Dolby Atmos und 3D-Audio sind im Heimkino längst der Standard. Doch in vielen Heimkinos ist die größte Hürde: Decken aufreißen oder Kabel quer durchs Wohnzimmer ziehen für die Deckenlautsprecher. Optisch ist das oft ein Graus und absolut nicht Wohnzimmer-tauglich. Den perfekten Kompromiss aus Aufwand und Ertrag versprechen sogenannte „Dolby Atmos Enabled Speaker“. Hier kommen die Nubert nuLine RS-54 Lautsprecher ins Spiel.
Die Schwaben haben diesen Lautsprecher für verschiedene Anwendungsbereiche konzipiert: Er funktioniert nicht nur als klassischer Aufsatzlautsprecher (Up-Firing), der den Schall über die Decke zum Hörplatz reflektiert. Er lässt sich auch per Schalter auf der Rückseite akustisch anpassen und als Direktstrahler (Front-Height) hoch oben an die Wand hängen. Beide Szenarien habe ich bei mir ausprobiert. Als Schaltzentrale und für die saubere Decodierung der Höheneffekte ist der Anthem AVM70 zuständig. Die nötige, saubere Leistung für die Nuberts liefert eine IOTAVX PA3 Endstufe.

Die spannende Frage für diesen Testbericht lautet also: Wie gut schlagen sich die kompakten Nubert-Lautsprecher im Zusammenspiel mit meinem fein auflösenden Burmester-Fundament? Und liefert die bequeme Aufsatz-Variante bereits das erhoffte Mittendrin-Gefühl? Oder führt am Ende doch kein Weg an der Deckenmontage vorbei?
Warum benötigt man überhaupt Höhenkanäle?
Wer sich jahrelang ein hochwertiges Surround-Setup aufgebaut hat, fragt sich vielleicht berechtigterweise: Brauche ich das wirklich? Lange Zeit war das auch meine Haltung. Aber klassischer 5.1- oder 7.1-Surround-Sound ist und bleibt zweidimensional. Egal wie gut die Lautsprecher sind, das Geschehen findet auf einer Ebene statt.
Mit objektbasierten Tonformaten wie Dolby Atmos oder DTS:X ändert sich das komplett. Der Klangraum wird zur Kuppel. Audio-Objekte sind nicht mehr fest an einen bestimmten Lautsprecher gebunden, sondern werden vom AV-Prozessor frei im dreidimensionalen Raum platziert. Wenn es im Film regnet, prasselt es nicht mehr von vorne oder von der Seite, sondern tatsächlich von oben auf einen herab. Ein Hubschrauber kreist spürbar über dem Kopf. Aber es sind gar nicht nur die lauten Effekte: Selbst subtile Rauminformationen, wie der weite Hall in einer großen Höhle oder das Windrauschen in den Baumkronen, bekommen eine völlig neue, luftige Räumlichkeit. Diese akustische „Käseglocke“ schließt die Lücke zwischen dem Hörer und dem Bildschirm.

Mein Anthem AVM70 Prozessor bietet sich perfekt für dieses Szenario an. Er decodiert 3D-Audio extrem präzise und platziert die Signale genau im Raum. Es wäre fast schon eine Verschwendung, diese Fähigkeiten nicht zu nutzen. Angetrieben von der grundsoliden IOTAVX PA3 Endstufe, haben die Nubert RS-54 in meinem Test eine klare Aufgabe: Das audiophile Fundament der Burmester-Kette nach oben hin aufzubrechen und zu erweitern, ohne dabei klanglich aus dem Rahmen zu fallen oder als „Fremdkörper“ im System aufzufallen. Eingemessen wird das alles mit Anthems ARC-System.
Design und Verarbeitung der Nubert nuLine RS-54
Wenn man Lautsprecher auf eine stattliche Burmester B30 stellt, gibt es optisch nur zwei Möglichkeiten: Entweder es sieht aus wie ein billiger Fremdkörper, oder es integriert sich nahtlos in das High-End-Ambiente. Nubert ist in der nuLine-Serie bekannt für eine extrem ehrliche und wertige Verarbeitung, und die RS-54 machen hier keine Ausnahme.
Als ich die kompakten Gehäuse aus dem Karton hob, fiel sofort das für die Größe ordentliche Gewicht auf. Da klappert nichts, das MDF-Gehäuse ist massiv verstrebt und der Mehrschichtlack ist makellos aufgetragen. Die Front wird durch ein Metallgitter geschützt, das dem Lautsprecher einen sehr technischen, sauberen Look verleiht.
Die RS-54 sind von Haus aus leicht angewinkelt konstruiert. Das ist essenziell für ihre Hauptaufgabe als Deckenreflexions-Lautsprecher, sieht aber auch bei der Wandmontage unter der Decke elegant aus.

Für mich war klar, das mittelfristig nur eine Montage an der Wand in Frage kommt. Meine Burmester Lautsprecher sind silber lackiert, die Nubert Lautsprecher gibt es in weißer und schwarzer Lackierung. Die weiße Variante sieht auf den silbernen Burmester Lautsprechern besser als erwartet aus, auf Dauer kommt da aber die Style-Polizei. Das geht leider nicht. An der weißen Wand gehen die Lautsprecher fast unter. Das ist deutlich schöner und auch klanglich besser.
Vom Direktstrahler zum Reflexionsstrahler
Was die Nubert RS-54 von vielen anderen „Atmos-Aufsätzen“ auf dem Markt abhebt, ist ihre akustische Flexibilität. Einfach einen normalen Lautsprecher schräg nach oben strahlen zu lassen, reicht für echtes Dolby Atmos nämlich nicht aus. Das ist ein günstiger Einstieg, aber auch nur ein Kompromiss.
Wenn Schall über die Zimmerdecke reflektiert wird, verändert sich sein Frequenzgang. Bestimmte Höhen gehen verloren, andere Frequenzen werden betont. Dolby schreibt für zertifizierte „Atmos Enabled Speaker“ daher eine spezielle Filterung vor, die diese Verfälschungen ausgleicht. Nubert hat diese Filterung natürlich integriert, aber abschaltbar gemacht. Auf der Rückseite der RS-54, direkt neben dem massiven und vergoldeten Anschlussterminal, findet sich ein kleiner Kippschalter:
Stellung „Reflexionsstrahler“: Aktiviert die spezielle Frequenzweiche für den Up-Firing-Betrieb (auf der Burmester stehend, zur Decke strahlend).
Stellung „Direktstrahler“: Schaltet den Filter ab. Der Lautsprecher verhält sich nun wie ein klassischer, exzellent abgestimmter 2-Wege-Kompaktlautsprecher. Perfekt für mein zweites Szenario als Front-Height-Lautsprecher direkt an der Wand, unter der Decke.

Angetrieben werden die beiden Höhenkanäle in meinem Setup von der IOTAVX PA3. Für die RS-54 ist das der ideale Partner: Die IOTAVX fügt dem Klang keinen eigenen Charakter hinzu, sondern reicht die Atmos-Signale des Anthem AVM70 1:1 an die Nuberts weiter. Ein 15-cm-Tiefmitteltöner und der bewährte Nubert nuOva-Hochtöner setzen das Ganze dann in präzisen Luftschall um.
Aufsatz vs. Deckenmontage im direkten Vergleich
Die spannendste Frage bei flexiblen Dolby-Atmos-Lautsprechern ist natürlich das Aufstellungsszenario. Nubert macht einem den Wechsel durch den rückseitigen Schalter extrem leicht. Um beiden Varianten absolut faire Bedingungen zu bieten, habe ich das System für beide Aufbauten komplett neu über die exzellente ARC Genesis Raumkorrektur meines Anthem AVM70 eingemessen.
Szenario 1: Up-Firing (Die bequeme Lösung auf den Burmester B30)
Für den ersten Durchlauf wanderten die RS-54 als klassische Aufsatzlautsprecher direkt auf meine Burmester B30. Der Schalter auf der Rückseite stand auf „Reflexionsstrahler“, damit die Frequenzweiche den Schall optimal für den Weg über die Zimmerdecke vorbereitet.
Das klangliche Ergebnis: Nach der Einmessung mit dem Anthem-Prozessor öffnete sich die vordere Bühne hörbar nach oben. Die Höheneffekte waren durchaus leicht da und erweiterten das Raumgefühl. Das typische „Atmos-Gefühl“ stellte sich in Form einer schönen, diffusen Räumlichkeit ein. Wenn es im Film regnete, wirkte der Raum insgesamt größer und höher.
Allerdings muss man hier ehrlich bleiben: Die punktgenaue Ortbarkeit, bei der man unwillkürlich den Kopf einzieht, weil ein Raumschiff über einen hinwegdonnert, fehlte mir bei der reinen Reflexion ein wenig. Das liegt nicht an Nubert. Die RS-54 machen hier einen guten Job. Es liegt an der Physik. Je nach Deckenbeschaffenheit, Höhe und Sitzabstand verwässert der reflektierte Schall. Es ist ein toller Kompromiss, wenn man absolut keine Lautsprecher aufhängen darf, aber für meine High-End-Ansprüche war da noch Luft nach oben.
Szenario 2: Front-Height unter der Decke (Der Gamechanger)
Also kam Plan B zum Einsatz: Die Nubert RS-54 wurden als „Front-Height“-Lautsprecher weit oben an der Wand/Decke montiert und direkt auf den Hörplatz angewinkelt. Durch ihre Bauform passiert das quasi schon automatisch. Der Kippschalter auf der Rückseite wechselte auf „Direktstrahler“. Die Atmos-Filterung war somit deaktiviert und die RS-54 arbeiteten nun als echte, extrem präzise Kompaktlautsprecher. Auf die erneute Einmessung konnte ich nicht verzichten, denn an den Seiten war jeweils ein Regal im Raum, die den Schall reflektieren. Auch nicht perfekt, aber im Wohnzimmer muss man Kompromisse eingehen.

Das klangliche Ergebnis war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Plötzlich war die 3D-Audio-Kuppel komplett geschlossen. Die Effekte kamen jetzt nicht mehr als ahnbarer Hauch über die Decke, sondern waren gestochen scharf und kraftvoll ortbar. Das direkte Abstrahlen sorgte dafür, dass Hubschrauber nun wirklich über meinem Kopf schwebten. Die Dynamik, die der Anthem AVM70 über die IOTAVX-Endstufe in die Höhenkanäle schickte, wurde von den Nuberts ansatzlos in den Raum geworfen. Hier zeigt sich, dass ein echter Direktstrahler einer Reflexionslösung klanglich einfach deutlich überlegen ist.
Die Harmonie im System: Nubert trifft Burmester
Ein Punkt, der mir im Vorfeld etwas Bauchschmerzen bereitet hatte: Wie verträgt sich der schwäbische Atmos-Speaker mit meinem Burmester-Setup? Reißt das Klangbild auf, wenn ein Effekt von unten nach oben wandert? Hier kann ich Entwarnung geben. Es gab keine unangenehmen tonalen Brüche, die Soundkulisse wirkte wie aus einem Guss. Anthem hat hier sicherlich auch durch die Einmessung einen Teil dazu beigetragen.
Bei der Wahl der Endstufe habe ich mich für die IOTAVX PA3 Endstufe entschieden, da Preis/Leistung hier überragend ist. Für die Höhenkanäle wäre eine Burmester Endstufe oder die passende Endstufe von Anthem einfach zu teuer gewesen. Und in der Praxis hat sich gezeigt, dass dies die richtige Entscheidung war. Dazu werde ich aber noch einen separaten Testbericht veröffentlichen.
Aufsatz oder Decke – Was ist besser?
Die Nubert nuLine RS-54 haben mich im Test wirklich beeindruckt, und das liegt vor allem an ihrer enormen Flexibilität. Der integrierte Kippschalter zur Deaktivierung der Dolby-Filterung macht diesen Lautsprecher zu einem echten Allrounder für den 3D-Sound.

Um die Frage „Aufsatz oder Decke“ für mein Setup abschließend zu klären: Als Up-Firing-Lösung auf den Burmester B30 machen die Nuberts einen guten Job – vorausgesetzt, die Raumakustik und die Deckenhöhe spielen mit. Für das gelegentliche Filmegucken reicht diese diffuse Räumlichkeit absolut aus und erspart einem lästige Bohrarbeiten.
Wer aber das absolute Maximum aus seinem Heimkino herausholen will, der muss diese Lautsprecher meiner Meinung nach als Direktstrahler unter die Decke hängen. Im Front-Height-Betrieb entfalten die RS-54 ihr volles Potenzial: Sie sind präzise, dynamisch und schließen die Sound-Kuppel über dem Hörplatz.
Der Lautsprecher kostet 335 Euro (Stand März 2026) und ihr benötigt zwei Stück. Alternativ sogar noch zwei weitere Lautsprecher für die Rückwand. Bestellen könnt ihr sie direkt bei Nubert:






