Secretlab TITAN Evo Small im Test

Gamingstuhl für Kinder: Der Secretlab TITAN Evo Small im Praxistest

Wenn Kinder zocken, Hausaufgaben machen oder am Rechner kreativ werden, sitzen sie oft genauso lange wie Erwachsene. Häufig sitzen sie dabei aber auf einem Stuhl, der nicht zu ihnen passt. Viele Gamingstühle sehen cool aus, sind aber für Erwachsene gebaut. Die Sitzfläche ist zu tief, die Rückenlehne zu hoch, das Kopfpolster nicht an der richtigen Stelle und die Füße baumeln in der Luft. Auf Dauer ist das nicht nur unbequem, sondern auch schlecht für die Haltung.

Wir haben ja ziemlich lange auf den Aeris Swoppster gesetzt, der ist jetzt aber zu klein geworden. Daher stellt sich mir die Frage welcher Gamingstuhl wirklich für ein Kind geeignet ist, und worauf man beim Kauf achten muss? Nach einigen Vergleichen habe ich mich für den Secretlab TITAN Evo Small entschieden, die kleinere Variante des bekannten Gamingstuhls.


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Secretlab TITAN Evo Small im Test

Warum Kinder keinen „normalen“ Gamingstuhl brauchen

Ein Gamingstuhl soll den Körper beim langen Sitzen stützen. Das klappt aber nur, wenn er zur Größe passt. Die meisten Modelle auf dem Markt sind für Erwachsene zwischen etwa 1,70 und 1,90 Meter ausgelegt.

Zu tiefe Sitzfläche, zu hohe Rückenlehne, falsch sitzendes Kopfkissen

Das größte Problem ist die Sitztiefe. Ist die Sitzfläche zu lang, erreicht das Kind die Rückenlehne nur, wenn die Kniekehlen gegen die Sitzkante drücken. Also rutscht es nach vorn und sitzt ohne Rückenkontakt auf der Kante. Die Lehne ist dann nur noch Dekoration. Ähnlich ist es bei Lordosenstütze und Kopfkissen. Beide sollen an bestimmten Stellen der Wirbelsäule stützen: im unteren Rücken und am Nacken. Bei einem kleineren Oberkörper sitzt die Lendenstütze aber zu hoch und das Kopfkissen landet im Schulterbereich. Statt zu entlasten, drücken die Polster das Kind nach vorn in eine krumme Haltung.

Füße in der Luft: Folgen für die Haltung

Damit das Kind an den Schreibtisch kommt, wird der Stuhl meist ganz nach oben gefahren. Die Folge: Die Füße erreichen den Boden nicht mehr. Ohne festen Stand fehlt die Stabilität. Kinder rutschen herum, schlagen die Beine unter oder ziehen die Knie an. Sitzen sie lange so, verspannen sich Rücken, Nacken und Schultern, und die Oberschenkel stehen unter Druck.

Ergonomisch richtig ist es, wenn die Füße flach auf dem Boden oder auf einer Fußstütze stehen. Die Knie sollten etwa im rechten Winkel sein und der Rücken vollständig an der Lehne angelehnt sein. Das schafft ein Erwachsenenstuhl bei einem Kind praktisch nie.

Kinder wachsen: Der Stuhl muss mitwachsen

Dazu kommt, dass Kinder schnell wachsen. Ein Stuhl, der heute perfekt passt, kann in zwei Jahren zu klein sein. Wer dagegen „auf Zuwachs“ kauft, mutet dem Kind jahrelang einen zu großen Stuhl zu. Sinnvoller ist ein Modell, das für kleinere Körpergrößen ausgelegt ist und sich trotzdem weit verstellen lässt: in Sitzhöhe, Armlehnen, Lordosenstütze und Neigung. So passt es heute und auch in ein paar Jahren noch.

Genau deshalb lohnt es sich, gezielt nach einem Gamingstuhl in kleiner Größe zu suchen, statt einfach das Erwachsenenmodell ins Kinderzimmer zu stellen. Aber das ist gar nicht so einfach. Viele der etablierten Anbieter haben nur Stühle für Erwachsene im Angebot.

Secretlab TITAN Evo Small im Test

Kaufkriterien – worauf soll ich mein Kauf achten?

Ein guter Gamingstuhl für Kinder muss vor allem passen. Optik und Look kommen danach. Das ist vielleicht bei den Kids nicht so im Vordergrund, sollte es aber sein. Diese Punkte solltest du vor dem Kauf prüfen:

Körpergröße und Gewicht: die passende Stuhlgröße wählen

Der wichtigste Punkt: Jeder Hersteller gibt für seine Modelle eine empfohlene Körpergröße und ein Maximalgewicht an. Halte dich an diese Angaben und prüfe vorher bei deinem Kind die aktuelle Größe und das Gewicht. Liegt es am unteren Ende des Bereichs, ist der Stuhl eher etwas zu groß. Liegt es in der Mitte, hat es noch Luft zum Wachsen. Einige Marken bieten ihre Stühle in mehreren Größen an, meist als Small, Regular und XL. Für Kinder und kleinere Jugendliche ist fast immer die kleinste Variante die richtige.

Sitztiefe und Sitzhöhe: Knie im 90-Grad-Winkel, Füße auf dem Boden

Achte auf die Sitztiefe: Wenn das Kind ganz hinten an der Lehne sitzt, sollten zwischen Sitzkante und Kniekehle noch etwa zwei bis drei Fingerbreit Platz sein. Bei der Sitzhöhe gilt: Die Füße stehen flach auf dem Boden, und die Knie sind ungefähr im rechten Winkel. Prüfe auch, wie tief sich der Stuhl absenken lässt. Gerade bei kleineren Kindern ist die minimale Sitzhöhe oft entscheidender als die maximale.

Lordosenstütze und Kopfstütze: richtige Position bei kleinem Oberkörper

Die Lordosenstütze soll in der natürlichen Krümmung des unteren Rückens sitzen, etwa auf Höhe des Hosenbunds. Ideal ist eine Stütze, die sich in Höhe und Tiefe verstellen lässt. Lose Kissen verrutschen schnell. Das Kopfkissen sollte den Nacken stützen und nicht den Hinterkopf nach vorn drücken. Bei Kindern ist es oft sinnvoller, das Kopfkissen anfangs ganz wegzulassen, als es falsch zu nutzen.

Secretlab TITAN Evo Small im Test

Armlehnen in der Höhe passend zur Schreibtischkante ausrichten

Die Armlehnen sollten so eingestellt sein, dass die Unterarme locker aufliegen und die Schultern entspannt bleiben. Die Ellenbogen sind dabei etwa im rechten Winkel. Am besten liegen die Armlehnen auf Höhe der Tischplatte. Dann kann der Stuhl nah genug an den Schreibtisch rollen. Mehrfach verstellbare Armlehnen (Höhe, Tiefe, Breite, Winkel) sind hier klar im Vorteil.

Verstellbarkeit: Was kann das Kind selbst bedienen?

Ein Stuhl kann noch so viele Einstellmöglichkeiten haben, aber wenn das Kind sie nicht versteht oder nicht bedienen kann, sitzt es trotzdem falsch. Achte auf leichtgängige, gut erreichbare Hebel und Drehräder. Stell den Stuhl am Anfang gemeinsam mit deinem Kind ein und erkläre, wofür die einzelnen Funktionen da sind. Eine Wippfunktion mit Feststellung ist praktisch. Die Rückenlehne sollte beim Arbeiten aber aufrecht stehen und nicht in Liegeposition.

Sicherheit: Gasdruckfeder, Kippschutz und die richtigen Rollen

Kinder kippeln, drehen sich und lassen sich gern in den Stuhl fallen. Deshalb ist die Sicherheit besonders wichtig. Dazu eignen sich die folgende Eigenschaften und Funktionen:

  • Gasdruckfeder: Achte auf eine geprüfte Gasdruckfeder, idealerweise der Klasse 4, also der höchsten Belastungsklasse.
  • Fußkreuz: Ein stabiles, fünfstrahliges Fußkreuz aus Metall sorgt für einen sicheren Stand und schützt vor dem Umkippen.
  • Rollen: Für Hartböden wie Parkett, Laminat oder Fliesen brauchst du weiche Rollen, für Teppich harte Rollen. Gebremste Rollen verhindern, dass der Stuhl beim Aufstehen wegrollt.
  • Prüfsiegel: Ein GS-Zeichen oder vergleichbare Prüfungen geben zusätzliche Sicherheit.

Material: Kunstleder oder Stoff?

Bei Kunstleder kann man schnell schwitzen… am Ende müsst ihr es ausprobieren. Aber dafür ist Kunstleder pflegeleicht. Verschütteter Saft oder Schokoladenfinger lassen sich einfach abwischen. Allerdings kann es im Sommer warm werden, und günstige Varianten werden mit der Zeit rissig. Stoffbezüge sind atmungsaktiver und angenehmer bei Wärme, aber empfindlicher gegenüber Flecken. Achte auf einen Hersteller, der transparente Angaben zu den verwendeten Materialien macht. Bei sehr billigen Stühlen fällt manchmal schon beim Auspacken ein starker chemischer Geruch auf.

Secretlab TITAN Evo Small im Test

Passt der Schreibtisch dazu?

Der beste Stuhl hilft wenig, wenn der Schreibtisch nicht passt. Viele Kinder sitzen an einem normalen Erwachsenentisch. Dann muss der Stuhl so weit hoch, dass die Füße wieder in der Luft hängen. Es gibt zwei Lösungen:

Stuhl und Tisch sollten immer zusammen gedacht werden. Erst dann sitzt dein Kind wirklich ergonomisch.

Meine Wahl: Secretlab TITAN Evo Small

Den TITAN Evo gibt es in drei Größen: S (Small), R (Regular) und XL. Laut Secretlab ist die Größe S für Personen bis 169 cm Körpergröße und unter 90 kg gedacht. Regular beginnt erst bei 170 cm, XL ist für große und schwere Spieler. Für ein Kind kommt damit nur die Größe S infrage. Sitzfläche und Rückenlehne sind kleiner, und Lordosenstütze und Kopfkissen sitzen näher an der richtigen Stelle. Secretlab empfiehlt die kleine Größe ausdrücklich auch dann, wenn man eine „engere Passform“ möchte oder Schwierigkeiten hat, die Füße flach auf den Boden zu stellen.

Aber auch der TITAN Evo Small ist kein reiner Kinderstuhl, sondern die kleinste Variante eines Erwachsenenstuhls. Die minimale Sitzhöhe liegt bei 45 cm. Bei jüngeren oder kleineren Kindern erreichen die Füße den Boden deshalb oft noch nicht. Dann ist eine Fußstütze Pflicht. Wir kommen ohne Fußstütze aus und der Stuhl passt auch hervorragend. Aber man muss es immer ausprobieren, zur Not muss der Stuhl zurückgeschickt werden.

Ergonomie: Lordosenstütze und Kopfkissen

Das wichtigste Ergonomie-Feature ist die integrierte Lordosenstütze. Anders als bei vielen Gamingstühlen ist sie kein loses Kissen, das ständig verrutscht. Sie sitzt in der Rückenlehne und lässt sich per Drehrad in Höhe und Tiefe einstellen. Gerade bei Kindern ist das ein großer Vorteil. Die Stütze lässt sich genau dorthin schieben, wo sie gebraucht wird, und mit dem Wachstum Stück für Stück nachjustieren.

Das Kopfkissen aus Memory-Schaum hält magnetisch an der Rückenlehne. Es lässt sich also stufenlos verschieben und genauso leicht abnehmen. Bei kleineren Kindern würde ich es anfangs weglassen und erst nutzen, wenn es wirklich im Nackenbereich liegt. Die 4D-Armlehnen lassen sich in Höhe, Tiefe, Breite und Winkel anpassen. So kann man sie gut auf die Schreibtischhöhe abstimmen.

Verarbeitung und Materialien

Der Rahmen ist aus Stahl, das Fußkreuz aus Aluminium und die Gasdruckfeder entstammt der Klasse 4. Der TITAN Evo ist auf viele Jahre Nutzung ausgelegt. Das passt gut zu einem Stuhl, der mitwachsen soll. Die Polsterung ist eher fest als weich. Das ist anfangs ungewohnt, ergonomisch aber sinnvoll, weil man nicht „einsinkt“.  Beim Bezug gibt es Kunstleder- und Stoffvarianten. Wir haben uns für Stoff entschieden, da natürlich auch die Optik eine Rolle spielt.

Aufbau: Was ist zu beachten?

Der Stuhl wird gut verpackt geliefert, ist aber schwer und sperrig. Für das Tragen und Aufrichten der Rückenlehne ist eine zweite Person hilfreich. Das Werkzeug liegt bei, und die Anleitung ist übersichtlich. Der Aufbau hat etwa 30 Minuten Zeit in Anspruch genommen.

Nach dem Aufbau lohnt es sich, den Stuhl gemeinsam mit dem Kind einzustellen: zuerst die Sitzhöhe, dann Lordosenstütze, Armlehnen und zum Schluss das Kopfkissen.

Danach kann das Gaming-Vergnügen starten. Klar, der Stuhl ist nicht günstig. Aktuell (Oktober 2026) wird er direkt beim Hersteller zum Preis von 549 Euro angeboten. Da er aber mitwachsen kann, wird er vielleicht einige Jahre halten.

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