gruppen geben, damit Religion nicht in Verruf kommt. Außerdem sollte die Bundesregierung endlich den Bericht über Probleme und Gefahren von neureligiösen Bewegungen, der seit zwei Jahren überfällig ist, veröffentlichen. Die Parlamente sollten die gesetzliche Möglichkeit schaffen, dass Betroffenen-Hilfsorganisationen gefördert werden. Und Organe wie der Verfassungsschutz und die Polizei müssen tätig werden, z.B. in Bezug auf Scientology."

Frage: Welche Arbeit leistet ein Sektenbeauftragter konkret?

Thomas Gandow: "Meine wesentliche Aufgabe ist die Beratung von Betroffenen, Angehörigen, Verwandten. Dann die Informationsarbeit. Ich sammle Informationen und halte Vorträge, unterrichte kirchliche Gremien, schreibe Bücher, mache Fortbildungen etc."

Das Interview führte Anke Tollkühn. (DJFL)


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