Wer sich einmal mit dem Thema High-End-HiFi beschäftigt hat, weiß das die Suche nach dem perfekten Klang kein Sprint ist. Es ist viel mehr eine Reise mit vielen Etappen, Lektionen und manchmal auch unerwarteten Abzweigungen. Das gilt ganz besonders für den digitalen Signalweg.
Nachdem ich über Jahre hinweg meine Burmester-Kette (bestehend aus der Vorstufe Burmester 088, den mono-gebrückten Endstufen 039-6 und den B30 Standlautsprechern) optimiert habe, stand in den letzten Jahren vor allem ein Thema im Fokus: Das perfekte Streaming-Setup. Ich habe so lange keine CD mehr eingelegt, das ich mich vom CD-Player getrennt habe. Als Alternative sollte ein richtig guter Streamer meine Anlage ergänzen.
In diesem Artikel blicke ich auf meine persönliche Streaming-Evolution zurück und vergleiche fünf Meilensteine, die ich in meiner eigenen Kette intensiv getestet habe: den Bluesound Node Icon, den Auralic Vega S1 (mit PSU), den Auralic Vega G2.2, den Lumin U2 und meinen aktuellen Favoriten, den Aurender N150.
Dieser Artikel soll sowohl als persönlicher Erfahrungsbericht dienen als auch Einsteigern und Fortgeschrittenen eine Orientierungshilfe
Die Evolution des Klangs: Meine persönliche Reise
1. Der Einstieg: Bluesound Node Icon
Gestartet ist meine Reise mit dem klassischen Bluesound Node, gefolgt vom Upgrade auf den Bluesound Node Icon. Für rund 1.100 Euro ist der Node Icon ein fantastisches Paket: Er bringt moderne Features wie ein farbiges Display (leider ohne Touch) und HDMI eARC mit und läuft auf der extrem stabilen BluOS-Plattform.

Klanglich schlägt sich der interne Dual-Mono-DAC des Node Icon wacker und zog im Test mit dem integrierten DAC-Modul meiner Burmester 088 Vorstufe gleich. Doch im direkten Vergleich mit einem Top-CD-Spieler wie dem Burmester 001 wurde schnell klar: Hier fehlt es an der letzten Luftigkeit, Dreidimensionalität und der feinen Textur, die eine echte High-End-Kette ausmacht.
Fazit für Einsteiger: Der perfekte Allrounder für normale HiFi-Ketten und ältere Anlagen, die smart modernisiert werden sollen. Für kompromissloses High-End jedoch der Flaschenhals.
2. Der erste Wow-Effekt: Auralic Vega S1 mit externem Netzteil (PSU)
Nachdem ich beim Node Icon klanglich an Grenzen stieß, folgte der Wechsel zum Auralic Vega S1 inklusive des externen Netzteils (PSU) für ca. 3.000 Euro. Hier verlässt man die Consumer-Klasse und betritt audiophiles Terrain. Dank des proprietären „Fusion-DACs“, galvanischer Trennung und der DDR-Technologie (Direct Data Recording) spielte der Vega S1 in einer völlig anderen Liga als der Bluesound.

Die Musik wirkte plötzlich gelöst, die Bühne öffnete sich und die Auflösung im Hochtonbereich nahm dramatisch zu, ohne steril zu wirken. Gekoppelt mit Reinsilber-Kabeln zeigte der S1, wie viel Potenzial in Qobuz-Streams steckt.
3. Der Sprung in die Referenzklasse: Auralic Vega G2.2
Da die Burmester 088 Vorstufe nach einem adäquaten Partner verlangte, ging es einen großen Schritt weiter zum Auralic Vega G2.2 (7.799 Euro). Hier hatte ich die Möglichkeit ein Testgerät für einen wirklich attraktiven Preis zu kaufen. Das Unity-Chassis II aus dem Vollen gefräst, die Tesla G3 Plattform mit gewaltiger Rechenleistung und die analogen ORFEO-Class-A-Ausgangsstufen machten sich sofort bemerkbar.

Klanglich war das ein echter Quantensprung zum S1: Stimmen bekamen einen physischen Körper, Gitarrensaiten (etwa bei Nils Lofgrens „Keith Don’t Go“) klangen atemberaubend echt, dynamisch und losgelöst. Der Vega G2.2 fügte dem eher analytischen S1-Klang genau jene Wärme und Schwärze im Bass hinzu, die man von Spitzengeräten erwartet. Er übertraf klanglich sogar meinen geliebten Burmester CD-Player. Wobei das natürlich immer persönlicher Geschmack ist.
Strategiewechsel: Die Trennung von DAC und Transport
Ein unerwartetes Ereignis zwang mich zum Umdenken: Auralic stellte seine Arbeit ein. Bei All-in-One-Geräten, die stark auf App-Updates angewiesen sind (wie beim iOS-Wechsel), birgt das ein hohes Risiko für die Zukunft. Zudem ist die Lightning DS App ohnehin etwas in die Jahre gekommen.
Daraus entwickelte sich eine strategische Entscheidung: Trennung von DAC und Streamer/Transporter. Der Auralic Vega G2.2 wurde in den Modus „PureDAC“ versetzt. Damit arbeitet er als reiner D/A-Wandler ohne Streaming-Modul und bleibt softwareunabhängig. Als Zuspieler musste nun ein hochspezialisierter, reiner Streaming-Transporter her. Leider bedeutete dies, das ich wieder investieren musste.
4. Die erste Zwischenstation: Lumin U2
Die Wahl fiel auf den Lumin U2 (4.990 Euro). Als reiner Transporter ohne DAC konzentriert er sich ausschließlich auf die bitperfekte digitale Ausgabe. Über ein AIM UA3 Reinsilber-USB-Kabel ging das Signal in den Vega G2.2 PureDAC.

Das klangliche Ergebnis war verblüffend: Der Lumin U2 spielte nochmals hörbar befreiter, dynamischer und sauberer auf als das integrierte Streaming-Modul des Vega G2.2 im Alleingang. Dennoch gab es im Alltag Schattenseiten:
- Die Lumin App wirkt optisch stark veraltet (Retro-Design).
- Das Display ist winzig und vom Sofa aus nicht lesbar.
- Bei sehr leisem Musikhören und direktem Herantreten an das Gerät war ein leichtes mechanisches Trafobrummen vernehmbar. Hier konnte allerdings mit dem erstklassigen Support direkt eine Lösung erarbeitet werden. Spitze!
Doch in erster Linie harmonierte der Lumin U2 nicht mit meinem Gesamt-Setup. Der Klang war sehr analytisch und transparent. Mir fehlte die musikalische Komponente.
5. Das vorläufige Ziel: Aurender N150
Auf der Suche nach einer noch komfortableren und autarkeren Lösung stieß ich auf den Aurender N150 (ca. 4.000 Euro). Mein Ziel war es auch, die monatlichen Kosten für das Roon-Abonnement einzusparen und meine lokale Bibliothek komplett auf das Gerät zu verlagern. Die lokale Bibliothek ist nicht so groß, daher wollte ich auch hier nicht dauerhaft für Roon zahlen.

Der N150 überzeugte mich auf ganzer Linie durch sein durchdachtes Konzept:
- NVMe Caching: Titel werden vor dem Abspielen komplett in einen schnellen NVMe-Speicher geladen, während die eigentliche Speicher-SSD schlafen gelegt wird. Das minimiert Jitter und elektronische Unruhe.
- Integrierte USV: Ein Superkondensator-Speicher schützt die lokale SSD bei plötzlichem Stromausfall vor Datenverlust.
- Einfache Befüllung: Der rückseitige SSD-Einschub lässt sich im Nu werkzeuglos bestücken.
Klanglich ist der Aurender N150 der absolute Ruhepol in meiner Kette. Er bringt eine „digitale Stille“ und Schwärze zwischen den Instrumenten mit, die faszinierend ist. Nils Lofgrens Gitarrenanschläge explodieren förmlich im Raum, während der Bass von Jack Johnson trocken, konturiert und mit gnadenloser Kontrolle über die Burmester B30 wiedergegeben wird. Der N150 nimmt jegliche analytische Schärfe aus der Kette und fügt eine wunderbare, natürliche Musikalität hinzu. Die Bedienung über die Aurender Conductor App läuft zudem hervorragend. Auch hier würde ich mir wünschen, das man das Design ins heutige Zeitalter überführt, aber man kann nicht alles haben.
Klanglich sind Lumin U2 und Aurender N150 absolut auf Augenhöhe. Je nach Gesamtsetup und persönlichem Musikgeschmack muss man schauen, welches Gerät am besten passt.
Fazit: Welcher Weg ist der richtige für dich?
Ich habe das große Glück, das ich viele Geräte testen kann. Das ist leider nicht typisch, gerade bei den hohen Gerätekosten. Danke dafür noch mal an meinen Partner.
- Der preisbewusste Einsteiger: Wer eine exzellente App-Bedienung (BluOS), Multiroom-Fähigkeit und ein tolles Display sucht, um eine bestehende Anlage aufzuwerten, greift zum Bluesound Node Icon. Er bietet enorm viel Klang fürs Geld.
- Der detailverliebte Aufsteiger: Der Auralic Vega S1 (idealerweise mit PSU) bietet echten High-End-Klang zu einem noch überschaubaren Preis, vorausgesetzt, man nutzt Roon oder arrangiert sich mit der Lightning DS App. Durch die Auralic-Aufgabe kann man die Geräte evtl. zum Super-Schnäppchen-Preis ergattern.
- Der kompromisslose Musikliebhaber: Die getrennte Lösung ist die Königsklasse. Der Aurender N150 zeigt als reiner Transporter an einem hochwertigen DAC, was klanglich im Streaming-Bereich möglich ist. Dank des Caching-Konzepts, der lokalen SSD-Speicherung und der grandiosen App ist er für mich das aktuelle Highlight und der verdiente Favorit an der Burmester-Kette.






