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Interview mit Zoltan Spirandelli: Vaya Con Dios

"Am Theater fasziniert mich die Wechselwirkung zwischen Bühne und Publikum." Ein Gespräch mit dem Regisseur Zoltan Spirandelli über seinen Film Vaya Con Dios. Frage: Hast du eine besondere ...

Interview mit Zoltan Spirandelli


"Am Theater fasziniert mich die Wechselwirkung zwischen Bühne und Publikum."

Ein Gespräch mit dem Regisseur Zoltan Spirandelli über seinen Film Vaya Con Dios.

Frage: Hast du eine besondere Beziehung zu dieser Musik?

Zoltan Spirandelli: Vor ca. zehn Jahren habe ich eine Schallplatte mit Musik von Josquin Desprez für 3,90 DM vom Grabbeltisch bei 2001 gefischt. Die Motette "Tu solus" hat mich damals so überwältigt, dass ich anfing, darüber nachzudenken, wie ich die Schönheit dieser Musik zum Bestandteil einer Filmhandlung machen könnte. Die Geschichte über drei Mönche, die allein für die Musik leben, ergab sich dann von ganz alleine.

Frage: Was verbindet dich mit diesen Mönchen?

Zoltan Spirandelli: Die Geschichte reflektiert in gewisser Weise auch meine eigene kulturelle Menschwerdung. Ich bin in Kronberg im Taunus aufgewachsen und mitten in den Krisen der Pubertät von Helmut Melzer, dem Kantor der Johanniskirche, zur Mitwirkung im Kirchenchor überredet worden. Die Begegnung mit den Werken von Schütz, Bach und Händel ist damals bei mir auf sehr fruchtbaren Boden gefallen.

Frage: Du hast zunächst Opernregie studiert, kennst also aus eigener Erfahrung die unmittelbare Wirkung von Musik und Theater.

Zoltan Spirandelli: Was mich am Theater immer besonders fasziniert hat, waren die Wechselwirkungen zwischen Bühne und Publikum. Aus dem gleichen Grunde liegt mir auch das Kino so viel mehr am Herzen, als das Fernsehen (das allerdings aus meiner Arbeit nicht mehr wegzudenken ist). In der Tatsache, dass sich ein Publikum in einem Kino- oder Theatersaal versammelt und im Zuschauen eine gemeinsame kulturelle Handlung vollzieht, liegt eine ungeheure Kraft. Deshalb habe ich seinerzeit meine Kurzfilme so konzipiert, dass sie überhaupt nur im Kino darstellbar sind und mit dem Kinoraum arbeiten.

In Vaya Con Dios findet sich dieser Ansatz z. B. in der großen Kirchenszene wieder, wenn Arbo und Tassilo mit Chiaras Hilfe ihren verlorenen Bruder zurückerobern. In dieser Szene wird das Kino zur Kirche, und der Kinozuschauer wird zum Teil der Gemeinde. Deshalb läuft diese Szene praktisch in Echtzeit ab, denn von dem Moment an, wenn Tassilo die Kirche betritt, gibt es keine Zeitsprünge mehr, bis die drei Helden gemeinsam die Kirche verlassen. Das wird noch unterstützt, durch die digitale Dolby-Mischung, die es möglich gemacht hat, die akustischen Verhältnisse der Kirche im Kino zu rekonstruieren. Der Film nimmt nur noch Wechsel der Perspektive vor, ohne Raum und Zeit aufzubrechen.

Frage: Du bist nun 43 Drehtage lang mit drei "Mönchen" und einer abenteuerlustigen Frau übers Land gezogen. Das war sicher eine ganz neue Erfahrung und Herausforderung. Wie bringt man so unterschiedliche Schauspielerpersönlichkeiten wie Gwisdek, Brenner, Daniel Brühl oder Buhre in einen "Gleichklang"?

Zoltan Spirandelli: Da hat die Musik viel geleistet. Dadurch, dass ich mit den Schauspielern schon vor Drehbeginn ausführliche musikalische Proben veranstaltet habe, um die Synchronisation der nicht ganz einfachen musikalischen Szenen zu üben, sind wir alle ein Stück weit Cantorianer geworden. Dieser Effekt hat sich im Laufe der Drehzeit so weit verstärkt, dass die drei Helden bei der Abschiedsszene in Italien wirklich echte Tränen geweint haben.

Im Übrigen bezieht die Geschichte natürlich ihre Spannung genau und gerade aus der Gegensätzlichkeit der verschiedenen Charaktere, die von der ausgeprägten Individualität ihrer Darsteller wunderbar getragen werden. Michael Gwisdek, als durch und durch weltlicher Mensch, mit proletarischen Wurzeln, großer DDR-Tradition, ohne musikalische Vorbildung und unbeleckt von jeglichen religiösen Anwandlungen, war vermutlich derjenige, der den weitesten Weg zurücklegen musste, um von seiner privaten Befindlichkeit zum Cantorianertum zu gelangen. Aber er ist eben ein Vollblutschauspieler, und es war geradezu atemberaubend zu beobachten, wie er sich in die Rolle gestürzt hat.

Frage: Und wie bringt man einem Darsteller, der einen jungen Mönch spielt, der noch nie einer Frau leibhaftig begegnet ist, nahe, die eigene Lebenserfahrung, die eigentlich wichtig ist für sein "Handwerk", zu vergessen?

Zoltan Spirandelli: Das war am Anfang gar nicht so einfach. Daniel Brühl war gerade in so einem Alter, wo junge Männer eher zu exzessiver Ausstellung ihrer Männlichkeit neigen. Dazu kommt bei ihm noch so ein bisschen spanischer Machismo, den er von zu Hause mitbringt. Das hat dazu geführt, dass ich mit ihm anfangs z. B. hart an seinem Gang arbeiten musste, der immer etwas nach "Django betritt den Saloon" aussah. Andererseits ist Daniel Brühl ein außerordentlich begabter Schauspieler und dadurch hat sein permanenter Kampf zwischen Mönch und Macho der Figur viel Spannung gegeben. Im Verlauf des Drehs ist aber auch er immer mehr zum Cantorianer geworden, so dass er sich schließlich oft selber korrigiert hat mit Worten: "Das war noch nicht cantorianisch."

Frage: Eigentlich würde man am Schluss des Films erwarten, dass Chiara vor der Klosterpforte auf Arbo wartet.

Zoltan Spirandelli: Das habe ich ursprünglich auch so gesehen, aber im Laufe der Dreharbeiten sind alle Beteiligten zu der Überzeugung gekommen, dass es das nicht sein kann. Der Film erzählt ja nicht in erster Linie die Liebesgeschichte von Arbo und Chiara, sondern die Geschichte eines Jungen, der erwachsen wird und seine ersten Schritte in die Welt hinaus tut. Ich hätte das zutiefst deprimierend gefunden, wenn er aus der Abgeschlossenheit des Klosterlebens übergangslos in die Abgeschlossenheit einer Zweierbeziehung hinübergewechselt wäre. Arbos Liebe zu seinen Brüdern und zu Chiara ist tief und fest, aber sein freier Schritt in eine ungewisse Welt ist für mich das wirkliche Happy End. (DJFL)


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