Wer sein Heimkino auf 3D-Sound wie Dolby Atmos aufrüsten möchte, stößt früher oder später auf ein lästiges Problem: Der AV-Receiver oder die Vorstufe verarbeitet zwar fleißig 11 oder gar 13 Kanäle, aber es mangelt schlicht an ausreichend integrierten Endstufen, um alle Lautsprecher auch zu befeuern. Wer nun nach einer passenden externen Stereo-Endstufe für die Höhenkanäle sucht, landet meist bei Geräten, die entweder teuer oder völlig überdimensioniert sind.
Genau vor dieser Herausforderung stand ich beim Upgrade meines eigenen Setups auch. Mein Ziel war klar: Ich brauchte eine Endstufe, die meine Atmos-Lautsprecher souverän und dynamisch antreibt, ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis liefert und vor allem platzsparend im Rack unterzubringen ist. Wenn ich mein bestehendes Setup betrachte, passen die Hersteller nicht unbedingt zu diesem Anwendungsgebiet. Ich habe Mehrkanal-Endstufen von Burmester, die es mittlerweile nicht mehr gibt. Weitere Endstufen von Burmester sind viel zu teuer und für diesen Anwendungsfall drüber. Mein Anthem AVM70 kann natürlich auch mit passender Endstufe erweitert werden. Doch auch diese Stereo-Endstufe hat ordentliche Power und dadurch auch einen höheren Preis. Höhenkanäle brauchen diese Power aber nicht in der Form.

Und genau hier kommt die IOTAVX PA3 ins Spiel.
Mit gerade einmal 7 Zentimetern Bauhöhe und einem wertigen Stahlgehäuse liefert sie echte 2 x 90 Watt (an 4 Ohm) und das mit klassischer Class-AB-Verstärkertechnik. Im Grunde verspricht sie genau das, was viele Heimkino-Enthusiasten suchen: Hohe Impulstreue und Leistungsreserven für vergleichsweise wenig Geld und noch weniger Platzbedarf. Und sie kostet nur 399,00 Euro.

Wie ist das Design und die Verarbeitung?
Wenn man die IOTAVX PA3 zum ersten Mal aus dem Karton hebt, wird man direkt positiv überrascht: Das Gerät fühlt sich deutlich massiver an, als die schlanke Silhouette vermuten lässt. Für eine Bauhöhe von gerade einmal 7 Zentimetern (inklusive der Standfüße) bringt die Endstufe 6,5 Kilogramm auf die Waage. Das ist in erster Linie dem schweren, resonanzarmen Stahlgehäuse geschuldet.
Die Abmessungen von 435 x 70 x 240 mm (B x H x T) sind in der Praxis ein absoluter Pluspunkt. Wer sein Rack ohnehin schon mit einer dicken AV-Vorstufe, Zuspielern und vielleicht noch Konsolen vollgestopft hat, weiß jeden gesparten Zentimeter zu schätzen. Die PA3 ist so flach und unauffällig, dass sie sich fast unsichtbar ins bestehende Setup integrieren lässt. Auch ein Aufeinanderstapeln von zwei Geräten ist bei dieser Bauform überhaupt kein Problem.

Puristische Optik mit einem optischen Highlight
Designtechnisch gibt sich die Endstufe erfreulich puristisch. Die schwarze Frontplatte ist zeitlos und verzichtet auf eine überladene Tastenlandschaft. Lediglich ein Knopf ist direkt unter dem Logo angebracht. Ein sehr schickes Detail gibt es aber doch: Sobald man die PA3 einschaltet, wird das IOTAVX-Logo auf der Vorderseite dezent beleuchtet. Das sieht im Rack richtig schick aus.
Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität für diese Preisklasse hervorragend. Spaltmaße, Anschlüsse auf der Rückseite und die Gehäusestabilität bewegen sich auf einem Niveau, das man sonst eher in höheren Preisregionen erwartet.

Technik-Check: Clevere Anschlussvielfalt und Leistung satt für Atmos-Kanäle
Wer heutzutage eine extrem flache Endstufe sieht, geht meist instinktiv von Class-D-Verstärkung aus. IOTAVX geht hier jedoch einen anderen, für HiFi-Fans weitaus spannenderen Weg: Unter der Haube der PA3 arbeitet waschechte Class-AB-Verstärkertechnik.
Warum das wichtig ist? Class AB vereint die klanglichen Vorzüge (Verzerrungsarmut und Wärme) der reinen Class-A-Technik mit der Effizienz von Class-B. In der Praxis bedeutet das für die PA3 eine beeindruckende Impulstreue und hervorragende Dynamik. Wenn bei einem Dolby Atmos-Track plötzlich ein Hubschrauber über einen hinwegdonnert, ist die Endstufe sofort da und liefert den nötigen Punch, ohne angestrengt zu wirken. Dafür sprechen auch die exzellenten Messwerte: Ein Klirrfaktor (THD+N) von gerade einmal 0.005 % und ein Signal-Rauschabstand von >105 dB sorgen dafür, dass der klangliche Hintergrund absolut still bleibt. Kein Rauschen, kein Brummen, nur reine Dynamik.

Kompakte Leistung oder Mono-Power
Leistungstechnisch liefert die IOTAVX PA3 im Stereo-Betrieb solide 2 x 90 Watt an 4 Ohm (bzw. 2 x 45 Watt an 8 Ohm). Für typische Atmos-Deckenlautsprecher, Surround-Speaker oder sogar wirkungsgradstarke Frontlautsprecher reicht das im Heimkino-Alltag völlig aus. Die PA3 lässt sich allerdings auch brücken. Mit einem Schalter auf der Rückseite wird aus der Stereo-Endstufe ein Mono-Block. In diesem gebrückten Zustand schiebt die Endstufe dann satte 180 Watt an 4 Ohm an einen einzigen Kanal. Wer also später seine leistungshungrigen Main-Speaker befeuern will, stellt sich einfach zwei dieser flachen Boliden ins Rack und hat Leistung satt.

Anschlussvielfalt mit Durchschleif-Funktion
Ein Blick auf die Rückseite zeigt ein aufgeräumtes, durchdachtes Layout. Signale finden ihren Weg ganz klassisch über vergoldete Cinch-Eingänge (RCA) in das Gerät. Symmetrische XLR-Eingänge sucht man hier vergebens. Das ist in dieser Preisklasse und bei den typischerweise kurzen Kabelwegen hinter einem AV-Receiver aber ein Kompromiss, den ich absolut verschmerzen kann. XLR-Anschlüsse gibt es erst bei dem größeren Modell IOTAVX PA40.
Ein echtes Highlight ist hingegen der integrierte Pre-Out. Über diesen Ausgang lässt sich das ankommende Signal direkt an eine weitere Endstufe durchschleifen (Daisy-Chaining). Das erspart lästige Y-Adapter, falls man beispielsweise Bi-Amping betreiben möchte oder das Signal für andere Zonen abgreifen will.

Die Lautsprecherklemmen fassen auch größere Kabelquerschnitte problemlos, nehmen Bananenstecker sicher auf und wirken äußerst langlebig und massiv. Darüber hinaus kann die Endstufe über 12 Volt-Trigger automatisch ein- oder ausgeschaltet werden. Mein Anthem AVM70 regelt das automatisch bei verbundenem Kabel.
Soundcheck im Heimkino: So schlägt sich die PA3 im Atmos-Betrieb
Für meinen Test habe ich die IOTAVX PA3 direkt über Cinch an die Pre-Outs meiner AV-Vorstufe von Anthem geklemmt. Der Anthem AVM70 kann mittels ARC alle Kanäle einmessen um dann adäquat meine Dolby Atmos-Höhenkanäle befeuern. Oftmals werden diese Kanäle bei der Leistungsverteilung etwas stiefmütterlich behandelt. Doch wer einmal echte Dynamik von oben gehört hat, weiß wie entscheidend eine gute Endstufe hier ist.
Klanglich liefert die PA3 genau das, was ich mir von einer vernünftigen Class-AB-Schaltung erhoffe: Eine ehrliche, unverfälschte Wiedergabe mit blitzschnellem Ansprechverhalten. Wenn bei Filmen wie Dune oder Blade Runner 2049 plötzliche Effekte über einen hinwegrollen, ist die kleine Endstufe sofort da. Prasselnder Regen oder das Vorbeizischen von Raumschiffen werden mit einer tollen Präzision und Räumlichkeit in den Raum gestellt. Da verschmiert nichts, die Effekte bleiben jederzeit ortbar und greifbar. Natürlich ist das auch abhängig von der Position der Lautsprecher.

Mit ihren 90 Watt an 4 Ohm hat die PA3 meine vorderen Höhenlautsprecher zu jedem Zeitpunkt souverän im Griff. Ich hatte selbst bei gehobenen Heimkino-Pegeln nie das Gefühl, dass dem Verstärker die Puste ausgeht oder das Klangbild anfängt, angestrengt oder spitz zu wirken.
Wie sieht es mit dem Grundrauschen aus? Hier macht sich der exzellente Signal-Rauschabstand von >105 dB absolut bezahlt. Wenn gerade kein Signal anliegt oder es in einer Filmszene mucksmäuschenstill ist, herrscht aus den Lautsprechern absolute Totenstille. Kein unangenehmes Netzbrummen, kein Zischen.
Wie ist die Wärmeentwicklung?
Da Class-AB-Verstärker naturgemäß etwas mehr Abwärme produzieren als Class-D-Alternativen, hatte ich anfangs leichte Bedenken wegen des extrem flachen Gehäuses. Doch auch nach einem mehrstündigen Film-Marathon gibt es Entwarnung. Das schwere Stahlgehäuse der PA3 fungiert als massiver Kühlkörper und leitet die Wärme hervorragend ab. Die Endstufe wird zwar gut handwarm, aber zu keinem Zeitpunkt bedenklich heiß. Man sollte ihr im Rack natürlich trotzdem etwas Luft nach oben gönnen, aber Hitzeprobleme traten im Test definitiv nicht auf.

Zusammenfassend macht die IOTAVX PA3 im Praxisbetrieb einfach Spaß. Sie klinkt sich völlig unauffällig in die bestehende Audio-Kette ein und verrichtet ihren Job mit einer Souveränität, die in dieser Preisklasse absolut bemerkenswert ist.
Weitere Details findet ihr hier: https://iotavx.com/IOTAVX-PA3






