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Interview mit Ulrich Mühe: Mein Führer

„Ich bin die Figur, die komödiantisch nicht über die Stränge schlagen durfte.“ Ulrich Mühe spielt die Rolle des Prof. Adolf Grünbaum in der deutschen Komödie Mein Führer. Frage: Wie haben Sie ...

Interview mit Ulrich Mühe


„Ich bin die Figur, die komödiantisch nicht über die Stränge schlagen durfte.“

Ulrich Mühe spielt die Rolle des Prof. Adolf Grünbaum in der deutschen Komödie Mein Führer.

Frage: Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal von Mein Führer, einer Komödie über Adolf Hitler, gehört haben?

Ulrich Mühe: Mit der Nachricht, dass Dani Levy das macht, war für mich die Grundrichtung eindeutig. Da hatte ich überhaupt keine Befürchtungen. Obwohl klar ist, dass Mein Führer ein ungewöhnlicher Film ist. Aber wer will schon gewöhnliche Filme drehen. Komödie darf meines Erachtens nach alles, vorausgesetzt es bleibt Komödie.

Frage: Sie spielen in Mein Führer eine Figur, die in einer eigentlich hoffnungslosen Zeit die Hoffnung hochhält.

Ulrich Mühe: Mit Grünbaum geht es um das Überleben von Menschlichkeit. In einem Moment, in dem ringsum alles in Grauen versinkt, und sich alle noch mal zum obskuren Tanz auf dem Vulkan gegenseitig versichern, dass sie die Größten sind, repräsentiert diese Figur ein Stück Menschlichkeit. Mein Führer die einzige Figur, die nicht komödiantisch über die Stränge schlagen darf. Es war Dani Levy sehr wichtig, dass ich das auf der Opferseite sozusagen zusammenhalte, dass meine Figur das Bewusstsein für die Situation unter den Nazis immer im Blick hat.

Frage: Konnten Sie beim Spiel etwas für sich herausfinden?

Ulrich Mühe: Ich interessiere mich immer über die Rolle hinaus für das ganze Projekt, nur darum kann ich zum Beispiel auch für Costa-Gavras jemanden wie Mengele spielen, eine Figur, die mir wirklich Unwohlsein verursacht. Ich weiß in welchem Umfeld die Figur steht, und dass sie darin gut gespielt werden muss.

Mir geht es darum, eine Wahrhaftigkeit für jede Figur herzustellen, ob das nun im Grauen stattfindet, wie bei Costa-Gavras, oder in der Menschlichkeit eines Adolf Grünbaum wie bei Dani Levy. Diese sehr unterschiedlichen Figuren sind durch die Wahrhaftigkeit verbunden, mit der man sie spielen muss.

Wer diesen Satz bemüht, um mir Gleichsetzung diametraler Geisteshaltungen nachzusagen, hat noch nicht viel herausgefunden.

Frage: Inwieweit sind all diese Mechanismen und Tricks, die Sie als Grünbaum dem Hitler beibringen, auch die, mit denen Sie selbst arbeiten?

Ulrich Mühe: Da waren schon ein paar Erinnerungen an die Schauspielschule dabei, auch Erfahrungen mit Kollegen. Wenn man es gewohnt ist, jeden Abend Theater zu spielen, braucht man diese Übungen nicht, aber wenn man längere Pausen hat, muss man schon dafür sorgen, dass die Stimmbänder und die Atemwege trainiert bleiben.

Frage: Und wie haben Sie es empfunden, inmitten dieser Nazi-Inszenierung im Lustgarten zu stehen, über die am nächsten Tag in den Medien groß berichtet wurde?

Ulrich Mühe: Das löst bei mir gar nichts aus! Ich finde es lächerlich, wenn die Zeitungen am nächsten Tag schreiben, „Hitler ist wieder da!“. Wir leben im Jahre 2006, seit 60 Jahren werden zu diesem Thema Filme gemacht und auch die Leute, die diese Zeit noch erlebt haben, wissen genau, dass das Kulisse ist.

Natürlich muss man respektieren, dass es Menschen gibt, die unsere Sprache nicht mehr sprechen wollen, obwohl sie sie einmal konnten. Oder dass Menschen, die das 12 Jahre dauernde 1000-jährige Reich erlebt haben, beim Anblick unserer Filmkulissen unangenehm berührt sind.

Dafür habe ich vollstes Verständnis, aber nicht für die vorsätzliche Hysterisierung des Lesers durch Journalisten.

Frage: Was war für Sie das Schwierigste und was war das Schönste an den Dreharbeiten?

Ulrich Mühe: Das Schwierigste war sicher, die richtige Balance zu finden, und sich nicht von den anderen Figuren verführen zu lassen, komödiantisch mithalten zu wollen. Auf der anderen Seite besteht bei diesem Thema die Gefahr, zu „menscheln“ und die Größe der Tragödie immer mittransportieren zu wollen. Unterschwellig muss es da sein, aber ohne dass man damit hausieren geht.

Und das Schönste war, mit einem so großartigen Ensemble zu arbeiten – mit wunderbaren Kollegen zu arbeiten ist immer schön! (DJFL)


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