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  Der Krieger und die Kaiserin
Sissi kennt nur die Welt in der sie arbeitet: die Psychatrie.
Der arbeitslose Ex-Soldat Bodo hat den Kontakt zur Welt verloren. Ein Unfall schweißt die vermeindlich Inkompatiblen für einen Moment zusammen...

 
 
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  Tom Tykwer
Die Sicht der Dinge

Christian Schmidtchen stammt aus Hamburg und arbeitet in seiner Freizeit an www.DigitalVD.de mit. Zu seinen Rezensionen versorgt er unser DVD-Portal mit Kolumnen und seinem gesamten Wissen.
 Christian Schmidtchen
 
Schon sehr lange interessiere ich mich für Filme, deren Interpretationen und Inspiration. Doch eine ebenso lange Zeit hatte ich nicht viel übrig für den deutschen Film. Ich hatte das Gefühl, dass Deutschland es nicht versteht, abwechslungsreiche Handlungsstränge zu kreieren. Schauspieler wiederholen sich in jedem Film und richtig gute Künstler sind rar. Irgendwann geschah dann ein Ruck in der Zunft des deutschen Films: Tom Tykwer mischte sich ein.

Er machte irgendetwas anders als alle anderen. Er hob sich ab und war sehr eigenwillig in seinen Kreationen.
Ich glaube das erste Mal wurde ich wirklich aufmerksam, als Franka Potente mit feuerroten Haaren als Lola über den Bildschirm rannte…
Tom Tykwer – ein Mann, der Dinge anders sieht als andere!

Der gute Mann wurde im Mai 1965 in Wuppertal geboren und kam früh mit dem Film in Berührung, denn er jobbte in Kinos und konnte sich hemmungslos alle möglichen Streifen für lau anschauen. 1984 macht Tom sein Abitur und holt alles raus; sein Schnitt lag bei 3,6… Warum denn auch die irgendwelche Kurven und intransitiven Vakuen im öden Physikunterricht lernen, wenn das Leben selbst der beste Lehrstoff ist, dachte sich wohl der stets dunkel gekleidete Tykwer.

Während seines Zivildienstes arbeitete er erneut im Kino in Berlin und knüpfte hier erste Kontakte zum späteren Stamm der X-Film Crew.
Die Jahre ziehen ins Land und der fleißige Tom macht sich an seine ersten Filme und beginnt mit einem Kurzfilm namens „Because“. Sein Regiedebut „Die tödliche Maria“ folgt auf dem Fuße.
1994 gründen der Produzent Stefan Arndt und Tom Tykwer die Produktionsfirma X-Filme Creative Pool.
Ein Grundstein für phantastische Produktions- und Regiearbeit wurde hiermit geboren.

Toms zweite Regiearbeit hatte es dann schon wirklich in sich; „Winterschläfer“ kam in die Kinos. Hierbei wird deutlich, worum es sich hauptsächlich bei Toms Arbeiten dreht: Schicksale und Geschichten der Menschlichkeit. Er arbeitet bei diesem Film auch stark an dem Zusammenwirken zwischen Natur und menschlicher Emotion, was sich später noch einmal in „Heaven“ wiederholen wird.

1998 werden Tom Tykwer und seine Lieblingsschauspielerin Franka Potente ein Paar, und ein Jahr später wird „Lola rennt“ in Deutschland veröffentlicht. Wir lernen hier einen anderen Tykwer kennen, der ein farbenprächtiges, teilweise an einen Werbefilm erinnerndes Märchen entwickelte. Sehr innovativ und experimentierfreudig öffnete uns Tykwer bei „Lola rennt“ eine Tür voller skurriler Ideen und wilder Kameraführung.
„Endlich mal etwas anderes“, dachte ich mir nach „Lola rennt“, der kurze Zeit später äußerst erfolgreich seinen Siegeszug in den USA fortsetzte.
Acht Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis und Beachtung in Hollywood kann Tykwer also nach „Lola rennt“ vorweisen.
Im Jahre 2000 kommt dann das Kunstwerk „Der Krieger und die Kaiserin“ in unsere Kinos. Ich mache hier einen Schnitt und schließe die biographische Schreibweise ab und konzentriere mich auf zwei seiner größten Werke.

„Der Krieger und die Kaiserin“, sowie „Heaven“ sind nicht nur Filme, die man schaut und danach wieder vergisst, denn sie bieten weitaus mehr für den Fan des intellektuellen Kinos. Manchmal frage ich mich, ob ich die beiden Filme überhaupt verstanden habe? Klar ist jedoch, dass es sehr viele Interpretationsansätze gibt, und das ist schon eine Kunst für sich. Schlüsselszene des Films „Der Krieger und die Kaiserin“ ist eine „Liebesszene“. Diese Szene ist nicht alltäglich, sondern Tom Tykwer-like: Benno Führmann begegnet Franka Potente unter einem Lastwagen und führt einen Luftröhrenschnitt durch. Dieser Prozess bringt zwei Menschen weitaus näher zueinander als irgendein Hollywood Tete-a-Tete. Tykwer mag es schicksalhaft und bedeutungsschwanger. Daß beide Figuren eine schwierige Vergangenheit haben und nicht so richtig in unsere Welt passen, macht die Geschichte noch schicksalhafter und auf eine gewisse Weise mystisch.
Das Szenario beginnt in einer Irrenanstalt, und Tykwer stellt diese Anstalt bewusst in ein helles, grelles Licht, um zu zeigen, dass die Dunkelheit in den Köpfen der Insassen auch Hoffnung birgt und eine Nervenklinik kein dunkles Loch ohne Perspektive ist. Menschen leben in ihrer Welt, sie mögen ihre Welt und ihr Leben ist lebenswert. Siss, gespielt von Franka Potente, die als Pflegerin in dieser Anstalt lebt, wirkt hierbei quasi als Bindeglied zwischen zwei Welten.
Phantastisch spielen Führmann und Potente ihre Rollen der gestörten Persönlichkeiten, die schicksalhaft zueinander finden.
Tykwer rundete die Inszenierung durch innovative Perspektiven und Kameraführung sowie einem unglaublichen Soundtrack ab.
Minimalistisch und geheimnisvoll, aber voller Details ist Tykwers Regiearbeit bei dieser Novelle.

Betrachtet man sein jüngstes Werk „Heaven“ so sind erneut Parallelen zu seinen älteren Werken zu entdecken.
Schicksal, Minimalismus und Ruhe!
Heaven, der nach dem letzten Drehbuch des 1996 verstorbenen polnischen Regisseur Krzysztof Kieslowski und dessen Co-Autor Krzysztof Piesiewicz entstand, wurde in Deutschland und Italien in englischer und italienischer Sprache gedreht.

Der Film beginnt wie ein Thriller oder ein Kriminalfilm und endet in purer Poetik.
Der Film wurde vom Meister bewusst in zwei Teile geteilt. Die beiden Protagonisten lernen sich kennen und fliehen später in die Toskana, die so liebevoll und wunderbar von Tykwer gefilmt wurde. Etwas irritierend aber zum Plot passend ist die eisige Stille, die den Film kennzeichnet. Die tragische Figur gespielt von Cate Blanchett sitzt am Verhörtisch und bricht in Tränen aus als sie hört, dass sie 4 unschuldige Menschen auf dem Gewissen hat. Kaum eine filmische Szene ist intensiver als dieser Nervenzusammenbruch einer gebrochenen Frau. Ohne musikalische Untermahlung, auf menschliche Emotion reduzierte Optik, wird der Zuschauer mit einer in Ohnmacht endender Situation konfrontiert. Später zeigt Tykwer, wie gut er Landschaften filmen kann und diese in Harmonie mit der Geschichte verknüpfen kann.
Tom Tykwer liebt es, schwierige Persönlichkeiten auf ihrem Lebensabschnitt zu begleiten; Er liebt es, das Publikum langsam und behutsam in eine Richtung zu bringen – in seine Sichtweise der Dinge.


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