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Interview mit Urs Egger: Die Halbstarken

Urs Egger, Regisseur des Films Die Halbstarken Frage: Die Halbstarken ist Ihre erste Produktion für Bernd Eichinger. Wie war die Zusammenarbeit? Urs Egger: Ich habe mich sehr gut bei der ...

Interview mit Urs Egger


Urs Egger, Regisseur des Films Die Halbstarken

Frage: Die Halbstarken ist Ihre erste Produktion für Bernd Eichinger. Wie war die Zusammenarbeit?

Urs Egger: Ich habe mich sehr gut bei der Constantin Film aufgehoben gefühlt. Mitunter arbeitet man ja nicht nur gegen die Zeit, sondern man muss auch den Film vor den Produzenten schützen. Das war hier nicht so. Im Vorfeld haben wir ausgiebig über das Projekt gesprochen, Bernd Eichinger hatte ja auch das Drehbuch geschrieben. Und als es dann ans Drehen ging, hatten wir die volle Unterstützung der Produktion. Eichinger schaute sich in Los Angeles alle paar Tage die Muster an und schickte begeisterte Faxe. Was will man mehr?

Frage: Konnten Sie sich einen Film aus der German Classics-Reihe aussuchen?

Urs Egger: Es war ganz witzig: Bernd Eichinger sprach mit mir zuerst über eine eventuelle Regie bei Es geschah am hellichten Tag, Nico Hoffmann sollte Die Halbstarken machen. Ich mag Dürrenmatt, von dem der Stoff ursprünglich geschrieben wurde, sehr, habe ihn auch mal kennengelernt. Ich habe mir dann den Film mit Gert Fröbe und Heinz Rühmann angesehen und war ganz befangen. Als ich sechs Wochen später aus den USA zurückkehrte, hatte sich Nico Hoffmann entschieden "Es geschah ..." zu inszenieren, und man bot mir Die Halbstarken an. Mir gefiel das Drehbuch sehr, es hat eine moderne, schnelle Erzählweise und ich fand sogleich einen ganz unbelasteten Zugang dazu.

Frage: Wie hat Ihnen die alte Verfilmung gefallen?

Urs Egger: Mir gefielen die Grundgeschichte, Horst Buchholz und Karin Baal; der Film selber ist recht betulich und verströmt etwas den 50er Jahre Mief. So ist zum Beispiel am Anfang eine Schrifttafel eingeblendet, die uns mitteilt, dass es sich bei den Die Halbstarken nur um einen verschwindend kleinen Teil der deutschen Jugend handelt, und der Film als Warnung dienen soll. Ziemlich moralinsauer.

Frage: dass heißt, Sie haben sich überhaupt nicht an dem alten Film orientiert?

Urs Egger: Richtig, warum soll ich eine alte Geschichte nochmal aufwärmen? Für mich war wichtig, dass die Halbstarken nicht nur ein Phänomen der 50er sind. In erster Linie stand für mich diese Gruppe junger Leute im Vordergrund, wie sie zusammenhält, wie sie auseinanderbricht, und die Umstände, wie sie am Ende in die Katastrophe läuft.

Frage: Man hätte den Film also auch in die heutige Zeit verlegen können?

Urs Egger: Aber dann wäre die Ikonographie der 50er Jahre völlig verlorengegangen, und die wollten wir sehr gerne behalten. Diese Mythologisierung der damaligen Zeit - James Dean, Marlon Brando, der Glaube ans Atom, das Wirtschaftswunder. Der entscheidende Unterschied zu einem reinen Remake ist jedoch, dass der Film radikal aus Freddys Perspektive erzählt wird - mittels Voice-Over. Der Film endet 1996 mit dem 60jährigen Freddy, der sich an seine Jugend erinnert.

Frage: Stand die Besetzung der Rollen von Anfang an fest?

Urs Egger: Die einzigen, die feststanden, waren Til Schweiger und Sandra Speichert. Da ich ja mit Til schon gearbeitet habe, wußte ich, dass wir beide gut miteinander können. Alle anderen Rollen habe ich dann besetzt. Es war wichtig, eine homogene Truppe zu finden - und da haben wir, denke ich, ein glückliches Händchen gehabt. Die Jungs haben auch am Abend nach Drehschluß noch zusammengeklüngelt.

Frage: Was hat Sie am meisten gereizt, den Stoff zu verfilmen?

Urs Egger: Es ist das Thema der Jugend. Es ist dieser Lebenshunger und gleichzeitig die Unfertigkeit der jungen Leute - das hat mich berührt.

Frage: Wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet, sprich, den Zeitgeist der damaligen Zeit für sich eingefangen?

Urs Egger: Ich habe vor allem Fotobücher angeschaut, und natürlich Filme aus jener Zeit gesehen. Allerdings wollte ich die 50er nicht zu plakativ aufzeigen, dass heißt, nicht nur schicke Cadillacs auffahren lassen. Man muss bedenken, dass in den 50ern nicht plötzlich alles neu war, sondern viel aus den 40ern stammte. Gerade Autos, Klamotten usw. Oft werden Regisseure bei historischen Filmen zu Ausstattern, und das wollte ich vermeiden.

Frage: Zur Figur der Sissy fällt einem spontan das Sprichwort "Und ewig lockt das Weib" ein. Wie würden Sie die Rolle beschreiben?

Urs Egger: Spannend an der Figur ist, dass sie zwar die treibende Kraft ist, aber gleichzeitig immer eine Vorahnung hat, dass alles schiefgehen wird. Einerseits bestärkt sie Freddy in seinem kriminellen Handeln, andererseits hat sie riesige Angst davor. Aber gerade diese beiden Seiten machen die Figur so interessant und lebendig. Im Grunde genommen ist sie fast eine Nummer zu groß für Freddy.

Frage: Mit welchen Emotionen entlassen Sie den Zuschauer nach zwei Stunden?

Urs Egger: Das Ende handelt von Verlust. Verlust einer Liebe, Verlust der Jugend, Verlust der Träume. Ein eher trauriges Ende also. Der Zuschauer wird die Protagonisten nicht heroisieren, aber ein Stück weit verstehen.

Frage: Arbeiten Sie auch noch in Ihrer Schweizer Heimat?

Urs Egger: Leider schon länger nicht mehr. Es ist sehr schwierig geworden, in der Schweiz Filme zu finanzieren.

Frage: Der deutsche Film kämpfte jahrelang um Anerkennung. Haben Sie das Gefühl, es tut sich jetzt doch einiges hier?

Urs Egger: Absolut. Es ist ein Generationswechsel da. Viele junge Leute, vor oder auch hinter der Kamera, kommen jetzt zum Zug. Sönke Wortmann hat zu Recht gesagt: "Warum schimpft man über den Erfolg von Komödien, es ist doch toll, dass der deutsche Film überhaupt mal wieder Erfolg hat." Jetzt geht es wohl darum, auch mit anderen Genres ein Publikum zu finden. (DJFL)


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