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Interview mit Tim Sullivan

Tim Sullivan hat bekannte Filme wie (Driftwood (2006), Snoop Dogg's Hood of Horror (2006) und 2001 Maniacs (2005) gedreht. Der 44jährige US-Amerikaner aus New Jersey begann seine Karriere als Teenager ...

Interview mit Tim Sullivan


Tim Sullivan hat bekannte Filme wie (Driftwood (2006), Snoop Dogg's Hood of Horror (2006) und 2001 Maniacs (2005) gedreht. Der 44jährige US-Amerikaner aus New Jersey begann seine Karriere als Teenager mit Hilfsjobs beim Film. So war er beispielsweise für das richtige Verspritzen des Blutes in den 80er Jahren für „Die Rückkehr der Aliens“ zuständig. Vom Filmfieber begeistert, studierte er an der New Yorker Uni Film und schrieb nebenbei für die Musikclips von MTV. Seinen neuesten Horror-Thriller „Driftwood bezeichnet er als übernatürlichen Teen-Thriller. Seine Botschaft lautet stets: Keinen Menschen dieser Erde zu etwas zwingen, was er nicht will. DigitalVD.de sprach mit dem Ausnahmefilmer in München:

DigitalVD.de: Wie sind sie nach den Horror-Schockern gerade auf dieses eher sozialkritische Thema gestoßen?

Tim Sullivan: In den letzten Jahren wurden und werden immer häufiger Teenager, die nicht so funktionieren, wie es die Eltern und die Gesellschaft es gerne hätten, einfach in diese sogenannten „Boot Camps“ abgeschoben, wo sie teilweise die Hölle auf Erden erleiden.

DigitalVD.de: Gibt es keine einfachere Lösung für unbeugsame und kleinkriminelle Kids?

Tim Sullivan: Doch, aber das ist die billigste Lösung, einmalig ein paar Wochen oder Monate lang gegen die Kids auf brachialste Weise psychisch und Körperlich zu brechen, und schon wandeln sie wie gehorsame Zombies hinter den Eltern her. Damit ersparen sie sich aufwändige Therapien oder jahrelange Sitzungen beim Psychologen. Was daraus dann wird, steht auf einem anderen Blatt.

DigitalVD.de: Wie soll man aber eine Straftat dann sanktionieren?

Tim Sullivan: Klar, es gibt wirklich schwarze Schafe unter den Jugendlichen, die auch eine Strafe verdienen, das sind jedoch in Wahrheit wenige. Die meisten sind ok, nur eben schwer erziehbare Pubertierende, oder sie geraten in diesem kritischen Alter durch die Gleichaltrigengruppe auf die schiefe Bahn. Aber ich wehre mich strikt dagegen, alle über einen Kamm zu scheren, zumal es in diesen Camps, von dilettantischen Ex-Söldnern und ehemaligen Armee-Freaks nur so als Ausbilder wimmelt, auch schon einige mysteriöse Todesfälle gab, die nie geklärt wurden, oder besser: geklärt werden durften…

DigitalVD.de: Wie in „Driftwood“ eben. Aber wieso dann diese horriblen, surrealen Filmelemente, daß beispielsweise Hauptdarsteller immer wieder den Geist eines verschwundenen, verstorbenen Jungen sieht, wobei sich ebenso der Zuschauer zu Tode erschreckt? Wie würdest Du denn die Inhaftierten eines solchen Camps auf den rechten Weg bringen?

Tim Sullivan: Ich würde mehr Streetworker einsetzen, die Kids hart arbeiten lassen, zum Wohl der Gemeinschaft, aber Boot Camps? Nein danke, da kommen sie als Psychopathen wieder nach Hause. Ich will mit „Driftwod“ auch keinen didaktischen Lehrfilm mit erhobenem Zeigefinger auf die Menschheit loslassen. Ich mache Spielfilme, keine Dokus. Und dieses Horror-Elemente sowie der Gothic-Mystizismus sind eingeblendet, um die Aussage noch schockierender zu transportieren. Ich möchte spannende Movies, keine Gähnfilme, nach dem Motto: Was will uns der Dichter damit sagen? Wie will er damit die Welt verbessern? So etwas Scheinheiliges widert mich an.

DigitalVD.de: Warum dann auf brutale Horror-Manier?

Tim Sullivan: Blut und Horror wie Zombies, Godzillas und Frankensteins sind allegorisch und sinnbildlich gemeint. Ich sehe mich als Eine Art Zauberer (lächelt), der Wundersames und Erschreckendes aus dem Hut zaubert. Der Zuschauer soll mitfiebern und sich immer wieder aufs Neue wundern. Soviel Blut wird ja auch gar nicht verwendet, eher harte Prügelszenen.

DigitalVD.de: Glaubst Du, damit Gutes zu bewirken? Es ist doch längst erwiesen, dass zuviel Brutalität zur dramatischen Herabsenkung der Gewalt-Hemmschwelle führt, oder wie erklärst du dir beispielsweise die Amokläufe an den Schulen, oder diese Egoshooter-Ballergames, die durch ihre Mittel zu einer sonderbaren Faszination bei Heranwachsenden werden.

Tim Sullivan: Stimmt, ganz genau. Wir unterscheiden aber den Horror in den USA sehr genau, meine Filme haben nichts mit diesen „Torn-orns“ (Quälfilme à la „Saw“ und „Hostel“) zu tun. Da rennen die Leute zuhauf in die Kinos, um dann sich brüsten zu können, den gesehen und überstanden zu haben. Zudem ist der Sadismus in jedem von uns immanent. Das fängt schon bei der harmlosen Schadenfreude an. Wenn du beispielsweise meinen „2001 Maniacs“ siehst, wirst Du auch schnell merken, dass der bis ins Lächerliche überspitzt wird. Horror soll vorwiegend unterhalten, nicht animieren oder beängstigen.

DigitalVD.de: Dennoch gibt es eine neue Welle von Backwood-Horror, in denen geschnetzelt und gemetzelt wird, was das Zeug hält…?

Tim Sullivan: Ja, seit 9/11 hat sich in den USA einiges ziemlich heftig geändert, das ist ihre Art und weise, mit Feindbildern fertig zu werden, so wie die Zombies von Romero zu Zeiten des Vietnam-Krieges geboren wurden, oder die Godzilla-Monster als Kompensation für Hiroshima betrachtet werden dürfen.

DigitalVD.de: Wie kommt es eigentlich, dass in den USA selbst die jugendlichen viel empathischer, authentischer und intensiver spielen als die deutschen beispielsweise?

Tim Sullivan: Das sind engagierte Kids, die schon auf der High-School bei Schulaufführungen auftreten, später im Theater, um dann zu Film überzutreten. Die richtig guten Interpreten haben vorher allesamt Theater gemacht. Außerdem: James Dean ist nach wie vor das Ur-Vorbild, er hat trotz weniger Filme die Schauspielerei in Amerika von albernen Komödien zum Filmrebellen, zum Anderssein und Widerstand geführt. Einer, der ehrlich und enthusiastisch die Filmszenen gewandelt hat. Das ist der Unterschied. Die Kids haben heute viel zu sagen, wollen ihre Botschaft der gesamten Welt mitteilen, und welches Medium eignet sich dann besser als das Kino? (Jean Lüdeke)


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