Sie befinden sich hier: Home - Kolumne
Werbung
Abonnieren Sie unseren DVD-Newsletter:
 
Klicken Sie auf das Cover!
  Dead Man Walking
in Brief von einem Todgeweihten. Für Schwester Helen Prejean ein Hilferuf und
gleichzeitig die Eintrittskarte in eine Welt voller Grauen und Furcht. Sie, die Wohlbehütete, soll ihn, Matthew Poncelet, den Mörder und Vergewaltiger bis zur Vollstreckung des Todesurteils betreuen.

 
 
Leider sind noch keine weiteren Beiträge in dieser Kolumne vorhanden!
 
 Suchtext:
 

 
 
 Carsten Scheibe
 Christian Schmidtchen
 Gordon Hoelsken
 Tino Hahn
 
  Ethan & Joel Coen
Die Definition von Skurril

Tino Hahn schreibt regelmäßig für www.DigitalVD.de und erfreut uns sowohl mit Rezensionen, Buchbesprechungen und weiteren Inhalten.
 Tino Hahn
 
Ethan und Joel Coen können nunmehr auf insgesamt acht Filme zurückblicken, die sie jeder Stück für Stück dem Filmolymp näher brachten, wo sie ihren wohlverdienten Platz eingenommen haben. Ihre Filme handeln von skurrilen Charakteren, die vielschichtig und mit viel Liebe, manchmal auch Ironie, gezeichnet werden und von einem eingespielten Team zum Leben erweckt werden. Was wären Filme wie „Fargo“, „Barton Fink“, „The Big Lebowski“ oder „O Brother, Where Art Thou?“ ohne Steve Buscemi, John Turturro oder John Goodman? Dazu gesellt sich ein Team, dass seit mehreren Jahren gemeinsam Filme macht: Seit ihrem ersten Film „Blood Simple“ im Jahr 1984 vertrauen sie auf den Komponisten Carter Burwell, dessen Score zu „Blood Simple“ seine erste Filmarbeit war. Es folgten Dutzende Soundtracks (u.a. zu „Being John Malkovich“, „Rob Roy“, Fletcher’s Visionen) und Carter Burwell zählt heute zu den renommiertesten Komponisten Hollywoods, denen es gelingt, Filmen einen unverwechselbaren Klang zu geben.

Aber Carter Burwell ist nur einer von wenigen, die der Talentschmiede Coen entstiegen sind: Ihre ersten drei Filme verwirklichten sie mit Kameramann Barry Sonnenfeld, der sich inzwischen als Regisseur einen Namen gemacht hat („Men in Black“, „Schnappt Shorty!“ „Addam’s Family“ uva.). Und auch für Steve Buscemi und John Turturro waren die Coen-Filme die erste Gelegenheit, einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Steve Buscemi, der sich vor zwei Jahren als H&M-Model prostituiert hat, lieferte mit „Trees Lounge“ ein beachtliches Regiedebüt ab, und genau das gleiche gelang John Turturro mit „Mac“. Frances McDormand, die für ihre Rolle in „Fargo“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ist inzwischen mit Joel Coen verheiratet. Mit Roger Deakins wurde Barry Sonnenfeld als Kameramann bei „Barton Fink“ abgelöst. Deakins hat unter anderem mit Martin Scorsese („Kundun“) zusammengearbeitet und war verantwortlich für die wunderbaren Bilder von „Die Verurteilten“ und „Dead Man Walking“.

Zusammen mit dem ungeheuren Ideen-Reichtum der Coens entstanden so Filme, die von Cineasten weltweit geschätzt werden, während sie vom „normalen“ Publikum weitgehend ignoriert wurden. Ihre Filme sind außerdem in Europa weitaus erfolgreicher als in den USA, was sich zuletzt darin zeigte, dass sowohl der Director’s Cut von „Blood Simple“ als auch „O Brother, Where Art Thou?“ in Europa früher starteten als in den USA. Diese Abneigung lässt sich am ehesten durch den Humor der Coen-Filme erklären, der oftmals grob und skurril, aber dennoch intelligent und subtil ist. Auch ihr Spiel mit den verschiedenen Genres, besonders dem „film noir“ ist eher für ein eingeweihtes Publikum verständlich, denn ohne Kenntnisse der Filmgeschichte bzw. der verschiedenen Filmgenres verlieren viele der Coen-Filme ihren Reiz. Ihre Filme sind Werke voller Detailverliebtheit, die sich oftmals über mehrere Filme hinweg zieht: Schon im 1985 gedrehten „Crimewave“, zu dem Ethan & Joel Coen das Drehbuch verfassten, gibt es ein „Hudsucker State Penitentiary“. In „Arizona Junior“ arbeitet Nicolas Cage bei „Hudsucker“, und im 1994 gedrehten „Hudsucker“ lernen wir ihn schließlich wirklich kennen.

Diese Details sind ein wesentliches Indiz für die Arbeit von Ethan & Joel Coen. Ihre erste Filmarbeit unter der Regie von Sam Raimi („Crimewave“) kann man am besten als 80-minütigen Insider-Witz voller Albernheiten und Anspielungen auf die eigenen Sehgewohnheiten beschrieben werden. Während Orson Welles lediglich den Schlitten als Symbol der Kindheit eingesetzt hat, so ist bei „Crimewave“ fast der gesamte Film ein Spiel mit „Rosebud“, mit den Erinnerungen an eine cineastische Kindheit, die niemals in Vergessenheit geraten ist. Es fällt ziemlich schwer, „Crimewave“ adäquat zu beschreiben, da sich die Kritiken zu dem Film im Laufe der Jahre von totaler Ablehnung zu kultischer Verehrung hin gewandelt haben: Je bekannter Joel & Ethan Coen wurden, desto mehr beschäftigten sich Filmkritiker mit ihren früheren Werken und als dann auch noch Sam Raimi der Sprung vom Horrorfilm-Regisseur zum ambitionierten Independent-Regisseur gelang, war für fast alle Kritiker klar, dass schon immer Genies am Werke waren. In den Büchern und Artikeln, die ich über Joel & Ethan Coen und Sam Raimi gelesen habe, herrschte immer die Ansicht, dass man ihre Handschrift stets erkennen konnte, eine Ansicht, die ich nicht vollständig teile. Für mich ist „Crimewave“ vielmehr eine kreative Spielwiese für alle Beteiligten gewesen, auf der ohne Rücksicht auf Verluste mit sämtlichen filmischen Mitteln experimentiert wurde. Einige Jahre später schrieb Sam Raimi dann das Drehbuch zu „Die total beknackte Nuss“, welcher die konsequente Weiterführung von „Crimewave“ ist, allerdings musste „Die total beknackte Nuss“ unter einem untertalentierten Regisseur leiden. Nach dieser ersten Fingerübung war es an der Zeit, selbst Regie zu führen: Bei der Entstehung von „Blood Simple“ und ihren folgenden Filmen waren die Rollen stets strikt verteilt: Ethan fungiert als Produzent, während Joel Regie führt. Diese Trennung dürfte allerdings nur für die Nennung im Abspann sinnvoll sein, denn in Wirklichkeit lassen sich die Einflüsse beider auf den Film nicht trennen. Beide feuern ein wahres Feuerwerk an Ideen auf den anderen ab, der sie mit seinen eigenen Ideen verfeinert und erweitert, bis sie schließlich im Film verwendet werden. Ihre Ideen beziehen sie aus allem: Filmen, aktuellen Geschehnissen, Büchern, Gesprächen und Musik. Aus diesen Gründen ist klar, warum die Coens die Drehbücher zu ihren Filmen stets selbst und gemeinsam schreiben. Diese Neugierde auf alles wurde durch ihre Eltern gefördert: Der Vater war Wirtschaftskunde-Professor, ihre Mutter lehrte Kunstgeschichte. Diesen familiären Hintergrund will ich jetzt nicht glorifizieren, aber es dürfte klar sein, dass ein akademisches Elternhaus ein starkes Interesse daran entwickelt, dass ihre Kinder ebenfalls ein hohes Bildungs-Niveau erreichen.

Ihre Filme sind eine wahre Fundgrube voller filmischer Schätze, deren Reichtümer sich erst bei einer näheren Betrachtung offenbaren:

Blood Simple

Der Titel von Blood Simple stammt von Dashiel Hammett („Red Harvest“), einem der Großmeister der „Schwarzen Serie“. Hammett verfasste unter anderem „Der Malteser Falke“, ein Buch, das 1941 von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmt wurde und für beide die Initialzündung für ihren langanhaltenden Ruhm waren. „Die Spur des Falken“ ging in die Filmgeschichte ein und wurde ein Klassiker der „Schwarzen Serie“, und 43 Jahre später gelang „Blood Simple“ das selbe. „Blood Simple“ hält sich genau an die Spielregeln des „film noir“, untergräbt sie aber stellenweise mit dem subtilen Humor, der in späteren Coen-Filmen perfektioniert wird. Schon am Beginn werden wir in die typisch pessimistische „film noir“-Stimmung hineingezogen, und wenn mit dem Vorspann auf der Leinwand ein Regenfall einsetzt, dann wissen wir, dass wir unseren Optimismus für die nächsten 99 Minuten vergessen dürfen. Dazu trägt auch die obligatorische Stimme aus dem Off ihren Teil bei, die uns eindringlich klar macht „dass Texas nicht Russland ist, wo jeder für jeden verantwortlich ist. Hier ist niemand für nichts verantwortlich, außer für sich selbst.“ Auch der Plot ist eigentlich einfach strukturiert, aber nach einigen Minuten der Einführung offenbart sich die ganze Tiefe: Nichts ist so, wie es scheint, und Intrigen scheinen jedermanns Lieblingshobby zu sein:

Am Anfang fährt ein Auto durch eine verregnete, texanische Nacht. Im Wagen sitzen Abby, die Frau des Barbesitzers Julian Marty und der Kellner Ray. Während der Fahrt begegnen sie einem blauen VW-Käfer, ein Ereignis, dass normalerweise scheinbar belanglos ist, aber schon durch die Art der Inszenierung wissen wir, dass wir das Fahrzeug nicht zum letzten Mal gesehen haben... Der Fahrer des Fahrzeugs ist der Detektiv, dessen Auftreten dadurch schon mit der Gemächlichkeit eines schlafenden Krokodils angekündigt wird. Als er wenig später das erste Mal physisch präsent wird, hat er einen Umschlag mit Bildern bei sich, die den Ehebruch von Abby mit Ray unwiderlegbar dokumentieren. Und das bildet den Startschuss für eine Handlung, in der gemordet wird, um andere Morde zu vertuschen und die fast nur auf Irrtümer und Irritationen aufgebaut ist: Der Detektiv wird von Marty abgewiesen, der sich aber vollkommen darüber im Klaren ist, dass er den Auftrag bekommen wird. Als Marty seine Frau bei Ray überrascht, will er sie mit Gewalt zu sich zurückholen und zerrt sie nach draußen. Dort versucht sie vergeblich an ihre Waffe zu kommen, kann sich aber befreien, nachdem sie ihm in den Unterleib tritt. Und für einige Momente sehen wir das Geschehen (Marty kotzt) durch die Augen eines Schäferhundes, den Marty mitgebracht hat. Diese Art der Einstellung ist typisch für die Arbeit der Coens, die immer wieder die Kameraposition wechseln und Blickwinkel einnehmen, die auf den ersten Blick verwirren, aber die Atmosphäre wirkungsvoll unterstützen. Nachdem Marty sich ausgekotzt hat, trifft er sich mit dem Detektiv und gibt ihm den Auftrag, die beiden zu ermorden. Aber da tappt Marty schon in die erste Intrige: Der Detektiv hat die Fotos der beiden, so manipuliert, dass es den Anschein hat, er habe sie erschossen. Diese Fotos sind für Marty offenbar als Beweis vollkommen ausreichend und er bezahlt den Detektiv für seine Tat. Danach muss Marty sich wieder übergeben und zieht sich auf die Toilette zurück. Dort erschießt ihn der Detektiv mit Abbys Pistole. Während der Tat surrt der Ventilator an der Decke überlaut, ein weiteres Merkmal der Coenschen Werke: Immer wieder wird die Szenerie durch überlaute Geräusche untermalt und dadurch glaubwürdig surreal und skurril geprägt. Danach betritt Ray die Bar und entdeckt die Leiche von Marty und die Waffe von Abby. Da er Abby für die Mörderin hält, versucht er, die Spuren der Tat zu verwischen und will Ray in der texanischen Wüste vergraben (während er die Spuren der Tat beseitigt, hat einer seiner Kollegen Sex im Nebenzimmer, was für Momente fast panischer Komik sorgt.)

Während der Fahrt entdeckt Ray, dass Marty doch nicht so tot ist, wie er gedacht hat. Was dann folgt, ist einer der längsten Morde der Filmgeschichte: Quälend langsam und von seiner eigenen Feigheit gehemmt traut Ray sich nicht, Marty mit dem Auto zu überfahren oder mit der Schaufel zu erschlagen und begräbt ihn schließlich bei lebendigem Leibe. In ihrer Intensität ist diese Mord-Sequenz am ehesten mit der Mord-Sequenz von Kiesloswkis „Ein kurzer Film über das Töten“ vergleichbar. Am Morgen danach ruft Ray bei Abby an und erzählt ihr, dass sie sich keine Sorgen mehr machen muss, da er sich um alles gekümmert hat. Selbstverständlich versteht Abby kein Wort von dem, was Ray erzählt und das Misstrauen zwischen den beiden erhält neue Nahrung. Diese Beschreibung gibt nur die ersten 60 Minuten wieder, reicht aber vollkommen aus (denn immerhin wollen wir denjenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, den Spaß nehmen...).

Machen wir uns jetzt ein paar Gedanken zu dem Film an sich: Was haben die Nebenrollen und Abzweigungen der Haupthandlung mit der Handlung zu tun? Sind sie notwendig oder lediglich ein Werkzeug zur Generierung der entsprechenden Atmosphäre? Wodurch wird die Motivation der einzelnen Charaktere erklärt? Wir erfahren nur, dass die meisten von ihnen Dreck am Stecken haben oder keine Probleme damit haben, Dreck dorthin zu bekommen. Die Motivation der einzelnen Charaktere bleibt dem Zuschauer überlassen, der gezwungen wird, sich sein eigenes Bild zu machen, sofern er nicht schon genug damit zu tun hat, dem Verlauf der Handlung zu folgen. Dem Film fehlt außerdem etwas sehr wichtiges: Personen, zu denen der Zuschauer echte Sympathie aufbauen kann: Weder Ray, Marty, Abby oder der Detektiv sind dazu geeignet. Natürlich schmunzeln wir über die Äußerungen und Handlungen des Detektivs, aber sympathisch ist er uns ganz und gar nicht. Dadurch, dass uns der Film keine Sympathiefigur anbietet, lässt er uns noch mehr Teil von sich werden, denn je weiter der Film seinem Finale entgegenschreitet, desto weniger wissen die Charaktere, was los ist. Und wenn dann gegen Ende dieses Unwissen darin kumuliert, dass Abby gar nicht weiß, wer sie ermorden will und wen sie schließlich ermordet, wissen wir, wie sie sich fühlen muss: Allein, ohne echten Ansprechpartner, verwirrt und dennoch gezwungen, sich zu entscheiden. Jeder hält jeden für einen Mörder, ist aber gleichsam ein Opfer, da die Morde allesamt durch das undurchschaubare Täter/Opfer-Netz ausgelöst werden. Am Ende bleibt nur das schale Gefühl, dass man schon am Anfang gewusst hat, dass alles so kommen musste. Man wusste nur noch nicht, wie das alles kommen würde. Und das ist das eigentlich spannende daran: Nicht das Ende interessiert wirklich, sondern dessen Entstehung. Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung hat das Storyboard, dass bei allen Coen-Filmen ein entscheidendes Arbeitsinstrument ist. Während es bei „Blood Simple“ unter anderem wegen Budgetproblemen eingesetzt wurde. Die Verwendung von Storyboards war ursprünglich eine Erfindung der Disney-Studios, aber die Coens verbringen teilweise mehrere Monate mit ihren Storyboards und planen minutiös selbst das kleinste Detail, deshalb entspricht ein Storyboard genau der Arbeitsweise der Coens, denn sie sind weniger Filmemacher, als vielmehr Künstler, die ihre Filme aus einer Vielzahl von Eindrücken und sich wiederholenden Elementen komponieren. Diesen wiederholenden Elementen wird ein entscheidender dramaturgischer Beitrag zuteil, wenn sie, wie bei den Coens, geschickt eingesetzt werden: Bei „Blood Simple“ z. B. symbolisiert ein Ventilator den kommenden bzw. eintretenden Tod und macht dadurch aus einem normalen Haushaltsgegenstand einen dramaturgischen Kniff, der den Zuschauer auf geschickte Weise in eine Erwartungshaltung versetzt. „Blood Simple“ wurde lange Zeit als ein Film über Gewalt gesehen, aber in Wirklichkeit ist es ein Film über Angst, ein Film, über Menschen, die in Panik geraten, weil ihre ohnehin zerrüttete Welt komplett aus den Fugen gerät und ihnen nur noch ein Ausweg bleibt. Unbedeutend ist dagegen der Auslöser der ganzen Geschichte, der wie ein schlechtes Klischee wirkt, aber im Verlauf der Handlung werden sämtliche Klischees, die der Film bis dahin von Personen und Handlungsort benutzt hat, bis auf den Kern seziert und was zurückbleibt, ist die schreckliche Gewissheit, dass die Wirklichkeit sich nicht hinter den Klischees versteckt, sondern mitten in ihnen sitzt und damit in jedem von uns...

Noch ein Wort zum Director’s Cut von „Blood Simple“: Ich kann ihn nicht wirklich empfehlen, aber auch nicht komplett ablehnen, denn es ist kein DC im herkömmlichen Sinne, wie es etwa bei „Blade Runner“ der Fall ist, sondern eher eine kosmetische Korrektur: Der Film wurde komplett überarbeitet, aber es fehlt schwer, festzustellen, was gestrafft und korrigiert wurde oder was gänzlich unbelassen blieb. Das Endergebnis, welches übrigens 4 Minuten kürzer ist, macht einen glatteren und geschliffeneren Eindruck und hat einen großen Teil des spröden, ruppigen Charme eingebüßt. Früher hätte man so was wohl eine Wiederaufführung genannt, aber Director’s Cut klingt cooler und vielversprechender und lockt mehr Leute ins Kino...

Filmdaten
Blood Simple – Eine mörderische Nacht
Originaltitel: Blood Simple
Alternativer Videotitel: Blood Simple – Blut für Blut
Erscheinungsjahr: 1984
FSK: 16 Jahre
Länge: 99 Min. (Director’s Cut: 95 Min)
US-Kinostart: 18.1.1985 (Director’s Cut: 2.6.2000)
Deutscher Kinostart: 26.9.1985 (Director’s Cut: 6.1.2000)
Deutscher Verleih: Metropolis (Director’s Cut: Real Fiction)
Produktion: River Road / Circle Films
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Barry Sonnenfeld
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Roderick Jaynes (Pseudonym von Joel & Ethan Coen), Don Wiegmann, Peggy Connolly
Darsteller: John Getz (Ray), Frances McDormand (Abby), M. Emmet Walsh (Privatdetektiv Visser), Dan Hedaya (Julian Marty), Deborah Neumann (Debra), Samm-Art Williams (Meurice), Holly Hunter (Stimme auf Anrufbeantworter)
Länge: 99 Min. (Director’s Cut: 95 Min)
US-Kinostart: 18.1.1985 (Director’s Cut: 2.6.2000)
Deutscher Kinostart: 26.9.1985 (Director’s Cut: 6.1.2000)
Deutscher Verleih: Metropolis (Director’s Cut: Real Fiction)

Infos und Wissenswertes: In Blood Simple hat Holly Hunter bereits ihren ersten Auftritt in einem Coen-Film, wenn auch nur als Stimme aus dem Off! In Arizona Junior und O Brother, where Art Thou? werden ihr tragendere Rollen zuteil ;-) Schaut euch mal die Start-Termine des Director’s Cut an: In Deutschland startete er fast ein halbes Jahr früher, was einiges über das Verhältnis der Amerikaner zu den Coen-Brüdern aussagt...

Korinthenkackerecke:

-In der Endszene wechseln die Einschusslöcher an der Wand ihre Position
-Als Privatdetektiv Visser durch die Tür angeschossen und am Bauch verletzt wird, befinden sich die Einschusslöcher im Kopf-Bereich der Tür.
-In der Eröffnungssequenz fahren Ray und Abby durch den Regen. Als sie plötzlich anhalten, um Loren’s Käfer vorbeizulassen, sieht man keinen Regen mehr.

Zitat (Ray): If you point a gun at someone, you'd better make sure you shoot him, and if you shoot him you'd better make sure he's dead, because if he isn't then he's gonna get up and try to kill you. (Sorry, aber das Zitat ist nur im Original wirklich gut…)

Arizona Junior
Der nächste Film der Coens ist eine schwarze Komödie, die slapstickartige Tendenzen aufweist, ein Sub-Genre, das sich im weiteren Verlauf als das favorisierte Genre von Ethan & Joel Coen herauskristallisieren wird. Dabei verlieren sie allerdings nie ihre Protagonisten aus dem Blick und geben sie niemals dem Spott, sondern höchstens liebevoller Ironie preis. Na gut, ein paar Szenen in ihren Filmen beweisen das Gegenteil des eben Gesagten, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel... Die Story von „Arizona Junior“ handelt von H.I. McDunnough, kurz genannt Hi, einem notorischen Berufskriminellen, und Edwina, dem genauen Gegenteil seiner Profession. Hi und Edwina lernen sich bei seinen berufsbedingten Aufenthalten im Staatsgefängnis kennen, in dem Edwina (kurz genannt Ed) als Justizvollzugsangestellte arbeitet. Die beiden heiraten schließlich und leben glücklich in einem Wohnwagen. Aber ihr Glück ist nur oberflächlich, denn zum wahren Glück fehlt Ed noch ein Baby. Allerdings ist sie unfruchtbar und so ergibt sich nur ein einziger Ausweg: Die Entführung eines Babys. Glücklicherweise ist die Frau des Möbelhändlers Nathan Arizona von der Natur mit Fünflingen reich beschenkt worden. Nach einigen Mühen gelingt es Hi schließlich, eins der Babys zu entführen, doch das neue Glück ist nur von kurzer Dauer: Hi’s Vergangenheit in Form seiner zwei Knastkumpanen und sein Unterbewusstsein in Gestalt des Kopfgeldjägers Leonard Smalls, der direkt aus „Mad Max“ entsprungen zu sein scheint. Als Gale und Evelle, seine beiden Knastkumpanen, das Baby entführen, um die Belohnung zu kassieren, überschlagen sich die Ereignisse...

„Arizona Junior“ ist einmal mehr ein Zauberkessel, in dem die verschiedensten Zutaten in Form der Genres vermischt wurden. Züge der Tragikomödie wechseln sich mit wilden Slapsticksequenzen und Action-Szenen ab, ohne sich selbst zu untergraben oder unglaubwürdig zu machen. Das ist eine weitere Eigenart der Coen-Filme: Sie sind nie realistisch, nie vollkommen logisch durchstruktiert, aber trotzdem (oder gerade deshalb) sind sie immer vollkommen glaubwürdig. Vor allen Dingen aber ist „Arizona Junior“ eine Satire auf die in den Achtziger Jahren vorherrschende Yuppie-Ideologie, die sich nicht zwischen Karriere oder Kindern entscheiden konnte. Aber auch Seitenhiebe auf Politik und sexuelle Freiheit werden von den Coens zu skurrilen Szenen erweitert, bevor die Schönheit der Konformität dargestellt werden: Ist es wirklich so schlimm, zu sein wie alle anderen? Hi stellt sich diese Frage auch, kann aber zu keinem Ergebnis kommen, denn seine Vergangenheit und die Herkunft des Babys würden Konformität niemals zulassen. Das ist ein weiterer Faden in den Filmen, der sich durch sämtliche Werke zieht: Die Privilegierten werden immer privilegierter, während die Loser immer tiefer abrutschen: In „Arizona Junior“ bleibt die Ehe von Hi und Ed kinderlos, da sie Loser sind, während der reiche Möbelhändler fünf Kinder bekommt. Allerdings finde ich es etwas weit hergeholt, darauf einen satirischen Angriff auf Kapitalismus zu sehen... „Arizona Junior“ entstand 1987, als das Genre des „Baby-Films“ zu voller Blüte gelangt war („Baby Boom“, „Kuck mal, wer da spricht“, „Drei Männer und ein Baby“), hat aber mit den genannten Filmen nichts gemeinsam. Themen scheinen den Coens ohnehin nicht besonders wichtig zu sein, wie auch Barry Sonnenfeld in einem Interview offenbarte: „Joel und Ethan können zu jedem Thema ein exzellentes Drehbuch abliefern, da Themen für sie unglaublich unbedeutend sind.“ Dass Themen wirklich unbedeutend sind, merkt an in Sequenzen, in denen aus banalen Dingen atemberaubende Entwicklungen folgen: Hi möchte eigentlich nur Windeln kaufen, aber was folgt, ist eine 10-minütige Verfolgungsjagd, die jedem Laurel & Hardy-Film zur Ehre gereicht hätte. Ein weiteres Motiv in den Filmen sind Traumsequenzen, die bei „Arizona Junior“ zum ersten Mal dramaturgisch eingesetzt werden. Zwar gab es bereits bei „Blood Simple“ eine Traumsequenz, diese diente allerdings primär als Verunsicherung und Schockeffekt. In „Arizona Junior“ wird durch die Träume Hi’s Unterbewusstsein zum Leben erweckt und jagt ihn in Form des Kopfgeldjägers Leonard Small, bis er ihn im realen Leben zur Strecke bringen kann. Gegen Ende des Films, als der Traum der geklauten Familie auf versöhnliche Weise gescheitert ist, träumt Hi einen ganz anderen Traum, und wir haben bereits durch die Erschaffung von Leonard Small gesehen, zu welchen Taten Hi’s Träume fähig sind... Dadurch, dass Hi der Erzähler der Geschichte ist, könnte auch die gesamte Geschichte nur ein Traum sein, denn nirgendwo wird ein Unterschied zwischen Traum und Realität manifestiert. Vielleicht ist alles nur ein Traum in einem Traum...? Dafür spricht auch, dass Leonard Smalls und Hi das gleiche Woody-Woodpecker-Tattoo tragen, als sie am Ende des Films aufeinander treffen und der Schöpfer seine Kreatur besiegt. In seiner relativen Brutalität erinnert der Showdown einmal mehr an die alten Slapstickfilme, aber trotzdem ist diese Mutmaßung etwas zu weit hergeholt, aber wer kann sich bei den Coens schon hundertprozentig sicher sein? Immerhin behalten sie sich auch die Freiheit vor, die Grenzen zwischen den Genres zu verwischen, warum sollten sie also vor den Grenzen zwischen Realität und Fiktion kapitulieren?

Filmdaten
Arizona Junior
Originaltitel: Raising Arizona
Erscheinungsjahr: 1987
FSK: 12 Jahre
Länge: 94 Minuten
US-Kinostart: März 1987
Deutscher Kinostart: 28.5.1987
Deutscher Verleih: 20th Century Fox
Einspielergebnis: 22,847 Millionen Dollar (USA)
Produktion: Circle Films
Produzent: Ethan Coen
Regie : Joel Coen
Drehbuch : Ethan Coen, Joel Coen
Kamera : Barry Sonnenfeld
Musik : Carter Burwell
Schnitt: Michael R. Miller
Darsteller: Nicolas Cage (H.I.), Holly Hunter (Ed), Trey Wilson (Nathan Arizona Senior), John Goodman (Gale), William Forsythe (Evelle), Sam McMurray (Glen), Frances McDormand (Dot), Randall “Tex” Cobb (Leonard Smalls), T.J. Kuhn Jr. (Nathan Junior)

Infos und Wissenswertes:
-John Goodman taucht zum ersten Mal in einem Coen-Film auf, eine Angewohnheit, der er in den nächsten Jahren noch öfter nachgehen wird (Natürlich nur, wenn ihn seine fette Frau „Roseanne“ aus dem Haus lässt ;-)
-Holly Hunter und Frances McDormand kennen sich seit ihrer Studienzeit in Yale
-Frances McDormand war bereits für ihre Rolle in „Mississippi Burning“ für den Oscar nominiert, bevor sie ihn für „Fargo“ erhielt

Korinthenkackerecke:
-Als Leonard Smalls die Straße herunterfährt, sieht man den Schatten der Kameramanns sowie des Fahrzeugs
-Der Vorhang des Wohnwagens mutiert im Laufe der Handlung zu einem anderen
-Der Ladenbesitzer feuert 5 Schüsse aus einer doppelläufigen Schrotflinte ab, ohne nachzuladen (Aber in welchem Film kommt ein solcher „Fehler“ eigentlich nicht vor ;-)
-In der letzten Szene mit Nathan Arizona Senior hebt er die Pistole nicht auf, hat sie aber beim Verlassen des Raums in der Hand. Als er dann das Licht ausschaltet, befindet sie sich auf einmal in der anderen Hand.

Miller’s Crossing

„Miller’s Crossing“ nimmt sich im filmischen Universum der Coens eine eher ungewohnte Rolle an: Keiner ihrer Filme war von der Kritik ungeliebter, teilweise sogar feindselig aufgenommen worden. Bekanntlich muss man aber auf Kritik wenig geben, und auch bei „Miller’s Crossing“ fährt man mit dieser Einstellung gut. Beindruckend wirkt bei „Miller’s Crossing“ als auch bei „Barton Fink“ der Eindruck, dass die Coens offenbar vom Publikum Intelligenz nicht erwarten, sondern sie als schlichtweg selbstverständlich voraussetzen. Was auf manche etwas snobistisch wirken mag, kann diejenigen, die sich Filme ansehen, weil sie wissen, was sie erwartet, lediglich begeistern.
„Miller’s Crossing“ erschien auf dem Höhepunkt der zweiten Welle des „Mafia-Films“ ( „Good Fellas“, „Der Pate 3“ , „The Untouchables“) und war dennoch nicht vergleichbar. Die Coens bezeichneten den Film selbst als „den mystischsten im aktuellen Gangsterfilmangebot“. Maßgeblich dafür verantwortlich ist ein Hut von Tom Reagan, dem Hauptprotagonisten. Dieser Hut, der ständig verloren zu gehen droht, symbolisiert die sich im Verschwinden befindliche Gangsteretikette. Das Hut-Motiv zieht sich durch den ganzen Film und wird zum Thema der zentralen Traumsequenz erhoben.

„Miller’s Crossing“ ist der erste Film der Coens, der entschieden um einen Platz unter den „Großen“ kämpft und der bis dahin teuerste. Dieser Umstand sollte „Miller’s Crossing“ das Genick brechen: Die Kritiker warfen dem Film beinahe unisono vor, dass er selbstverliebt ist und nur aus Zitaten besteht. Wer das Werk der Coens genauer beachtet hat, merkt jedoch, dass die Coens andere Filme nicht zitieren, sondern Geschehen in anderen Filmen als Anhaltspunkt benutzen, um daraus etwas viel größeres und besseres zu machen. Sie zitieren also nicht und klauen auch keine Ideen, sondern sie verbessern.

Auch in „Miller’s Crossing“ existieren surreale und skurrile Slapstickszenen, die genregetreu blutiger ausfielen als in ihren bisherigen Filmen: In einer der besten Szenen des Films zeigt sich, dass in dem Gangsterboß mit dem seidenen Morgenmantel noch der Straßenkämpfer von einst steckt. „Der Künstler mit der Thompson“ zeigt den Attentätern seines Konkurrenten Caspars, wie viele Kugeln in den Körper eines Menschen passen. Dieser beinah hysterische Ausbruch von Action steht im krassen Kontrast zum Rest des Films, der fast vollständig auf Dialogen aufgebaut ist.
Vorbild für „Miller’s Crossing“ scheinen die Romane von Daniel Hammett zu sein, aus dessen Erzählung „Red Harvest“ schon der Titel zu „Blood Simple“ entliehen wurde: Genau wie Hammetts Erzählungen zeigt „Miller’s Crossing“ die Tendenz, die Außenwelt beinahe vollkommen zu ignorieren. Anders als in „Good Fellas“ oder „The Untouchables“ gibt es keine normalen Menschen, sondern nur Kriminelle, Gangster, Polizisten oder Gangsterbräute. Leider bleiben viele Details von „Miller’s Crossing“ verborgen, wenn man keins der Bücher von Daniel Hammett gelesen hat, und ich bin selber leider auch nur in den „Genuß“ gekommen, die Reader’s-Digest Zusammenfassungen lesen zu dürfen. Einige Motivationen des „Helds“ der Geschichte bleiben so unscharf und müssen vom Zuschauer selbst interpretiert werden, und das Ergebnis dürfte nicht immer zufrieden stimmen.

Filmdaten
Erscheinungsjahr: 1989/1990
FSK: 18 (natürlich gibt es auch eine FSK 16-Fassung sic)
Länge: 115 Minuten
US-Kinostart: September 1990
Deutscher Kinostart: 14.2.1991
Deutscher Verleih: 20th Century Fox
Einspielergebnis: 5,08 Millionen Dollar (USA)
Produktion: Circle Releasing
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Barry Sonnenfeld
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Michael R. Miller
Darsteller: Gabriel Byrne (Tom Reagan), Marcia Gay Harden (Verna), John Turturro (Bernie Bernbaum), Jon Polito (Johnny Caspar), J.E. Freeman (Eddie Dane), Albert Finney (Leo), Mike Starr (Frankie) Al Mancini (Tic-Tac), Steve Buscemi (Mink), Sam Raimi, Frances McDormand

Infos und Wissenswertes: Frances McDormand hat nur einen sehr kurzen Auftritt und wird im Abspann nicht genannt. Sam Raimi’s Auftritt beschränkt sich auf ein paar sehr einprägsame Sekunden: Er erschießt einen Gangster, der sich ergeben will und wird wenig später erschossen... Außerdem steht Miller’s Crossing auf Platz 1 meiner persönlichen „Top Ten der Erschießungen mit einem Maschinengewehr“!

Korinthenkackerecke:
-Tom Reagan wirft ein Glas gegen einen Spiegel, der daraufhin in der oberen linken Ecke zerbricht. In einer weiteren Kameraeinstellung ist der Spiegel viel mehr zerstört.
-Am Ende der Eröffnungssequenz verändert die Zigarre auf mysteriöse Art und Weise ihre Position.

Zitat: „Wenn ich dich nie wiedersehen muss, dann ist das immer noch viel zu früh!“

Barton Fink

„Barton Fink“ ist der Name des Autors Barton Fink (cooler Satz, oder ;-) Und genau dieser Barton Fink hat es geschafft, dem Broadway einen neuen Heldentypus zu verkaufen: Den kleinen Mann von der Straße! Als der erste Applaus verklungen ist, wurde Barton Fink von seinem Agenten schon nach Hollywood verschachert. Doch die Auftragsarbeiten, mit denen er seine Kunst finanzieren soll, bringen Barton zu der Vermutung, dass sie ihn seine literarische Mission aus den Augen verlieren lassen.

Das Hotel, in dem Barton Fink in Los Angeles absteigt, entpuppt sich immer mehr als „Million Dollar Hotel“ mit dem entscheidenden Unterschied, dass Barton der einzige Bewohner ist, obwohl das Schlüsselbrett einen anderen Eindruck suggeriert. In der Rezeption betätigt Barton die Klingel, deren Echo sich scheinbar endlos in der Empfangshalle hält (und wieder spielen die Coens mit akustischen Eindrücken, die das Geschehen surreal und wirkungsvoll unterstreichen). Die grundlegende Atmosphäre von „Barton Fink“ mit kafkaesk zu beschreiben, ist zwar ziemlich einfach, aber effektiv. Darüber hinaus ist „Barton Fink“ ein interessantes Experiment mit Wahrheit und Lüge, Fiktion und Realität und die Kraft der Einbildung. Es ist schwierig, über „Barton Fink“ zu schreiben, ohne entscheidende Szenen aus dem Film besprechen zu müssen, deshalb sollten ab jetzt nur diejenigen weiterlesen, die den Film bereits gesehen haben:

Wenn mit der Entdeckung der toten Frau neben ihm die Wellen des Schreckens über Barton zusammenschlagen, dann merkt auch der Zuschauer, dass nichts so ist, wie es scheint.

Auch sein Hotelnachbar, der korpulente Handelsvertreter Charlie Meadows, der sich gegen Ende als der Serienkiller Karl Mundt entpuppen wird, stößt den Zuschauer vor den Kopf. John Goodman erfüllt diese Rolle mit einer unterschwellig diabolischen Präsenz, die wieder einmal daran erinnert, dass er ein beeindruckender Charakterdarsteller ist. In „Hudsucker“ hat er übrigens einen weiteren Auftritt als Karl Mundt, der allerdings als Nachrichtensprecher arbeitet. Oder ist das nur eine weitere Tarnung für den Serienkiller, der bei „Barton Fink“ entkommen kann? Wenn Barton sich dann am Ende in dem Bild wiederfindet, dass wie ein Fluchtpunkt für die Augen über seinem Schreibtisch hing, so scheint es, als ob der ganze Film so konzipiert wurde, um schließlich in dieser Szene münden zu können. Wunderschön und für mich nicht erklärbar, aber interpretierbar... Das ist für mich das Besondere an „Barton Fink“: Jedes Mal, wenn ich den Film sehe, interpretiere ich mir das Ende anders, da mir während des Films Dinge auffallen, die ich zuvor übersehen hatte. Ein dreifaches Dank an den Detailreichtum der Coens und daran, dass sie niemanden zu irgendetwas zwingen wollen, sondern der Phantasie freien Lauf lassen, koste es, was es wolle...

Originaltitel: Barton Fink
Erscheinungsjahr: 1991
FSK: 16 Jahre
Länge: 112 Minuten
US-Kinostart: August 1991
Deutscher Kinostart: 10.10.1991
Deutscher Verleih: Concorde
Einspielergebnis: 6,153 Millionen Dollar (USA)
Produktion : Circle Films
Produzent : Ethan Coen
Regie : Joel Coen
Drehbuch : Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Roderick Jaynes (Ethan & Joel Coen)
Darsteller: John Turturro (Barton Fink), John Goodman (Charlie Meadows), Judy Davis (Audrey Taylor), Michael Lerner (Jack Lipnick), John Mahoney (W.P. Mayhew), Tony Shalboub (Ben Geisler), Jon Polito (Lou Breeze), Steve Buscemi (Chet)


Infos und Wissenswertes: Auch Steve Buscemi etabliert sich in der Stamm-Riege der Coen-Filme. Barton Fink ist der erste Film, der alle drei wichtigen Preise (Palme D’or, Beste Regie, Bester Schauspieler) in Cannes gewinnen konnte. In Miller’s Crossing spielte John Turturro einen Mann, der ein Treffen in einem Appartement-Komplex mit dem Namen „The Barton Arms“ hat.

Korinthenkackerecke:
-Hui, erstmals keine „gravierenden“ Goofs, lediglich ein paar zu vernachlässigbare Continuity-Probleme, wie z.B. Schuhe, die plötzlich aus der Hotelhalle verschwinden

Links zum Film:
Trailer zum Film: http://german.imdb.com/Trailers?0101410

Hudsucker – Der große Sprung

„Hudsucker“ bedient sich vieler Vorbilder, die er, wie seine Vorgänger, zitiert und mit den Coenschen Einfällen und Ideen erweitert. Grob gesagt, handelt es sich bei „Hudsucker“ um die fiktive Biographie des Hula-Hoop-Reifen-Erfinders. Doch der Film fungiert auf vielerlei Weise: Als Komödie, als fiktive Biographie und als Sammelsurium skurriler Charaktere und Szenarien. Im Mittelpunkt der Handlung steht Norville Barnes, dessen Ende den Beginn des Filmes einläuten könnte: Am Silvesterabend des Jahres 1958/1959 steht er auf dem Fenstersims des 44 Stockwerks des Hudsucker-Buildings. Doch die eigentliche Handlung setzt 4 Wochen vorher an: Als Norville das Firmengebäude betritt, wie jeder normale Mensch durch das Eingangsportal, stürzt sich der Gründer von Hudsucker Inc. aus dem Fenster. Norville ahnt noch nicht, dass er sich einen Monat später an der gleichen Position befindet wird... Währenddessen plant der Vize-Chef von Hudsucker Inc., den Aktienkurs in den Keller zu treiben, indem er die freigewordene Chefstelle mit einem inkompetenten Trottel besetzt. Norville, der einen Brief überreichen soll, qualifiziert sich durch eine Szene, in der wieder Coens’ Liebe zum Slapstick offenbar wird, für diesen Posten.

Doch Norville scheint nicht der Trottel zu sein, für den man ihn gehalten hat: Durch die Produktion seines eigenen Entwurfs treibt er die Aktienkurse von Hudsucker Inc. unaufhaltsam in die Höhe. Diese Geburtstunde des Hula-Hoop-Reifen ist in Form der Musicals aus den 30er und 40er Jahren inszeniert, die in einer gestellten Wochenschau á la „Citizen Kane“ ihren Höhepunkt findet. Diese fünf Minuten sind mit soviel Details, Tempo und Freude inszeniert, dass man versucht ist, ständig zurück zuspulen, um diese Szene immer wieder zu betrachten. Die Journalistin Amy Archer hat sich unterdessen bei Norville als Sekretärin eingeschlichen, um für einen Artikel über unfähige Unternehmer zu recherchieren, doch sie hat nicht mit der debilen Genialität von Norville gerechnet.

Um Norville wieder loszuwerden, muss der mit allen Wassern gewaschene Vize-Chef zu den letzten Mitteln greifen: Er lässt Norville für verrückt erklären. Dieser hat sich inzwischen in seine Sekretärin verliebt, allerdings auch ihren wahre Beweggründe erfahren und will sich deprimiert vom Hudsucker-Building stürzen. Dort schließt sich der Erzählkreis bzw. Hula-Hoop-Reifen ;-) Tod und Sterben spielten stets eine große Rolle in den Filmen von Ethan & Joel Coen. Deshalb ist es nur konsequent, dass sie sich irgendwann dem Suizid annehmen, vor allen Dingen, wenn er technisch perfekt umgesetzt werden soll! Jeder, der den Film gesehen hat, wird sich noch bestens an den Sprung aus dem Fenster hinaus erinnern können: Eine Kamera folgt dem Hudsucker-Gründer, während jeweils eine oben und unten den Flug interessiert verfolgt. Für diese Sequenz, sowie für den ganzen Film war der Einsatz der Coenschen Storyboards von enormen Vorteil, erlauben sie doch die präzise Planung sämtlicher Sequenzen des Films, der dadurch auf ein hohes formales Niveau gehoben wird, der die Coen-Filme immer auszeichnet. Dieses hohe Niveau wurde oftmals von der Kritik als kalt und steril herabgewürdigt, unterstreicht aber nur die Handlung durch ihre Perfektion . Der Sprung aus dem Hochhaus sowie die zahlreichen Motive der riesigen Uhr, die am Hudsucker-Building angebracht ist, verweisen direkt auf die großen Klassiker der Stummfilmzeit. Zahlreiche weitere Verweise machen „Hudsucker“ zu dem aus cineastischer Sicht interessantesten und reichsten Film der Coen-Brüder. In keinem Coen-Film waren bisher so viele (positive Gefühle) gestattet wie in „Hudsucker“, so dass er an die romantischen Sozial-Dramen der 40er Jahre erinnert, die jedes Jahr zu Weihnachten ihr Revival erleben. Trotz allem steckt aber noch genug Coen in dem Film, um ihn für das typische Publikum der romantischen Sozial-Dramen vollkommen ungenießbar zu machen. In Verbindung mit den anderen „Meisterwerken“ dieses Sub-Genres (u.a. „Pretty Woman“, „Zwei Millionen Dollar Trinkgeld“) dürfte es wohl um den Träger der Krone keine Diskussionen geben, auch wenn sich alles in mir sträubt, „Hudsucker“ in einem Atemzug mit diesen Filmen zu nennen.

Filmdaten
Originaltitel: The Hudsucker Proxy
Erscheinungsjahr: 1994
FSK: 12 Jahre
Länge: 113 Minuten
US-Kinostart: 11.3.1994
Deutscher Kinostart: 9.6.1994
Deutscher Verleih: Concorde
Einspielergebnis: 2,869 Millionen Dollar (USA)
Produktion: Silver Pictures/Working Title Films
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen, Sam Raimi
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Thom Noble
Darsteller: Tim Robbins (Norville Barnes), Jennifer Jason Leigh (Amy Archer), Paul Newman (Sidney J. Mussburger), Charles Dorning (Waring Hudsucker), John Mahoney (Chief), William Cobbs (Moses), Bruce Campbell (Smitty), Steve Buscemi (Beatnik Barman), Anna Nicole Smith (Za-Za), Sam Raimi (Einer der Hudsucker-Brainstormer), John Goodman (Newsreel-Sprecher)
Infos und Wissenswertes: In Arizona Junior arbeitet H.I. bei Hudsucker Industries. Außerdem wird der Spruch „Und hätte der Frosch Flügel, würde er sich beim Springen nicht den Arsch aufreißen“ sowohl in Hudsucker als auch in Arizona Junior benutzt. Der von John Goodman in Barton Fink verkörperte Charakter hiess Karl Mundt, genauso wie sein Charakter in Hudsucker, wo er allerdings einen weitaus gewöhnlicheren Beruf ausübt ;-)

Korinthenkackerecke:
-Als Norville einem der Arbeiter im Postraum seine Erfindung zeigt, sagt er etwas, aber seine Lippen bewegen sich nicht (leider in der deutschen Version berichtigt, ist nämlich wirklich sehenswert, besonders in Kombination mit der Mimik von Tim Robbins...)
-Als Norville die Zeitung studiert, die ihn getroffen haben, verändern die Artikel im Hintergrund ihre Position

Links zum Film:

Trailer: http://german.imdb.com/Trailers?0110074
Filmposter: http://online.prevezanos.com/skf/poster/poster.php3?id=247

Fargo – Blutiger Schnee

„Fargo“ sollte der größte Erfolg sein, der den Coens bis dato gelungen ist: 2 Oscars und 7 Nominierungen schienen undenkbar, doch die Academy täuschte alle Unkenrufe und ließ die Coens zumindest einmal die verdiente Ehre zuteil werden. Durch die Oscar-Verleihung erstmals einem größeren Publikum bekannt geworden, wurde „Fargo“ der größte kommerzielle Erfolg zuteil. Ihre zusätzlich gewonnenen Besucher büßten die Coens jedoch bei „The Big Lebowski“ wieder ein, da viele Menschen dem Irrtum unterliegen, mit oscar-prämierte Filme treffen den Massengeschmack und wären folglich auch für sie interessant. Bereits der Beginn von Fargo ist ein deutliches Beispiel für den typischen Humor der Coens: Schrifttafeln wollen dem Zuschauer vorgaukeln, dass er eine wahre Geschichte sehen wird. Natürlich ist die gesamte Story erstunken und erlogen, und wie immer ist die Handlung durchsetzt von skurillen Dialogen, schrägen Charakteren und absurden Momenten (fast scheint mir so, als ob der letzte Satz die per se-Definition für Coen-Filme ist...

Wie Joel Coen erklärt hat, handelt es bei dem Hinweis auf die angebliche Authentizität der Geschichte um ein Zugeständnis an die Sehgewohnheiten der Zuschauer: Durch welchen anderen dramaturgischen Kniff hätten sie sonst Handlungen in die Geschichte einbauen können, die das Publikum in einem normalen Thriller nie akzeptiert hätte? Auch das Auftauchen der Heldin in der Mitte des Films hätte das Publikum ansonsten niemals akzeptiert, doch durch diesen genialen und doch so naheliegenden Kniff war das Publikum bereit, beinahe alles zu glauben und hinzunehmen. Auch der Titel des Films wurde bisher selten hinterfragt, denn „Fargo“ ist nicht mehr als ein Ort, der in der Handlung kaum auftaucht. Lediglich am Anfang trifft sich Jerry Lundegaard dort mit zwei dilettantischen Gangstern, die seine Frau entführen sollen, um ihren reichen Vater zu erpressen. Auch bei „Fargo“ ist der Plot eher einfach strukturiert, aber genau wie bei „Blood Simple“ überschlagen sich bald die Ereignisse: Bei der Entführung geht so gut wie alles schief, was schief gehen kann und nach kurzer Zeit bleiben drei Leichen zurück. Diese Morde bringen die Polizistin Marge auf den Plan, deren Hauptleidenschaft Essen ist, schließlich muss sie sich und ihr ungeborenes Baby ernähren. Es vergeht kaum eine Szene im Film, in der Marge nicht am Essen ist, und genau das ist eins der Details, die von den Coens immer unauffällig in den Vordergrund geschoben werden. Doch von dem trägen Äußeren der Polizistin sollte man sich nicht täuschen lassen, denn blitzschnell ist sie Jerry auf den Fersen, der daraufhin immer mehr die Nerven verliert (die Rolle von Jerry wird von William H. Macy absolut genial verkörpert! Für mich zählt er zu einen der unterschätztesten Schauspielern unserer Zeit, aber das nur nebenbei ;-).

1995 war das Jahr von „Pulp Fiction“ und so war es klar, dass er als Referenz für „Fargo“ genannt wurde, obwohl eigentlich klar sein dürfte, dass Ethan & Joel Coen es niemals nötig haben würden, einen Film direkt als ihr Vorbild zu nennen, zumal sie die Kunst der inhaltslosen Dialoge schon seit Jahren perfekt beherrschen und die Gewalt in „Fargo“ nicht das Ergebnis von coolen Aktionen sind, sondern schlichtweg der letzte Ausweg in Situationen, die zu komplex für die Beteiligten geworden sind (in gewisser Weise ist dieser Satz aber eine Referenz an „Pulp Fiction“: Lang, verschachtelt, teilweise überflüssig, aber am Ende ergibt er einen Sinn ;-) In den Filmen der Coens ist Gewalt niemals ein Ausdruck von Macht (mit Ausnahme von „Miller’s Crossing“), sondern immer ein Ausdruck von Versagen, Unfähigkeit, Überforderung oder gnadenloser Dummheit. Diese Interpretation von Gewalt unterscheidet die Filme der Coens sehr deutlich von gleichgelagerten Produktionen, die um die scheinbare Gleichheit mit den Werken der Coens buhlen.

Wie in ihren anderen Filmen erzeugt „Fargo“ die geschickte Kamerapositionen einen ironisch-liebevollen Humor: In der Szene, in der Jerry Lundegaard das Büro seines Schwiegervaters verlässt und den Parkplatz überquert, wählt die Kamera eine Position ca. 200 Metern über dem Parkplatz und verdeutlicht damit die Tragik und Komik von Jerry besser, als es 1000 Dialogzeilen vermocht hätten. Der Wutausbruch, der Jerry anschließend befällt, ist allerdings auch nicht zu verachten ;-) Bei all der Ruhe und Gemächlichkeit von „Fargo“ kann ich mich dennoch nicht dem Gedanken verschließen, dass man auf dem Weg nach Fargo direkt nach Twin Peaks fahren muss, denn genau wie in „Twin Peaks“ ist in „Fargo“ das Grauen nur einen Augenblick entfernt...

Filmdaten
Originaltitel: Fargo
Erscheinungsjahr: 1995/1996
FSK: 16 Jahre
Länge: 98 Minuten
US-Kinostart: 8.3.1996
Deutscher Kinostart: 14.11.1996
Deutscher Verleih: Concorde
Einspielergebnis: 25,882Millionen Dollar (USA)
Produktion: PolyGram Filmed Entertainment / Working Title Films
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Roderick Jaynes (Ethan & Joel Coen)
Darsteller: William H. Macy (Jerry Lundegaard), Steve Buscemi (Carl Showalter), Peter Stormare (Gaear Grimsrud), Kristin Rudrüd (Jean Lundegaard), Harve Presnell (Wade Gustafson), Tony Denman (Scotty Lundegaard), Frances McDormand (Marge Gunderson)
Infos und Wissenswertes:
-Bruce Campbell hat einen Cameo-Auftritt als Darsteller einer Seifen-Oper, mit der sich Gaear Grimsrud die Zeit vertreibt.
-7 Nomierungen und 2 Oscars (Beste weibliche Hauptrolle für Frances McDormand, Bestes Drehbuch für Ethan & Joel Coen)
-insgesamt 39 Auszeichnungen und Ehrungen für Fargo insgesamt und über 60 Nominierungen
-In einer Szene sagt Steve Buscemi, dass er „für das alte Rein-Raus-Spiel“ in die Stadt gekommen sei, ein Zitat aus Stanley Kubrick’s „Clockwork Orange“.
-Steve Buscemi stirbt in jedem Film der Coen-Brüder (mit Ausnahme von Hudsucker), und seine Überbleibsel werden von Film zu Film kleiner
-Jetzt noch etwas für unsere Freunde der Originalfassungen: Als auf Steve Buscemi geschossen wird, sagt er „You fuckin shot at me“, einen Satz, den er unter den gleichen Umständen in Mystery Train gesagt hat
-Selbstverständlich basiert der Film nicht auf wahren Fakten

Korinthenkackerecke:
-Als Jerry mit Scotty spricht, wechselt die Uhrzeit von 8:52 auf 8:50 und dann auf 8:53
-Nachdem Marge auf Grimsrud geschossen hat, verwandelt sich ihre Waffe von einer .38 zu einer .357 Magnum
-Fargo spielt im Jahr 1987, und 1987 war die Existenz einer 29 Cent Briefmarke noch 4 Jahre entfernt
-Gegen Ende wird Grimsrud einen Holzscheit nach Marge, der an ihrem Bein abprallt, da er aus Plastik bzw. Schaumstoff ist

The Big Lebowski

„The Big Lebowski“ steht mehr in der Tradition von „Arizona Junior“, dessen Humor ähnlich heiter war. Nach dem eher düsteren und zynischen Humor von „Fargo“ schien es für die Coen-Brüder wieder an der Zeit, einen heiteren Film ohne düstere Zwischentöne zu drehen. „The Big Lebowski“ ist einer jener Filme, bei denen man über die Angabe eines genauen Datums dankbar sein muß, denn anhand der Protagonisten und ihrem anachronistischen Verhalten könnte die Handlung des Films auch in den Siebziger Jahren angesiedelt sein. Im Mittelpunkt der Handlung steht diesmal eine Bowlingbahn, an die die Handlung stets zurückkehrt und die zu einem mystisch verklärten Ort der Meditation geworden ist. Wie Anachronismen frönen die Charaktere dort ihrem Hobby, das weder cool noch hip, sondern einfach nur ihr Hauptlebensinhalt ist. Abseits der Bowlingbahn lebt Jeff Lebowski bzw. The Dude, wie der Hauptcharakter genannt werden möchte, in seiner abgefuckten Bude, in der er von zwei Männern überrascht wird. Die beiden Gangster wollen die Schulden seiner Frau eintreiben und schrecken dabei nicht vor zwerchfellerschütternden Foltermethoden zurück. Selbstverständlich hat der Dude überhaupt keine Frau, und als ihm einer der Gangster auch noch auf den Teppich pinkelt, ist für ihn dass Maß voll (Ladet euch unbedingt den Dialog bei http://www.filmzitate.de runter, den Link findet ihr bei den restlichen Angaben zum Film! Denn diesmal hat die deutsche Synchronisation wahre Wunder vollbracht: Im Original wird „Fuck“ und seine Varianten insgesamt 267 mal benutzt, aber die deutsche Synchronisation übersetzte es beinahe vollständig mit „bekackt“...)! Angestachelt durch Walter, den Prototyp eines Vietnam-Veterans, sucht der Dude den richtigen Lebowski auf, da er offensichtlich das Opfer einer Verwechslung wurde. Zumindest der Teppich muss ersetzt werden, aber der wahre Lebowski wirft ihn relativ schnell aus seiner Wohnung und gibt ihm noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Suchen Sie sich gefälligst einen Job!“ Das lässt sich der Dude natürlich nicht bieten und stiehlt einen Teppich und begegnet beim Verlassen des Hauses Bunny, der Frau von Lebowski.

Wieder ist der Plot zwar raffiniert, aber dennoch einfach konstruiert, und wieder wird eine Lawine der Ereignisse losgetreten, die niemand mehr überblicken kann. Ein paar Tage später wird der Dude zu Lebowski bestellt und erhält die Nachricht, dass man Bunny entführt hat und der Dude das Lösegeld übergeben soll. Auf eine solche Gelegenheit hat Walter lange gewartet und schmiedet einen verhängnisvollen Plan: Das Lösegeld, 1 Million Dollar, soll behalten und durch dreckige Unterwäsche ersetzt werden. Doch die Lösegeldübergabe läuft gründlich schief...

Genau wie bei „Arizona Junior“ wird „The Big Lebowski“ durch eine Stimme aus dem Off eröffnet. Während bei „Arizona Junior“ die erzählende Stimme später noch einen Körper erhält, der im Film eine wichtige Rolle spielt, scheint der Erzähler bei „The Big Lebowski“ lediglich kurz vorbeigekommen zu sein, um uns ins Geschehen einzuführen. Als der Dude auf den Erzähler trifft, schaut dieser ihn nur geringschätzig an und wendet sich dann wieder ab, und erst gegen Ende treffen wir den Erzähler wieder. Bei „The Big Lebowski“ wird am deutlichsten spürbar, wie die Handlung der Coenschen Filme durch groteske Zufälle, Verwechslungen und ihre schrägen Charaktere erst ins Rollen gerät, bis sie eine solche Wucht entwickelt hat, dass niemand sie mehr aufhalten kann. Fast scheint es so, als ob die Coens überlegen, was schief gehen kann und diese realistischen Überlegungen einfach dermaßen überdehnen, dass es zu einer gerade noch glaubhaften Parodie wird. Von seinem Auftreten her könnte der Dude das legitime Vorbild von Michael Douglas’ Charakter in „Wonderboys“ sein, genauso schlampig gekleidet und doch über alles erhaben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Die Geschichten der Coens sind stets Geschichten über einfache Männer, die von immer komplexer werdenden Ereignissen in ihrer Umgebung überrumpelt werden und schlichtweg überfordert sind. Dabei weiden sich ihre Filme daran, wie ihre Protagonisten an Dingen scheitern, die in anderen Filmen reine Routine sind. Man denke nur an die Szene in Fargo, in der die beiden Gangster von einem Polizisten angehalten werden, weil sie ihr Nummernschild nicht angeschraubt haben. Als Resultat werden drei Leichen zurückbleiben, bloß weil einer der Gangster die Schilder aus Prinzip nie anschraubt. Aus solchen Szenen entwickelt sich der Humor der Coens, der auch vor Geschmacklosigkeiten nicht zurückschreckt, diese aber harmonisch in den Gesamtkontext stellen: Wenn in „The Big Lebowski“ die Asche von Donny übers Meer verstreut werden soll, hält Walter eine Grabesrede, die wieder daran erinnert, dass er ein Vietnam-Veteran ist, bevor die Asche feierlich verstreut werden soll. Leider erfasst eine Windböe die Asche und weht sie in das Gesicht vom Dude...Zweifellos sehr komisch, aber selbst die Asche des einzigen Menschen, der eines natürlichen Todes in einem Coen-Film stirbt, wird für einen Gag benutzt. „The Big Lebowski“ ist für mich persönlich der schlechteste Film der Coens, was immer noch ein Kompliment ist und den Film weit über dem gewohnten Maß ansiedelt.

Sorry, Dude, aber einen musste es ja erwischen...

Filmdaten
Originaltitel: The Big Lebowski
Erscheinungsjahr: 1997/1998
FSK: 16 Jahre
Länge: 113 Minuten
US-Kinostart: 4.3.1998
Deutscher Kinostart: 19.3.1998 (Ur-Aufführung bei Festival Berlin im Februar 1998)
Deutscher Verleih: PolyGram
Einspielergebnis: 1.813.609 DM , 17,439 Millionen Dollar (USA)
Produktion: PolyGram Filmed Entertainment / Working Title Films
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Roderick Jaynes (Ethan & Joel Coen)
Darsteller: Jeff Bridges (The Dude), John Goodman (Walter Sobchak), Julianne Moore (Maude Lebowski), Steve Buscemi (Donny), David Huddleston (The Big Lebowski), Philip Seymour Hoffman (Brandt), Peter Stormare (Uli), John Turturro (Jesus Quintana), Aimee Mann (Nihilist Woman)
Infos und Wissenswertes:
-Aimee Mann, die in „The Big Lebowski“ nur eine kleine Nebenrolle als Nihilistin hat, wurde für den Besten Song zu „Magnolia“ für den Oscar nominiert. In „Magnolia“ treffen Julianne Moore und Philip Seymour Hoffman wieder aufeinander.
-In einer Szene des Films (als Big Lebowski die Details von Bunny’s Entführung wiedergibt) trägt Jeff Bridges das gleiche T-Shirt, welches er bei „König der Fischer“ getragen hat (Motiv: Asiate mit Baseballschläger)
-In der Originalfassung wird das böse Wort mit „F“ 267 mal in allen Variationen benutzt
-In der Originalfassung wird das Wort „man“ vom Dude genau 144 Mal benutzt
-Die deutsche Techno-Pop-Band „Autobahn“ ist eine Parodie (oder Hommage?) an „Kraftwerk“
-Asia Carrera, die zusammen mit Bunny Lebowski in dem Porno zu sehen ist, ist in Wirklichkeit einer der erfolgreichsten Porno-Stars (na ja, irgendwann war sie es wohl mal, aber jetzt wird sich ihr Brustpiercing irgendwo auf Kniehöhe befinden ;-)
-Der Privatdetektiv fährt einen blauen VW, genau wie der Privatdetektiv in „Blood Simple“
-Na, erinnert ihr euch noch daran, dass Steve Buscemi in jedem Coen-Film stirbt (bis auf „Hudsucker“)...Und jetzt guckt euch mal die Größe seiner Überreste in „The Big Lebowski“ an: Kleiner geht’s wohl nicht...
-Die deutsche Verleihkassette hat ein lustiges Wechselcover: Auf der einen Seite das Original-Kinoplakat (nur kleiner ;-) und auf der anderen Seite das Gesicht vom Dude, in dessen Sonnenbrille sich der Teppich spiegelt („Dir pinkeln die auf deinen bekackten Teppich...“)
Korinthenkackerecke:
-In der ersten Szene in der Bowlinghalle rollen die Kegel in einer anderen Farbreihenfolge, als sie dann die Kegel treffen
-Ansonsten nur noch einige kleine Continuityfehler, die wirklich nicht ins Gewicht fallen...

Links:
Trailer: http://german.imdb.com/Trailers?0118715
Zitate: http://www.filmzitate.de/suche.phtml?kriterium=1&such=big%20Lebowski,%20The

O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi Odyssee

Eine Kritik und Inhaltsangabe zu „O Brother...“ könnt ihr direkt bei snacker.de in der Filmbüchse lesen!

Im Gesamtkontext mit den restlichen Filmen der Coens lässt sich „O Brother...“ eher wie eine stilistische Fingerübung an, die aus dem wie immer einfach konstruierten Plot eine Vielzahl von Ereignissen lostritt, die wieder über die naiven Protagonisten hereinbricht. Zu besessen sind die Coens diesmal von Details und von ihrer Bedeutung für die Handlung, dass sie in ihrer Experimentierwut manchmal Gefahr laufen, den roten Faden zu verlieren. Außerdem sind die Charaktere diesmal wesentlich klarer definiert. Dabei ist die Rolle von Everett so angelegt, dass er zwar über eine gewisse Intelligenz verfügt, aber die größeren Zusammenhänge nicht durchblicken kann. Pete hingegen scheint die größeren Zusammenhänge zwar zu erahnen, kann sie aber nicht deuten und verhält sich aufgrund seiner Unsicherheit aggressiv. Diese Aggressionen muss Everett des öfteren spüren, wenn es um die Machtverteilung in der Gruppe geht. Diese Diskussion um eine Führungsposition innerhalb der Protagonistengruppe kam bisher in keinem Coen-Film vor, denn in keinem Coen-Film zuvor hat bisher ernsthaft eine Figur nach der Führung innerhalb einer Gruppe gedrängt, denn bisher waren alle Protagonisten Einzelgänger, die sich nur widerwillig Gruppen anschlossen. Bei „The Big Lebowski“ gab es zwar die Freundschaft zwischen dem Dude, Walter und Donny, aber im Grunde ihres Herzens waren sie alle Einzelgänger, nur verbunden durch gemeinsame Interessen oder zusammengeschmiedet durch die äußeren Umstände. Diese Methode wird bei „O Brother“ dadurch umgangen, als dass die drei Protagonisten mit Ketten aneinandergefesselt sind und sich zwangsläufig eine Zwecksfreundschaft anbahnt. Zwar sind die Ketten äußere Umstände, aber auch nach ihrer Befreiung bleiben sie zusammen, um den Schatz zu bergen. Als Everett dann schließlich gestehen muss, das der Schatz nicht existiert, sieht man deutlich, welche Mühen es ihm macht, seinen neugewonnenen Freunden die Wahrheit zu erzählen. Allerdings fällt auf, dass „O Brother...“ die wenigsten Gefühle für seine Figuren entwickelt: Stets ist klar erkennbar, in welche Richtung ein Witz funktionieren soll. Der Effekt ihrer früheren Filme, dass man manchmal nicht wusste, ob man lachen oder weinen sollte, wird sich bei „O Brother...“ nicht einstellen.

Dafür überzeugt der Film auf anderer Ebene: Durch die sehr lose Anlehnung an Homer’s Odyssee konnten die Coens diesmal Charaktere entwerfen, die sich auf die Geschichte beziehen und sie ihren Ansprüchen entsprechend modifizieren: John Goodman als einäugiger Bibelverkäufer, der die Helden reinlegt, entspricht in der Odyssee dem Zyklopen, während die singenden Frauen am Fluß unschwer als Sirenen zu entlarven sind. Dadurch erreicht der Film eine hohe Glaubwürdigkeit bei jenen Kritikern, die zuvor aufgrund der skurrilen Charaktere verwirrt waren, da sie nicht glaubhaft interpretiert werden konnten. Durch den literarischen Hintergrund von „O Brother...“ wurde der Film diesmal wohlwollender von den Kritikern aufgenommen, während das Publikum ihn, wie fast jeden Coen-Film, weitgehend ignorierte.

Filmdaten
Originaltitel: O Brother, Where Art Thou?
Erscheinungsjahr: 2000
FSK: 6 Jahre
Länge:
US-Kinostart: 22.12.2000
Deutscher Kinostart: 19.10.2000
Deutscher Verleih: UIP
Einspielergebnis: noch keine definitiven Zahlen bekannt
Produktion: Buena Vista Pictures / Studio Canal / Touchstone Pictures / Universal / Working Title Films
Produzent: Ethan Coen
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen nach Homers “Odyssee”
Kamera: Roger Deakins
Musik: T-Bone Burnett (Originalmusik), Chris Thomas King (Songs), Carter Burwell
Schnitt: Roderick Jaynes (Ethan & Joel Coen)
Darsteller: George Clooney (Everett Ulysses McGill), John Turturro (Pete), Tim Blake Nelson (Delmar), Charles Durning (Pappy O’Daniel), John Goodman (Big Dan Teague), Holly Hunter (Penelope), Wayne Duvall (Homer Stokes), Michael Badalucco (George „Babyface“ Nelson)
Infos und Wissenswertes:
-Um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von der „American Humane Association“ zu bekommen, musste die Special-Effects-Firma die Animation der überfahrenen Kuh erst den skeptischen Vorsitzenden vorführen, da sie die Kuh im Film für ein echtes Tier gehalten haben. Achtet mal beim Abspann auf den Zusatz, der nach dem obligatorischen „"No animals were harmed in the making of this motion picture“ folgt: "Scenes that appear to have harmed animals were simulated." ”Oh Brother…” ist der erste Film, der diesen Zusatz enthält.
-Anspielungen auf Homers „Odyssee“: Die Namen der Charaktere von George Clooney und Holly Hunter, die Rolle von John Goodman (Zyklop), die drei Frauen, die am Fluss singen (Sirenen), der alte Mann am Anfang, der die Weissagung macht und zu guter letzt die Verwandlung eines der Anhänger Ulysses in ein Tier! Außerdem noch einige weitere Anspielungen, deren Entdeckung ich den Belesenen unter euch überlasse ;-)

Links:
Trailer: http://german.imdb.com/Trailers?0190590
Offizielle Web-Site zum Film: http://studio.go.com/movies/obrother/index.html

Sonstige Mitarbeit an Filmen:

Fear no Evil (1981)
Naja, jeder hat irgendwann mal angefangen… Und so schlecht ist “Fear no Evil” auch wieder nicht, aber die Story um einen High-School-Schüler, der die Personifizierung Satans ist, lockt wohl niemanden hinter dem Ofen vor... Als Schnitt-Assistenz fungierte Joel Coen, aber mehr als erste Einweisungen in das Handwerk des Filmschnitts konnte er mit Sicherheit nicht gewinnen bei dem Machwerk von Frank Laloggia, der außerdem das Drehbuch und die Musik schrieb (beides ungefähr auf dem gleichen Niveau...)

Tanz der Teufel (The Evil Dead) (1982)
Langsam wird es interessant: Mit seiner zweiten Arbeit als Schnitt-Assistenz ist Joel Coen ein Teil des wohl umstrittensten Horrorfilms geworden (Nein, an dieser Stelle folgen keine Anfeindungen gegen die FSK oder das Amtsgericht Tiergarten...)! Außerdem dürfte die Freundschaft zwischen den Coens und Sam Raimi auf diesen Film zurückführen zu sein.

Spione wie wir (Spies like us) (1985)
In dieser John-Landis-Komödie spielt Joel Coen eine Rolle, die im Abspann „Drive-In Security #1“ genannt wird und damit ist auch schon alles gesagt...Aber jetzt dürft ihr raten, wer „Drive-In Security #2“ spielt....Es ist........Sam Raimi!!!

Crimewave (1985)
Bei uns in Deutschland ist dieser Film von Sam Raimi unter dem Namen „Killer-Akademie“ nicht unbedingt bekannt geworden, aber einige von euch werden ihn sicherlich gesehen haben, um dann wie ich enttäuscht feststellen zu müssen, dass keine Gedärme umherfliegen. Aber was eigentlich viel besser ist: Crimewave ist ein erstaunlich lustiger Film, der wieder einmal Sam Raimis Leidenschaft für „The Three Stooges“ zeigt. Schaut euch unbedingt mal „Die total beknackte Nuss“ an, für den Sam Raimi zusammen mit Bruce Campbell („Ash“ aus „Tanz der Teufel“) das Drehbuch geschrieben hat: Slapstick und Nonsens auf einem nur schwer unterbietbarem Niveau, einfach göttlich! Für Crimewave haben Ethan & Joel Coen zusammen mit Sam Raimi das Drehbuch geschrieben, außerdem taucht Joel Coen in der Hinrichtungs-Sequenz als Reporter auf. Dieser Cameo-Auftritt wird im Abspann nicht genannt (deshalb heißt es ja auch Cameo-Auftritt ;-)

The Naked Man (1998)
Bei “The Naked Man” schrieb Ethan Coen zusammen mit J. Todd Anderson das Drehbuch, allerdings ist der Film bis jetzt nicht in Deutschland erschienen, und es ist äußerst fraglich, ob er das jemals tun wird, denn der Film ist eine Direct-to-Video-Produktion von fragwürdiger Qualität: „The Naked Man“ ist ein Chiropraktiker, der nachts als Wrestler arbeitet und als Trikot eine Art „Gedärm-Umhang“ trägt (daher der Filmtitel, denn jetzt sieht er aus, als ob er keine Haut hätte...). Irgendwann beschließt er, eine eigene Praxis zu eröffnen, aber dann wird seine Familie von einem Krüppel mit Maschinenpistole erschossen... Undsoweiter, undsoweiter... Das einzige, was bei diesem Film an die Coensche Handschrift erinnert, sind die skurrilen Charaktere, ansonsten ist der Humor in diesem Film zwar komisch, aber nicht der Humor, den ich von einem Coen-Film erwarten würde. Alles in allem ist „The Naked Man“ also ein ganz vernünftiger Film, aber gebt um Himmels Willen keine 69 DM dafür aus, nur weil Coen draufsteht (Oh Mann, ich Idiot hab es natürlich wieder gemacht...)

Quellen:
-Anette Kilzer, Stefan Rogall: Das filmische Universum von Joel und Ethan Coen, Schüren-Verlag 1998
-Peter Körte, Georg Seeßlen (Hg.): Joel & Ethan Coen, Bertz-Verlag 2000
-Katholisches Institut für Medieninformation
-www.imbd.de
-film-dienst


Weitere Tipps
Copyright © 2001-2016 DigitalVD ® - Letzte Aktualisierung: 06.12.2016 16:42:02BR> DigitalVD.de - DVD und Heimkino Magazin. Alle Rechte vorbehalten. Haftungsauschluss
Alle Angaben sind ohne Gewähr!
Tipps unserer Freunde
 
DVD A DVD B DVD C DVD D DVD E DVD F DVD G DVD H DVD I DVD J DVD K DVD L DVD M DVD N DVD O DVD P DVD Q DVD R DVD S DVD T DVD U DVD V DVD W DVD X DVD Y DVD Z DVD 1 DVD 2 DVD 3 DVD 4 DVD 5 DVD 6 DVD 7 DVD 8 DVD 9 DVD 0