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Interview mit Thomas Kronthaler: Die Scheinheiligen

Gespräch mit dem Regisseur Thomas Kronthaler über seinen neuen Film Die Scheinheiligen Frage: Vor Jahren gab es einen ziemlichen Wirbel um die Planung eines nicht sehr bayerischen ...

Interview mit Thomas Kronthaler


Gespräch mit dem Regisseur Thomas Kronthaler über seinen neuen Film Die Scheinheiligen

Frage: Vor Jahren gab es einen ziemlichen Wirbel um die Planung eines nicht sehr bayerischen Schnellrestaurants im bayerischen Oberland. Kam Ihnen in diesem Zusammenhang die Idee für "Die Scheinheiligen"?

Thomas Kronthaler: Den Anstoß zu der Geschichte, gab eine Auseinandersetzung in der örtlichen Presse. In der öffentlichen Diskussion ging es um den geplanten Bau eines Fast-Food-Restaurants an der Autobahn-Ausfahrt Irschenberg. Gegner und Befürworter beschimpften sich gegenseitig. Das Interessante war nicht der Bau des Restaurants, sondern die Auseinandersetzung darüber. Da ich aus der Irschenberger Gegend komme, kannte ich auch einige der beteiligten Personen und konnte mir bildhaft vorstellen, wie die tatsächliche Streiterei aussah. Mir persönlich war das ja egal, ob da nun ein Schnellrestaurant steht oder nicht, die Landschaft ist an der Stelle sowieso durch die Autobahn verschandelt. Aber wie die Dinge bei uns so laufen, das konnte man an dem Beispiel wieder einmal wunderbar erkennen.

Frage: Der Titel "Die Scheinheiligen" bezieht sich ja nicht nur auf die Heiligenfiguren ...

Thomas Kronthaler: Der Titel entstand sehr schnell während des Schreibens und bezieht sich sowohl auf die gefälschte Marienfigur als auch auf die "falschen" Dorfbewohner.

Frage: Im Mittelpunkt des Films steht die sture Bäuerin Magdalena Trenner, deren Grund für den Bau dringend benötigt wird. Stand dieser Charakter von vorneherein fest?

Thomas Kronthaler: Ja, es stand schon immer fest, dass den Mittelpunkt der Geschichte eine alte Bäuerin bilden wird. Alt, weil man glaubt, hier jemanden wehrloses vor sich zu haben. Darüber hinaus steht Magdalena beispielhaft für viele alte Menschen. Sie ist alleine und sitzt auf ihrem ganzen Reichtum. Sie hat niemanden mehr, mit dem sie etwas teilen kann, weder Gutes noch Schlechtes. Durch die Einsamkeit wird sie auch immer böser. Alle Gegner, glauben ein leichtes Spiel mit ihr zu haben, aber mit den beiden Helfern, Johannes und Theophile, gelingt es ihr, sich allem zu widersetzen. Gemeinsam mit den Beiden wird sie stärker und ihre Gegner trauen sich nicht mehr so recht.

Wenn der "Ober-Haberer", während des nächtlichen Haberfeldtreibens schreit: "Trennerin! Komm raus, wenn Du Dich traust!", dann zeigt das, wie sich die Verhältnisse ändern, wenn es um finanzielle Interessen geht. Man schreckt auch nicht mehr davor zurück, einem alten Menschen etwas anzutun.

Johannes wird ja von Magdalena am Anfang der Geschichte für den leibhaftigen Tod gehalten. Letztendlich kann sie auch erst durch seine Hilfe sterben und ihren Frieden finden. Johannes steht auch als Außenseiter, der in das Gefüge des Dorfes eindringt. Theophile bedient das Klischee eines Schwarzen, den niemand haben will. Das Dorf, damit auch unsere Gesellschaft, lässt sich anhand solcher Außenseiter wunderbar charakterisieren.

Frage: Wie haben Sie Ihre Darsteller, unter denen viele Laiendarsteller sind, gefunden?

Thomas Kronthaler: Maria Singer war eine Wunschbesetzung und hat Gott sei Dank auch zugesagt.

Johannes kannte ich schon von vielen gemeinsamen Aktivitäten und auch von einem Kurzfilm, in dem Johannes die Hauptrolle übernahm. Es war schon beim Schreiben klar, dass Johannes die Figur "Johannes" spielen muss, da er diese Figur auch in bestimmter Weise real lebt.

Alle Schauspieler habe ich persönlich aufgesucht und mich mit ihnen über die Geschichte unterhalten. Glück war, dass alle Angesprochenen auch zugesagt haben und sich für die angebotene Rolle begeistern konnten.

Frage: Magdalena Trenner wird von Johannes in ihrem Lehnstuhl auf einem Leiterwagen durch die Lande gezogen. Eine recht ungewöhnliche Fortbewegungsmethode ...

Thomas Kronthaler: Das Bild war schon immer in meinem Kopf. Wie transportiert man ein schwache, alte Frau, ohne Auto, über das Land? Ein Schubkarren wäre eine Alternative gewesen, aber nicht wirklich ästhetisch. Außerdem war es schön Magdalena, als reiche Bäuerin, auf einen Thron zu setzen. Die Dame wird von ihren Helfern über ihr eigenes kleines Imperium gezogen.

Frage: Der Pfarrer verfügt, wie Don Camillo, über ein zu ihm sprechendes "Gewissen", allerdings ein sehr weltliches ...

Thomas Kronthaler: Franz Josef Strauß ist ja auf dem Land immer noch nicht ganz tot. Trotz aller Affären, die ihm nachgesagt werden, ist er für viele nach wie vor der Held von Bayern. Und all zu gerne würden ihn viele Regionalpolitiker noch um Rat, Hilfe und Schutz bitten. Stellvertretend dafür hält unser Pfarrer, beabsichtigt ähnlich zu seinem Filmkollegen Don Camillo, noch den Kontakt aufrecht zu unserem König.

Frage: In den Scheinheiligen werden sehr viele Themen satirisch angesprochen. Bestechliche Politiker, Polizisten, die ihre eigenen Gesetze haben, Asylpolitik, vereinsamte alte Menschen, Profitgier auf Kosten der Natur und Finanzprobleme der Kirchengemeinden? Welcher Misstand ist Ihnen am wichtigsten anzuprangern?

Thomas Kronthaler: All die genannten Themen sind ja nur kurz angerissen und keines ist aufgearbeitet worden. Die angesprochenen Themen dienen dazu, einen gesellschaftlichen Querschnitt durch eine Dorfgemeinschaft nachzuzeichnen. Um nur einem Punkt, wie bestechliche Politiker, halbwegs gerecht zu werden, bräuchte man sicher einen ganzen Abend.

Frage: So ein "unbequemer" Film ist doch auch sicher nicht leicht zu finanzieren?

Thomas Kronthaler: Ja, die Finanzierung war ein wahres Drama. Teilweise lag dies sicher auch am Inhalt von "Die Scheinheiligen" und zum anderen ist es einfach schwierig, als Neuling jemanden davon zu überzeugen, dass er einem viel Geld zur Verfügung stellen soll.

Drehgenehmigungen waren überhaupt kein Problem.

Bayern ist zwar katholisch und gläubig, aber es hat auch schon immer sehr viel übrig gehabt für Querdenker und Sturschädel. Andere Meinungen werden durchaus toleriert, auch wenn dies niemals jemand zugeben würde. Außerdem freut sich der Bayer tierisch, wenn er etwas nach oben "sticheln" und "tratzen" kann, auch und gerade gegen die Kirche. Ein Motto könnte so lauten: "Es soll schon alles so bleiben wie es ist, aber was nicht Rechtens ist, darf auch laut gesagt werden!"

Frage: Gegen Ende gibt es einen wirklich feurigen Showdown. Wie konnten Sie die Technik mit den begrenzten Mitteln realisieren?

Thomas Kronthaler: Wir hatten das große Glück, den Wagen des Landtagsabgeordneten wirklich günstig zu bekommen. Pitt Rotter, der die Spezialeffekte wie das Zerschießen und Sprengen des Wagens machte, ist uns auch extrem weit entgegen gekommen. Ich glaube, ihm hat es auch gefallen, ein dickes Auto in die Luft zu jagen. Außerdem hat uns die Irschenberger Feuerwehr sehr geholfen und ließ sich ihren Einsatz nur in Naturalien abgelten.

Zu guter Letzt haben wir, dank unseres Kameramannes Micki Stoiber, sehr materialreduziert drehen können. Es ist alles etwas geworden und daher ist auch jeder Meter der Explosion in den Film eingeschnitten. Der Showdown ist fast in einem Drehverhältnis von eins zu eins gedreht worden.

Frage: Hätten Sie den Film mit einem größeren Budget anders gedreht und besetzt oder glauben Sie, dass Improvisieren der Kreativität mehr Freiraum lässt?

Thomas Kronthaler: Beides, ich hätte den Film mit einem größeren Budget anders gemacht und trotzdem ist durch die knappen finanziellen Mittel auch etwas entstanden, das mit mehr Geld vielleicht gar nicht möglich gewesen wäre. Mit viel Geld muss man sich mit bestimmten Dingen, die es aber Wert gewesen wären noch einmal darüber nach zu denken, gar nicht erst auseinandersetzen.

Frage: Außer bereits bestehendem bayerischem Liedgut haben Sie auch noch jemanden für die Filmmusik ins Team geholt ...

Thomas Kronthaler: Das war ein reiner Glücksfall. Einer unserer Nebendarsteller fragte mich, ob wir schon jemanden für die Musik hätten, denn zwei von seinen Freunden würden ganz gut musizieren und hätten Lust Filmmusik zu machen. Ich dachte mir nur, Oh Gott, da wollen wieder zwei Kellermusiker zum Film. Trotzdem hab’ ich mich mit den beiden, Martin Unterberger, dem Komponisten und Stefan Auer, dem Tonmeister, auf ein Bier getroffen. Ich hab den beiden dann über Walkman unsere Layoutmusiken vorgespielt und wollte wissen, ob sie so etwas auch machen könnten. Ich habe an den beiden immer gezweifelt, bis dann die ersten Musiken kamen. Und die waren einfach genial. Das Intro und die Musik zum Showdown standen gleich fest. Martin Unterberger ist wirklich einer der besten und feinfühligsten Musiker die ich kenne. Bei vielen Szenen hat er nur die stummen Bilder gesehen und sofort die Musik geschrieben und bis auf wenige Ausnahmen war das auch immer ein Treffer. Außerdem spielt er eine Vielzahl von Instrumenten und deshalb stand bei ihm auch immer im Vordergrund, alles "echt" einzuspielen. Keine Computermusik, sondern wirklich gespielte Instrumente. Und das hört man einfach.

Frage: Um einen Spielfilm mit so geringem Budget drehen zu können, braucht man sicher ein eingespieltes Team.

Thomas Kronthaler: Micki Stoiber kenne ich schon sehr lange. Da kann man sich oftmals auch mit sehr wenigen Worten verständigen. Es braucht dann keine langen Diskussionen, um seine optischen Vorstellungen auszudrücken, sondern man erklärt kurz worauf es einem ankommt und es läuft. Außerdem hat Micki auch ganz wunderbare Ideen in den Film eingebracht und ich habe diese alle dankbar angenommen. Wo ich ihm auch zu größtem Dank verpflichtet bin, ist sein Engagement den Film in einem sehr engen vorgegebenen Zeitrahmen abzudrehen. Wir hatten insgesamt nur 18 Tage Zeit und das ist für Kino eigentlich Wahnsinn.

Bernd Schlegel hat sich in das Projekt voll rein gekniet. Bernd ist jemand, der um Mitternacht noch richtig Gas gibt und den Film über Nacht noch mal umschneidet, nur um am nächsten Tag noch eine Variante anzubieten. Mit ihm werde ich mit Sicherheit auch meine nächsten Projekte nachbearbeiten. Das selbe gilt auch für das ganze Team, das "Die Scheinheiligen" verwirklicht hat.

Frage: Ismael Feichtl, ein Student der HFF, hat den Film produziert. Ist das nicht sehr riskant, ein Projekt dieser Größenordnung alleine zu produzieren?

Thomas Kronthaler: Das ist es natürlich, aber Ismael ist ein organisatorisches Naturtalent und ihm ist es immer gelungen, rechtzeitig eine Lösung für ein akutes Problem zu schaffen. Außerdem hat er eine sehr feine Ader für Stimmungen im Team und wenn es mal ein bisschen geknirscht hat, gab es sofort einen "Kummertropfen" für die hart arbeitende Technik. Ismael hat mir während der ganzen Drehzeit immer den Rücken frei gehalten und das war sehr angenehm. (DJFL)


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