Aurender N150 - Streaming Transporter im Test

Aurender N150 im Test: Puristischer Streaming-Transport an der Burmester-Kette

Wer sich einmal intensiv mit der Optimierung einer High-End-HiFi-Kette auseinandergesetzt hat, der weiß das der Teufel im Detail steckt, und die Reise zum perfekten Klang eigentlich nie endet. Nachdem ich mich in den letzten Monaten intensiv mit der Netzwerk-Infrastruktur, Switches und der galvanischen Trennung hinter meiner FRITZ!Box beschäftigt habe, stand nun ein ganz besonderer Proband in meinem Hörraum. Ich habe mir den Streaming-Transporter Aurender N150 genauer angeschaut und die letzten Wochen im täglichen Testbetrieb damit verbracht.

Bislang übernahm in meiner Kette das Streaming-Frontend von Auralic den Job des digitalen Zuspielers immer im Wechsel mit dem Lumin U2. Während der Auralic Vega G2.2 ein DAC mit integriertem Streaming-Modul ist, ist  der Lumin U2 ein reiner Streaming-Transporter. Diesen Weg geht auch Aurender mit dem N150. Auch dieses Gerät ist ein reiner Streaming-Transport. Er besitzt keine eigene Wandlersektion, sondern konzentriert sich vollends darauf, Audiodaten aus dem Netz oder von der lokalen Musikbibliothek absolut fehler- und jitterfrei an einen externen D/A-Wandler zu übergeben. In meinem Setup durfte er über das AIM USB-Kabel an meinem Auralic DAC andocken, während die Vorstufe Burmester 088 und die 039-6 Endstufen die weitere Arbeit an den Burmester B30 Lautsprechern übernahmen. Das ist ein sehr hochwertiges Setup und mein Ziel war es den Aurender N150 sowohl für Streaming-Inhalte, wie auch für meine lokale Musik-Bibliothek zu nutzen. Die Inhalte, die bislang auf meinem Roon-Server liegen, sollten ab sofort von Aurender gespielt werden.

Aurender N150 Streaming Transport im Test

Die spannende Frage, die mich während der Testphase permanent begleitete: Kann ein spezialisierter digitaler Transport in einer ohnehin penibel optimierten Kette überhaupt noch eine hörbare Schippe drauflegen? Bringt das Caching-Verfahren von Aurender, bei dem die Titel vor der Wiedergabe komplett in einen Solid-State-Speicher geladen werden, einen Gewinn an digitaler Ruhe?

Design und Gehäusequalität des Aurender N150

Wenn ein Paket mit knapp zehn Kilogramm Gewicht in der Redaktion eintrifft und man sich vor Augen führt, dass darin weder Endstufen-Trafos noch ein schweres CD-Laufwerk verborgen sind, wird schnell klar: Aurender überlässt beim Gehäusebau absolut nichts dem Zufall. Der N150 ist ein Musterbeispiel für das, was man im besten Sinne als „Massiven Maschinenbau“ bezeichnet. Das komplett aus dickwandigem, perfekt eloxiertem Aluminium gefräste Gehäuse wirkt wie aus dem vollen Block geschnitten. Die Oberflächenstruktur ist seidenmatt und extrem unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken.

Aurender N150 Streaming Transport im Test

Optisch setzt der N150 mit seinen markanten, seitlich integrierten Kühlrippen einen klaren Akzent im HiFi-Rack. Allerdings muss man auch erwähnen, das der Aurender N150 ein ziemlich kleines Gerät ist. Es ist nur etwa halb so breit, wie klassische HiFi-Geräte. Das kann im Rack etwas mickrig wirken und hat auch bei mir dazu geführt, das ich die ein oder andere Nacht über die Anschaffung geschlafen habe. Am Ende hat sich das Gerät aber doch sehr gut ins Rack integriert.

Aurender N150 Streaming Transport im Test

Das Display und die Front: Fokus auf das Wesentliche

Die Frontplatte ist angenehm aufgeräumt. Neben dem soliden Power-Button auf der linken Seite dominieren vier quadratische Tasten auf der rechten Seite, die eine rudimentäre Steuerung (Play, Pause, Track vor/zurück) direkt am Gerät erlauben. Das Herzstück der Front ist jedoch das integrierte AMOLED-Display. Das Display ist sehr scharf, extrem kontrastreich und lässt sich auch aus größerem Betrachtungswinkel perfekt ablesen. Natürlich ist es etwas kleiner und wenn man die Option „Cover darstellen“ aktiviert, wird alles recht klein. Da müsst ihr schauen, welche Information für euch wichtig ist. Ich habe das Display mittlerweile komplett abgeschaltet. Das Display informiert ansonsten über Künstler, Titel und das anliegende Datenformat.  Wer maximale klangliche Qualität sucht, kann das Display über die App komplett ausschalten. Das minimiert potenzielle hochfrequente Störeinflüsse der Display-Elektronik im Gehäuse , ein Feature, das an einer hochauflösenden Kette einfach Pflicht ist.

Aurender N150 Streaming Transport im Test

Wendet man den Blick auf die Rückseite, setzt sich der kompromisslose Qualitätsanspruch nahtlos fort. Die Anschlussbuchsen sind fest mit dem Chassis verschraubt, sodass selbst schwere High-End-Kabel einen sicheren und stabilen Halt finden. Ein echtes Highlight in der täglichen Praxis ist der integrierte Festplattenschacht auf der Rückseite. Aurender verzichtet beim N150 bewusst auf fest verbaute Datenträger. Stattdessen befindet sich dort ein Einschub, der eine 2,5-Zoll-SSD im Nu und völlig ohne Werkzeug aufnimmt. Schublade auf, Festplatte rein, fertig. Für den Aufbau einer lokalen Bibliothek mit hochauflösenden Dateien ist das eine perfekte und zukunftssichere Lösung.

Wie wird der Datenträger mit Musik bestückt?

Ich möchte ja ab sofort die monatlichen Kosten bei Roon einsparen und meine lokale Musikbibliothek über Aurender ausspielen. Aurender-Server sind im Netzwerk als ganz normale Freigabe (Netzlaufwerk) sichtbar. Das ist der Standard-Weg für jeden, der seine Musik am PC/Mac verwaltet oder seine CDs dort rippt.

Aurender N150 SSD-HDD Slot

So funktioniert es: In den Einstellungen der Aurender Conductor App aktiviert man den Netzwerkdienst (Samba). Jetzt erscheint der Aurender im Explorer (Windows) oder Finder (Mac) unter den Netzwerkgeräten. Du gibst einfach den in der App angezeigten Benutzernamen und das Passwort ein. Danach kannst du deine Alben-Ordner per Drag & Drop vom Computer direkt auf die eingebaute SSD des N150 kopieren. Der Aurender scannt im Hintergrund die Metadaten (Tags, Cover) der neuen Dateien und sortiert sie nahtlos in die Conductor-Bibliothek ein. Ich empfehle vorher mit unterschiedlicher Software die Metadaten korrekt zu setzen. Da gibt es einige Möglichkeiten dies überwiegend automatisiert durchzuführen.

Caching-Konzept bei Aurender

Egal über welchen Weg du die SSD befüllst: Das Geniale an der Aurender-Architektur ist, dass die Musik beim Abspielen nicht in Echtzeit von dieser Speicher-SSD gestreamt wird.

Aurender N150 Rückseite / Back

Sobald du in der App auf „Play“ drückst, lädt der N150 das Album blitzschnell in seinen internen, superschnellen NVMe-SSD-Caching-Speicher um. Die eigentliche Speicher-SSD wird danach sofort schweigend schlafen gelegt. Das eliminiert jegliche Lese-Jitter und sorgt an der Burmester-Kette für genau die „digitale Ruhe“, die wir suchen.

Die Bedienung läuft übrigens nur über die Conductor App. Per klassischer Fernbedienung ist das ausgeschlossen.

Aurender N150 vs. Lumin U2

Integrierte USV hilft bei Ausfällen

Besonders überrascht hat mich die interne USV. USV bedeutet unterbrechungsfreie Stromversorgung. Ich habe das Gerät einmal vom Strom genommen und mich gewundert, dass nach wie vor das Display und der Einschaltknopf beleuchtet wurde.

Wer einen Musikserver einfach hart über die schaltbare Steckerleiste vom Netz trennt oder mit einem unvorhergesehenen Stromausfall konfrontiert wird, riskiert im schlimmsten Fall eine Beschädigung des Dateisystems auf der SSD. Das kann den Verlust der mühsam aufgebauten Musiksammlung bedeuten. Aurender hat hier mitgedacht und dem N150 eine integrierte USV auf Basis von Superkondensatoren spendiert. Sollte es im Haus zu einem plötzlichen Stromausfall kommen, schaltet der N150 blitzschnell auf den internen Energiespeicher um. Der Server hat dadurch genügend Zeit, alle offenen Schreibvorgänge sicher zu beenden, die SSD sauber abzumelden und das System kontrolliert und absolut gefahrlos herunterzufahren. Das ist für mich im täglichen Betrieb ein unschätzbares Komfort- und Sicherheitsfeature, das den N150 endgültig vom Standard-PC unterscheidet und das Vertrauen in die Datensicherheit massiv stärkt.

Aurender N150 vs. Lumin U2 vs. Auralic Vega G2.2

Der Klang-Check: Pure Dynamik und eine neue Dimension der Räumlichkeit

Nach wochenlangem Testbetrieb an den Burmester B30 Standlautsprechern, lässt sich das klangliche Ergebnis am besten mit einem Wort beschreiben: Ruhe. Eine tiefe, fast greifbare Schwärze zwischen den einzelnen Instrumenten, die ich in dieser Form nur von sehr hochwertigen Netzwerk-Streamern kenne. In diese Kategorie fällt natürlich auch der Aurender N150.

Nils Lofgren – „Keith Don’t Go“ (Dynamic & Hochton-Präzision)

Die legendäre Live-Aufnahme ist der ultimative Prüfstein für das Timing und die Impulstreue eines Systems. Das Zusammenspiel aus Aurender N150 und dem Auralic DAC zeigt hier sofort wie hoch die Messlatte liegt:

  • Das Zupfen der Saiten: Jeder einzelne Anschlag der Gitarrensaiten explodiert förmlich im Raum. Die Dynamik wirkt ungebremst, sehr direkt.
  • Die Auflösung: Wo billigere Digitalquellen im dichten Texturgeflecht der Obertöne gern einmal ins Analytische oder gar Nervige abrutschen, bewahrt die Kette hier eine faszinierende Balance. Die feinsten Ausschwinger der Saiten stehen felsenfest im Raum, ohne jede Schärfe.
  • Musikalisch: Der Aurender N150 wirkt im Vergleich zu anderen von mir getesteten Streamern sehr musikalisch.

Jack Johnson – Plastische Bühne und gnadenlose Basskontrolle

Bei ruhigeren, bassstärkeren Stücken zeigt das Caching-Konzept seine zweite fundamentale Stärke: die Raumabbildung.

  • Die Dreidimensionalität: Die Bühne öffnet sich merklich in die Tiefe. Jack Johnsons Stimme steht exakt in der Mitte, vollkommen gelöst von den Lautsprechern. Man meint förmlich zu hören, in welcher Höhe das Mikrofon im Studio platziert war.
  • Das Fundament: Der Tiefbass kommt trocken, extrem konturiert und mit absolut präzisem Stop-and-Go. Hier wummert nichts, hier weicht nichts auf. Die Burmester-Endstufen erhalten vom DAC ein so sauberes, feindynamisch perfekt aufbereitetes Signal, dass die B30 im Bassbereich mit einer ungeahnten Schwärze und Autorität aufspielen.

Der Aurender N150 greift nicht fehlerhaft in die Tonalität ein, er poliert den digitalen Signalweg so akribisch, dass der nachfolgende DAC sein volles Potenzial ausschöpfen kann.

Aurender N150 Streamin Transporter im Test

Doch fairerweise muss man sagen, das es am Ende auch immer auf die Gesamtkette ankommt. Der Aurender N150 macht einen hervorragenden Job und bei mir nimmt er den analytischen Ansatz anderer Komponenten raus und fügt ein wenig mehr von der musikalischen Komponente hinzu. Das gefällt mir sehr gut, anderen gefällt vielleicht der analytische Klang besser. Das muss jeder selbst für sich entscheiden.

Ich wollte auf jeden Fall mehrere Probleme bei mir lösen. Zum einen wollte ich Roon ablösen und die Musik auf einem Gerät speichern. Dadurch sollten auch monatliche Abo-Kosten reduziert werden. Zum anderen wollte ich mich möglichst unabhängig machen. Nach dem Kauf des Auralic Vega G2.2 hat das Unternehmen ihre Arbeit eingestellt. Daher möchte ich zukünftig das Risiko minimieren, in dem ich auf einen DAC und einen separaten Transporter setze. An beide Punkte kann ich einen Haken machen, Aurender ist hier sehr gut aufgestellt und löst meine Probleme und Sorgen.

Das jetzt noch mein klanglicher Geschmack komplett getroffen wird, ist natürlich perfekt. Jetzt bleibt lediglich noch der Blick Richtung N200, der große Streaming-Transporter, der auch die volle Breite einnimmt. Der ist aber preislich leider auf einem anderen Level. Doch besser geht es immer.

Der Aurender N150 kostet knapp 4.000 Euro und ist im Fachhandel für euch erhältlich. In Deutschland ist Audio Components für die Distribution zuständig. Dort findet ihr über die Händlersuche den nächsten Händler in eurer Region:

https://www.audio-components.de/marken/aurender/n150/AU44691